Seit der gamescom war ich gespannt auf Minecraft Dungeons II. Nach meinen ersten Stunden kann ich nun sagen: Die Vorfreude war berechtigt. Der Nachfolger erfindet den Dungeon-Crawler zwar nicht neu, macht aber sehr viel richtig – vor allem dort, wo der erste Teil noch unnötig sperrig wirkte.
Minecraft Dungeons II ist zugänglicher, komfortabler und im Koop deutlich besser organisiert. Gleichzeitig bekommt das Action-Rollenspiel mehr Tiefe bei Kämpfen, Ausrüstung und Charakterentwicklung. Ganz ohne Wiederholungen und kleinere technische Macken kommt das Abenteuer allerdings nicht aus. Aber dazu später mehr.
Vertrauter Einstieg, bessere Grundlage
Die Grundidee bleibt unverändert: Ihr zieht durch Minecraft-inspirierte Gebiete, bekämpft Monster, sammelt Ausrüstung und verbessert euren Charakter. Eine Spitzhacke braucht ihr dabei weiterhin nicht. Minecraft Dungeons II ist kein Bau- oder Survival-Spiel, sondern ein klassischer Action-RPG-Dungeon-Crawler. Ich nenne es immer liebevoll „Diablo für Kinder“ - wobei das nicht so richtig fair ist, aber schon mal die Richtung vorgibt.
Die Handlung führt euch in eine neue Dimension namens The Sift. Dort haben die Illager ein Portal geöffnet und damit ein neues Übel entfesselt, das nicht nur eine, sondern gleich zwei Welten bedroht. Das ist keine besonders tiefgründige Fantasy-Geschichte, erfüllt aber ihren Zweck: Ihr habt einen Grund, von einem Schauplatz zum nächsten zu ziehen und möglichst viele Gegner aus dem Weg zu räumen.
Die Kampagne ist mit ungefähr zehn bis zwölf Stunden etwas länger als im Vorgänger. Sie kommt angenehm schnell in Gang und hält euch mit neuen Gebieten, Gegnern und Ausrüstungsoptionen bei der Stange. Nach einigen Stunden schleichen sich allerdings erste Wiederholungen ein. Manche Missionen fühlen sich dann stärker nach „noch einmal durch dieses Gebiet, diesmal mit mehr Gegnern“ an als nach einem wirklich neuen Kapitel. Aber wenn’s Spaß macht, will ich mal nicht meckern.
Kämpfe mit mehr Möglichkeiten
Auf den ersten Blick bleibt das Kampfsystem gewohnt unkompliziert. Ihr schlagt mit Nahkampfwaffen zu, feuert mit Bögen, setzt Artefakte ein und weicht gegnerischen Angriffen aus. Tatsächlich steckt nun aber deutlich mehr Bewegung und Entscheidung in den Auseinandersetzungen.
Neu ist unter anderem eine Sprungfunktion. Damit könnt ihr nicht nur kleine Höhenunterschiede überwinden, sondern auch Geschossen ausweichen und bestimmte Sprungangriffe ausführen. Das verleiht den Kämpfen etwas mehr Dynamik, ohne sie unnötig kompliziert zu machen.
Besonders gut gefällt mir, dass die Fähigkeiten angenehm kurze Abklingzeiten besitzen. Ihr wartet selten untätig darauf, dass endlich wieder irgendetwas verfügbar ist. Stattdessen wechselt ihr ständig zwischen Schwert, Bogen, Artefakten und Spezialeffekten. Ein Kampf fühlt sich dadurch weniger wie stumpfes Knöpfchendrücken und mehr wie ein kleiner Rhythmus an.
Loot, der endlich Sinn ergibt
Die wichtigste Verbesserung steckt für mich im Ausrüstungssystem. Minecraft Dungeons II besitzt mehr Ausrüstungsplätze, trennt Rüstungsteile stärker voneinander und ergänzt das System um Talismane mit passiven Boni.
Noch wichtiger sind die beiden Schmiede. Beim normalen Schmied könnt ihr Ausrüstung auf eure aktuelle Stufe bringen und Eigenschaften neu auswürfeln. Dadurch müsst ihr ein liebgewonnenes Schwert nicht sofort wegwerfen, nur weil ein stärkeres Exemplar aufgetaucht ist.
Der Verzauberungsschmied erweitert Waffen mit Verzauberungsbüchern. Dadurch entstehen Builds, die sich tatsächlich unterschiedlich spielen können. Ein Bogen mit Feuerzaubern, ein Charakter mit zusätzlichen Ausweichrollen oder eine Kombination aus Bomben, Pfeilen und Selbstverstärkung: Die Möglichkeiten sind nicht auf Diablo-Niveau, gehen aber deutlich über die eher zufällige Ausrüstungswahl des Vorgängers hinaus.
Der Haken: Ihr bekommt sehr viel Beute. Wirklich sehr viel. Nach fast jedem Abschnitt müsst ihr neue Waffen, Rüstungen, Artefakte und Talismane prüfen. Das macht den Aufbau motivierend, kann aber auch dazu führen, dass ihr gefühlt genauso viel Zeit in Menüs wie in Dungeons verbringt. Doch auch hier haben sich die Macher:innen was überlegt.
