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Mirage 7

Arabische Nächte zwischen Wüstensand und Militärbunker.

Mirage 7 ist eine dieser Indie-Produktionen, bei denen ihr nach zwei Minuten Trailer wisst, ob euch das Setting packt oder nicht: Wüstensonne, Sci-Fi-Überreste, eine Protagonistin mit Dolch und Schleuder – und ein kleiner Echsen-Begleiter, der euch sofort das Herz klaut.

Drakkar Dev und Publisher Blowfish Studios bezeichnen es als „dark fairytale“, ein Third-Person-Adventure mit Fantasy- und Sci-Fi-Anleihen, das irgendwo zwischen Prince of Persia, Tomb Raider und einem ruhigeren Immersive-Adventure sitzt.

Arabian Nights trifft Mil-Sci-Fi

Ihr spielt Nadira, ein junges Wüstenmädchen, das mit ihrem Haustier-Jagdgecko Jiji durch eine karge, aber visuell starke Wüstenwelt reist. Ihr Ziel ist die sagenhafte Oase Jala und der dort versteckte Mondpalast, in dem die verlorene Prinzessin Taishma ruht – die einzige, die Nadiras kleine Schwester von den Toten zurückholen kann. Parallel dazu läuft eine Sci-Fi-Ebene: Ein Aufklärungsdrone stürzt ab, ein unterirdischer Militärbunker wird erschüttert und eine mysteriöse „Hybrid“-Gestalt erwacht.

Diese Doppelung – märchenhafte Oberwelt, kalter Untergrund – ist eine der größten Stärken des Spiels. Die Wüstenlandschaften sind weit und staubig, aber nicht leer: Ruinen, Tempel, Kutschenwracks und alte Lagerplätze erzählen still von vergangenen Versuchen, die Legende der Oase zu finden. Kommt ihr in die unterirdischen Einrichtungen, schlägt das Art-Design in Richtung Beton, Neonlicht und Sci-Fi-Terminals um, bleibt aber stilistisch stimmig.

Insgesamt wirkt Mirage 7 wie eine Welt, in der ihr gerne ein paar Stunden verloren geht, auch wenn die technische Basis klar „Indie“ schreit.

Zwischen Abenteuer und leichtem Survival

Im Kern ist Mirage 7 ein Third-Person-Abenteuer mit Fokus auf Erkundung, Umweltpuzzles und leichtem Kampf. Ihr streift frei durch semi-offene Areale in der Wüste, klettert an Felswänden, hangelt euch an Ruinen entlang und folgt Spuren, Legenden und Funksprüchen, um den Weg zur Oase und zu den Bunker-Sektionen zu finden.

Das Spiel hält euch dabei nicht besonders stark an der Hand. Ihr orientiert euch eher an Landmarken und die Questtexte geben nur grobe Richtungshinweise. Das dürfte euch gefallen, wenn ihr Landkarten und Kompasse mögt; wer gerne ikonisch markierten Wegpunkten hinterherläuft, muss sich etwas umgewöhnen.

Ein leichter Survival-Einschlag kommt dazu: Ihr sammelt Rohmaterialien, um rudimentäre Werkzeuge zu craften – etwa Fackeln, Wurfhaken oder Schleuder-Munition. Diese braucht ihr sowohl zum Lösen bestimmter Puzzles (z.B. Ketten sprengen, Mechanismen aus der Distanz aktivieren) als auch, um euch in Kämpfen zu behaupten. Mirage 7 übertreibt es aber nicht mit Hungerbalken & Co.; es bleibt ein Adventure mit Crafting-Komponente, kein Hardcore-Survival.

Kämpfe: Solide Basis mit Indie-Kanten

Gekämpft wird mit Nahkampfdolch und einer Präzisionsschleuder, die sich ein bisschen wie ein Bogen light spielt. Gegner reichen von Wüstentieren (Skorpione, Hyänen-ähnliche Bestien) über geisterhafte Krieger bis hin zu größeren Kreaturen, die eher klassischen Boss- oder Miniboss-Rollen entsprechen.

Die Richtung ist klar: Nahkampf für schnelle, riskante Angriffe; die Schleuder für das Herausnehmen von Gefahren auf Distanz oder das Auslösen von Umgebungsfallen. In der Praxis geht das gut auf: Die Kämpfe machen grundsätzlich Spaß, fühlen sich aber noch etwas schwammig an. Trefferfeedback und Zielerfassung könnten klarer sein, manche Gegner stecken für ein Indietitel-Combat-System etwas zu viele Treffer weg.

Nadira & Jiji: Das Herz des Spiels

Ein echter Pluspunkt ist die Doppelrolle aus Nadira und ihrem Echsenfreund Jiji. Ihr steuert nicht nur Nadira, sondern übernehmt in bestimmten Sequenzen direkt die Kontrolle über Jiji.

Das ist nicht nur ein Gimmick, sondern clever ins Design eingebaut: Jiji kriecht durch enge Spalten, erreicht Schalter und Sammelobjekte außerhalb von Nadiras Reichweite und dient manchmal als Beschützer, wenn Nadira geschwächt oder bewusstlos ist.

Auch erzählerisch tragen Nadira und ihre Motivation: Sie ist keine „Auserwählte“, sondern ein Mädchen, das aus purer Verzweiflung versucht, ihre Schwester zurückzuholen – und auf dem Weg dahin in eine Geschichte hineingerät, die deutlich größer ist als ihr persönliches Drama. Die Sci-Fi-Ebene (Hybrid, Drohne, Militärbunker) sorgt für zusätzliche Mysterien.

Fazit: Stimmungsvolles Wüstenmärchen mit rauer Kante

Mirage 7 ist ein stimmungsvolles, erzählgetriebenes Action-Adventure, das euch eine interessante Welt, eine sympathische Hauptfigur und ein ungewöhnliches Duo-Gameplay anbietet – und dafür bereit ist, ein paar Indie-Ecken und Kanten in Kauf zu nehmen.

Wenn ihr Lust auf eine Reise durch Wüstensand, Ruinen und Sci-Fi-Anlagen habt, euch gerne in atmosphärische Welten werft und mit etwas Ungenauigkeit beim Kampfsystem leben könnt, spricht sehr viel dafür, dass Mirage 7 für euch ein lohnender Ausflug wird.

Seid ihr dagegen sehr empfindlich bei Technik und Combat-Feinschliff und erwartet von einem Third-Person-Abenteuer unbedingt den AAA-Politurgrad eines Uncharted oder neuen Prince of Persia, solltet ihr eure Erwartungen justieren. Ich jedenfalls mag die Ecken und Kanten von Mirage 7.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: store.steampowered.com/app/2325180/Mirage_7