Stellt euch vor, ihr findet einen alten Game Boy auf dem Dachboden – einen der ersten Generation. Nebendran liegt ein Game-Modul mit „The Legend of Zelda: Link’s Awakening“. Steckt es in den Game Boy, hofft, dass die Batterien noch Saft haben und wagt eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. So in etwa lässt sich meine erste Begegnung mit „Minit“ beschreiben: Ich war zunächst verwirrt, hielt es dann für einen Witz und am Ende stieg die Begeisterung in mir hoch …
Augenzucker? Brauch ich nicht!
Kommen wir zunächst einmal zum offensichtlichen: „Minit“ ist nicht gerade ein Eyecatcher – also jedenfalls nicht so, wie ihr es erwarten würdet. Denn der Titel hält sich vornehm zurück mit grafischer Opulenz: Selbst das eingangs erwähnte „Zelda“-Spiel für den Game Boy hatte rein farbentechnisch mehr zu bieten, obwohl man sich auf Schwarz, Weiß und Grau beschränkte. „Minit“ hält sich mit seiner Charakterdarstellung und den Details vornehm zurück – was mir nach einer Weile aber gar nichts mehr ausgemacht hat. Spielerisch erinnert es ebenfalls an das alte „Zelda“ – sogar die erste Waffe, nämlich ein Schwert ist ziemlich ähnlich. Doch es gibt einen entscheidenden Faktor, der „Minit“ zu einem ganz besonderen, ja, sogar herausragendem Spielchen macht: Die Zeit. Wie der Name bereits andeutet, habt ihr nämlich nur eine Minute. Um das etwas genauer zu erklären, muss ich etwas ausführlicher werden.
Und täglich grüßt das Murmeltier
Der Held des Spiels – um was oder wen es sich da genau handelt, konnte ich immer noch nicht herausfinden – steht ständig unter Zeitdruck: Der Countdown von 60 Sekunden rast ohne Gnade der Null entgegen. Sobald der Counter das Ende erreicht, stirbt eure Figur. Aber keine Sorge: So leicht lässt sich das kleine Kerlchen nicht unterkriegen. Der Tod ist lediglich ein neuer Anfang. Denn jedes Mal, wenn ihr ins Gras beißt, wacht ihr anschließend wieder munter in eurer Wohnung auf. Der Clou an der Sache: Alle bis dahin erbeuteten Gegenstände dürft ihr für behalten.
Auf diese Weise entsteht ein Fortschritt, der euch nach jedem Ableben zum nächsten Abschnitt der Karte bringen kann. Stück für Stück erkundet ihr so eure Umgebung, findet neue Gegenstände, sterbt und öffnet bisher verborgene Wege. Weitere Behausungen sorgen dafür, dass ihr den Ort eurer Wiedergeburt wechseln könnt, um noch weiter durch die Gegen streifen zu können – ein sehr cleveres System, das dieses Spiel so spannend macht. Die Rätsel selbst sind ebenfalls durchdacht und dürften bei „Zelda“-Fans hin und wieder für ein schelmisches Grinsen sorgen. Hier passt einfach alles richtig gut zusammen. Und bei jedem neuen Fund steigt die Neugier auf den nächsten Abschnitt, der sich dadurch öffnet.
Das Ende ist erst der Anfang
Solltet ihr das Spiel nach rund zwei oder drei Stunden beendet haben, wartet ein „Neues Spiel +“ auf euch, in dem ihr euch auf die Jagd nach allen Secrets machen dürft. Denn manche davon verlangen schon genaues Beobachten der Umgebung oder das Deuten von Rätselsprüchen. Jedoch ist das alles aber immer recht fair – wird euch aber noch ein paar Stunden kosten. Wer das Spiel zu 100 Prozent beendet hat, kann in einem speziellen Modus mit Mary durch die Gegend streifen, die keinerlei Zeitlimit unterlegen ist. Erst dann seht ihr, wie simpel „Minit“ eigentlich ist – und wie genial die Zeitbeschränkung ist. Wer genau hinhorcht, der sollte das Spielchen sogar mit 110 Prozent abschließen können – mehr sage ich aber an dieser Stelle nicht.
Fazit
„Minit“ ist ein herausragender Titel, der euch sicherlich nicht durch seine Screenshots einfangen wird. Aber versucht es einfach mal: Taucht in diesen Retro-Trip hinein, lasst euch darauf ein und erlebt ein paar unterhaltsame Stunden. Besonders Fans der alten „Zelda“-Spiele kommen hier nicht drum herum. Aber nicht zu lange warten – die Zeit läuft!
Erhältlich für: Xbox One, PC, PS4
Website: minitgame.com