Koop ohne Inventar-Streit
Im Couch-Koop zeigt sich die größte Weiterentwicklung. Bis zu vier Spieler können lokal, online oder in einer gemischten Gruppe spielen. Ihr könnt also mit jemandem auf der Couch starten und weitere Freunde online dazuholen. Hier liegt für mich der höchste Spaß-Faktor.
Gerade die Inventarverwaltung ist deutlich besser gelöst. Jeder Spieler kann sein eigenes kleines Inventarmenü öffnen, ohne dass die komplette Partie für alle anderen blockiert wird. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist im gemeinsamen Spiel aber ein enormer Komfortgewinn. Niemand muss mehr minutenlang zuschauen, während ein Mitspieler jedes Schwert vergleicht.
Auch die Verteilung der Beute funktioniert sinnvoll. Die Beute ist auf die jeweiligen Spieler zugeschnitten, und die Währung wird geteilt. Ein Neuling kann dadurch nicht versehentlich eine Ausrüstung aufnehmen, die sein Charakter noch gar nicht sinnvoll verwenden kann. Gleichzeitig bleibt der gemeinsame Fortschritt erhalten.
Besonders angenehm ist, dass auch größere Levelunterschiede kein großes Problem darstellen. Erfahrene Spieler können weniger geübte Freunde mitnehmen, ohne dass die Runde sofort aus dem Gleichgewicht gerät. Der stärkere Charakter hilft dann eben beim Überleben, während der Neuling nach und nach seine eigene Ausrüstung aufbaut.
Minecraft Dungeons II ist damit genau die Art von Spiel, die man spontan mit Freunden oder der Familie starten kann. Einer kennt jedes Menü, der nächste drückt erstmal auf alles, was leuchtet – und trotzdem entsteht daraus eine funktionierende gemeinsame Runde.
Nach der Kampagne ist nicht Schluss
Nach dem Abspann gibt es weiterhin Gründe, die Waffen nicht sofort in die Kiste zu legen. Das wichtigste Endgame-Element sind die Seelenstürme. Sie erscheinen zeitlich begrenzt an zufälligen Orten, bringen stärkere Gegner und mehrere Sturmtürme mit.
Diese Türme sind ordentliche Schadensschwämme. Ihr müsst euch durch stärkere Gegner kämpfen und könnt dabei sogar bereits bekannte Bosse erneut antreffen. Solo sind die Herausforderungen machbar, im Koop machen sie aber spürbar mehr Spaß.
Zusätzlich verändern die sogenannten Sift-Tiden zeitweise die Bedingungen der Welt. Sie können Gegner verstärken, Abklingzeiten verändern oder die Erzeugung von Seelen beeinflussen. Dadurch fühlen sich bekannte Gebiete zumindest teilweise anders an.
Kleine Kratzer an der Klötzchen-Oberfläche
Ganz rund ist das Abenteuer nicht - ja, das Wortspiel musste sein. Aber es gibt kleinere Bugs, darunter verschwundene Schlüssel, Figuren, die nicht mehr korrekt folgen, und Charaktere, die sich an ungünstigen Stellen festsetzen. In den meisten Fällen ließ sich das durch einen Neustart beheben, angenehm ist es trotzdem nicht. Patches werden hier sicher helfen.
Außerdem kann die Fülle an Ausrüstung zur Belastung werden. Das Spiel motiviert euch ständig zum Vergleichen, Aufwerten und Verzaubern – und unterbricht dadurch immer wieder den Spielfluss. Das neue Schnellinventar hilft, ersetzt aber nicht vollständig die längeren Menüpausen.
Die Gegnerauswahl schöpft ebenfalls nicht immer aus dem Vollen. Wer den Vorgänger intensiv gespielt hat, erkennt viele bekannte Kreaturen wieder. The Sift sorgt zwar für neue Umgebungseindrücke und veränderte Bedingungen, aber auch hier fühlt sich nicht alles wirklich frisch an.
Fazit
Minecraft Dungeons II ist keine radikale Neuerfindung, sondern eine sehr gelungene Weiterentwicklung. Das Spiel nimmt die Stärken des Vorgängers – unkomplizierte Action, Sammeln und gemeinsames Plündern – und beseitigt viele seiner größten Komfortprobleme.
Besonders stark sind der Couch-Koop, die gleichzeitige Inventarverwaltung und die fairere Beuteverteilung. Dazu kommen tiefere Möglichkeiten für eigene Builds, bessere Kämpfe und ein motivierendes Aufwertungssystem. Ihr habt tatsächlich Lust, ein gefundenes Lieblingsschwert weiterzuentwickeln, statt es nach zehn Minuten wieder zu vergessen.
Natürlich gibt es Wiederholungen, sehr viel Loot und einige kleinere Bugs. Auch das Endgame könnte langfristig abwechslungsreicher sein. Trotzdem ist Minecraft Dungeons II eines dieser Spiele, bei denen man nach einer Runde sagt: „Eine Mission geht noch.“ Und plötzlich ist es deutlich später als geplant.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: minecraft.net/de-de/about-dungeons-ii