Ich oute mich besser gleich: Nein, ich kenne die Serie „Miraculous“ nur vom Hörensagen. Ich habe keinerlei Ahnung, um was es geht. Aber das hält mich natürlich nicht davon ab, dieses Spiel zu testen. Mit Miraculous: Rise of the Sphinx erzählen ZAG und GameMill Entertainment ein neues Abenteuer aus diesem Universum. Zum Glück habe ich eine Geheimwaffe mit an Bord.
Das Wissen an meiner Seite
Meine Geheimwaffe? Ganz genau: Sie ist neun Jahre alt und hört auf den Namen Tabea. Mein Patenkind ist Expertin in Sachen Miraculous. Auch wenn sie bereits nach fünf Minuten im Spiel immer wieder die Augen verdreht, wenn ich mich mit Unwissenheit über bestimmte Charaktere hervortue, eröffnet sie mir eine ganz neue Sichtweise auf das Spiel. Mehr dazu gleich. Lasst es mich erst in meinen Worten ausdrücken, was ich erlebt habe.
Spielerisch setzt Miraculous: Rise of the Sphinx auf eine Mischung zwischen actionreichem Jump&Run und seichter Freundschaftssimulation. Die Hauptlevels erlebt ihr in der Rolle von Ladybug oder wahlweise auch als Cat Noir. Beide sollen die finsteren Pläne von Hawk Moth vereiteln. Wer das ist? Keine Ahnung – wieder verdreht Tabea die Augen. Schnell erklärt sie mir die Hintergründe, was das Ganze schon spannender macht.
Täglich grüßt der Marienkäfer
Also springe und kämpfe ich mich durch den ersten Level. Ich bin einem Tauben-Typ auf der Spur, der sämtliches Flattervieh in Paris gegen mich aufstachelt. Die erste Mission dient als Art Tutorial, in der ich die Grundlagen lerne. Hier fällt bereits auf: Ladybug hat einige Tricks auf Lager, aber mit Button-Mashing macht sie das schon. Nur am Ende einer Mission müsst ihr ein kleines Quick-Time-Event bestehen. Spielerisch richtet sich das eindeutig an eine jüngere Zielgruppe.
Die Hüpfpassagen in der dreidimensionalen Welt sind eine kleine Herausforderung, weil die Kamera nicht immer so will, wie ihr. Daher übernehme ich diese Passagen. Sobald es ans Kämpfen geht, hat Tabea den Controller in der Hand. Die Endbosse sind dann wieder meine Aufgabe. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Level geht es wieder auf die Straßen von Paris, wo Ladybug als Schülerin ihre Geheimidentität verbirgt. In diesen Abschnitten muss sie mit ihren Freunden reden und treibt so die Story voran. Persönlich empfand ich das als sehr spannungsarm, doch Tabea lehrte mich eines besseren. Für sie war die Geschichte packend und sinnhaft. So unterscheiden sich die Ansichten.
Fan-Service
In den Freundes-Abschnitten, wie ich sie nenne, könnt ihr außerdem zu Master Fu (Tabea betont, dass es eigentlich Meister Fu heißt) und neue Fähigkeiten kaufen – sofern ihr in den Levels genügend blaue Kugeln gesammelt habt. Für mich machen diese Fähigkeiten zwar kaum einen Unterschied, aber Tabea findet sie toll. Also kaufen wir fleißig mehr davon.
Spielerisch macht Miraculous: Rise of the Sphinx nur mäßig Spaß. Denn bereits nach Level 1 habt ihr alles gesehen, was es zu tun gibt. In einem Punkt stimmt mir Tabea sogar zu: Die Levels sind viel zu lang und ziehen sich wie Kaugummi. Hier hätten die Entwickler:innen mindestens jeweils die Hälfte der Levels streichen können – ohne dass dabei etwas verloren gegangen wäre. Denn innerhalb der Levels ist der Ablauf immer gleich: Kämpfen, hüpfen, Aktion auslösen und weiter. Etwas öde, wenn ihr mich fragt. Aber wie Tabea betont: Mich fragt keiner!
Technisch steht Miraculous: Rise of the Sphinx ebenfalls auf wackligen Beinen. Das macht sich besonders beim dritten Boss-Kampf gegen Weredad bemerkbar. Anfangs dachte Tabea noch an eine Zeitlupenfunktion, als uns Weredad jagt. Ich weiß aber, dass die Framerate hier ungewollt einbricht – und das bei einem Spiel, das optisch nicht sonderlich viel zu bieten hat. Sorry für diesen Satz, Tabea.
Fazit
Miraculous: Rise of the Sphinx schwankt zwischen Hochspannung und gähnender Leere – es kommt auf euer Alter und eure Vorkenntnis an. Aus rein spielerischer Sicht ist Miraculous: Rise of the Sphinx ein unterdruchschnittliches Erlebnis: Zu lange, repetitive Missionen und ein technisch brüchiges Gerüst. Aus Tabeas Augen sieht die Sache anders aus: Hier werden neue spannende Geschichten erzählt und sämtliche Charaktere aus der Serie haben hier ihren Auftritt. Wenn euch das reicht, dann ist Miraculous: Rise of the Sphinx euer Spiel. Eure Entscheidung!
Erhältlich für: Xbox, PS, Switch
Website: miraculousgame.com