Was haltet ihr von folgender Idee: Bei der aktuellen Fußball-WM könnte doch jeder Spieler eine GoPro-Kamera tragen, aus der wir das Geschehen auf dem Rasen beobachten könnten. Klasse, oder?! Das funktioniert doch bei Trendsportarten wie Mountain-Biking oder Base-Jumping ebenfalls. Oder wie wäre es damit: Rogue-Like-Spiele sind doch der Trend.
Warum also nicht dieses Zufallsprinzip auf die Fußball-WM übertragen und beim Match völlig unvorhersehbar durch die Kameras schalten, die sich im Stadion befinden – das wäre doch mal was, oder? Ich muss zugegeben: Diese Ideen sind nicht gerade massentauglich oder machen Sinn. Aber genauso fühlte ich mich beim Spielen von „Milanoir“, dem Action-Adventure aus dem Hause Italo Games.
Angelehnt an die Filme aus den 70er-Jahren, erzählt das Spiel eine knallharte Ganster-Story aus dem gewaltbereiten Mailand – eigentlich ganz cool. Nicht ganz so cool ist jedoch, dass das Spiel – so kommt es mir jedenfalls vor – für den PC entwickelt wurde. Anders wäre die Steuerung nämlich nicht zu erklären.
Auf dem Rechenknecht steuert sich Hauptfigur Pietro nämlich prima mit Maus und Tastatur: Die Richtungstasten bewegen Pietro, während ihr mit der Maus Gegner ins Fadenkreuz nehmt – also keine Weltneuheit. Nun kommen wir zu meinen eingangs erwähnten Überlegungen: Warum sollte man dieses System aus Maus und Tastatur nicht einfach eins-zu-eins auf die Konsole übertragen?! Gesagt, getan – der Alptraum beginnt.
Ungewollter Stresstest
Bevor ich zum eigentlichen Gameplay komme, muss ich an dieser Stelle etwas Dampf ablassen: Wie zur Hölle konnte auch nur ein Qualitätsprüfer die Steuerung für die Konsole durchwinken und sagen „Ist okay!“? Zugegeben: Es funktioniert zwar irgendwie, aber wird euch reichlich Nerven kosten – wenn ihr nicht gleich den Controller ins TV-Gerät feuert.
Mal im Detail: Pietro wird über den linken Stick des Controllers gesteuert, was ja noch normal ist. Sein Fadenkreuz steuert ihr, analog zur Maussteuerung auf dem PC, mit dem rechten Stick. Richtig: Ihr müsst Feinde mit dem rechten Stick punktgenau anvisieren bevor ihr sie abballern könnt. Oft reicht es manchmal doch, nur ungefähr in die Richtung zu zielen.
Aber das wäre allein ja nicht so tragisch. Die Entwickler von Italo Games haben sich anscheinend fleißig überlegt, wie man es dem Spieler noch schwerer machen könnte. Vielleicht wäre es gut, wenn sich die Gegner schnell bewegen? Check! Oder was wäre mit vielen Gegnern auf einmal? Check! Und dann könnten wir das Fadenkreuz ja einfach auf Pietro zurückschnellen lassen, sobald man den rechten Stick kurz loslässt – das sollte doch für jede Menge Desorientierung sorgen, oder?! Check!
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „Milanoir“ ist damit eines der nervigsten Spiele geworden, die mir in den letzten drei Jahren unter die Augen gekommen sind. Glückwunsch! Denn im Grunde ist das eigentliche Spiel keineswegs blöd: Auf dem PC macht das 2D-Action-Adventure im charmanten Pixel-Look sogar ordentlich Spaß. Verrückte Dialoge, actiongeladene Verfolgungsjagden, dichte Atmosphäre und jede Menge Ballereien – wie es eben für Mafia-Geschichten aus dieser Zeit üblich war.
Ihr macht Jagd nach verfeindeten Bandenmitgliedern und schickt diese ins Jenseits. Waffengewalt ist bei jeder dieser Missionen eine passable Lösung. Ab und an dürft ihr auch schleichend vorangehen und eure Gegner so überraschen. Am Ende läuft es jedoch immer auf eine bleihaltige Auseinandersetzung hinaus.
Auf Erfolgskurs
Aufgrund dieser vorliegenden Basis an Inhalten bleibt es für mich ein Rätsel, wieso das Team von Italo Games die Steuerung nicht an einen Controller angepasst hat. Als Vorgabe hätte man sich an einem x-beliebigen Twin-Stick-Shooter orientieren können. Aber das wäre vielleicht zu einfach gewesen. Allerdings wollten die Entwickler ihre Steuerung noch mit einem Ziel-Hilfssystem retten, was die Sache aber noch unübersichtlicher macht.
Der zusätzliche hohe Schwierigkeitsgrad trieb mich dann schier in den Wahnsinn. Ob andere Spieler das auch so sehen? Ein Blick auf die Erfolgspunkte brachte mir dann ein deutliches Ergebnis. Dank der Gamerscore bei Xbox One kann man nämlich exakt sehen, wie viel Prozent der Spieler welchen Erfolg geschafft haben. Das Resultat: Von 34 erzielbaren Erfolgen sind gerade mal fünf ganz knapp über dem Diamant-Status. Heißt: Nur fünf Erfolge wurden von mehr als zehn Prozent der Spieler bewältigt – aber wirklich nur haarscharf.
Der häufigste Erfolg lag bei 28 Prozent (und gab 10 Gamerscore-Punkte). Dabei sind es jetzt keine sonderlich ausgefallenen Erfolge, sondern haben oft mit dem Level-Fortschritt zu tun. Ich lasse einfach mal die Zahlen für sich sprechen. Genug gemeckert: In den wenigen Situationen, in denen ihr mal nicht ballern müsst, entwickelt „Milanoir“ durchaus seinen Charme – zumal die Steuerung dann auch funktioniert.
Etwas mehr Schleichpassagen hätten dem Spielchen gut zu Gesicht gestanden. Solltet ihr einen Freund dazu überredet bekommen mit euch zu spielen (ich hatte da sehr viel Glück), wird „Milanoir“ ebenfalls deutlich erträglicher, wenn auch nicht einfacher.
Fazit
Würde ich mich nur auf die PC-Version konzentrieren, dann würde „Milanoir“ von Italo Games eine recht ordentliche Wertung im Bereich von 7/10 Punkten erhalten: Denn die Action passt, die Atmosphäre kommt bestens rüber und die Figuren sind charmant, wenn auch klischeehaft gezeichnet. Auf den Konsolen rutscht die Wertung jedoch in den Keller, da die Entwickler es wohl verpasst haben, an der Steuerung zu schrauben.
Wenn ihr nicht gerade zu den Spielern gehört, die mit dem rechten Analogstick punktgenau etwas auf den Monitor zeichnen können – als würden sie eine Maus benutzen – dann würde ich euch zur Vorsicht raten: Denn in den flotten Gefechten kann diese Steuerung des Anvisierens sehr schnell zu Frust führen und euren Fernseher in eine ernste Gefahr bringen, weil ihr immer wieder versucht seid, den Controller dort reinzufeuern. Dabei würde ein simpler Patch dieses Problem sicherlich kinderleicht beheben. Dann schaue ich mir doch lieber die Fußball-WM aus Sicht des Balles an …
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch (erst im Sommer)
Website: milanoirgame.com