Ich gebe es zu. Extraction-Games und ich, wir hatten bislang wenig Berührungspunkte. Aber eine düstere Fantasy-Welt, Monster und jede Menge Beute? Da bin ich doch direkt dabei. Genau hier setzt Mistfall Hunter an.
Der Titel von Bellring Games möchte Action-RPG und Extraction miteinander verbinden und schickt uns in eine Welt, in der wir nicht nur gegen übernatürliche Gegner, sondern auch gegen andere Spieler antreten. Und natürlich stellt sich dabei die Frage: Wie viel Risiko darf es sein, bevor der Spaß auf der Strecke bleibt?
Geschichtstauglich
Mistfall Hunter spielt in einer düsteren Fantasy-Welt, die von der sogenannten Gyldenmist heimgesucht wird. Die alten Götter sind gefallen und die Welt, wie die Menschen sie kannten, existiert so nicht mehr. Wir übernehmen die Rolle eines Hunters und werden wieder zum Leben erweckt. Unsere Aufgabe besteht darin, die zerstörte Welt wieder zusammenzusetzen und mehr über die Geheimnisse herauszufinden, die hinter dieser Katastrophe stecken.
Die Geschichte liefert dabei einen durchaus interessanten Hintergrund für das eigentliche Spielgeschehen. Vieles bleibt allerdings eher im Hintergrund, denn Mistfall Hunter möchte vor allem, dass wir uns auf unsere Beutezüge konzentrieren. Die Welt, ihre Bewohner und die Vorgeschichte sind dabei eher der Rahmen für das Gameplay als eine klassische, ausführlich erzählte Kampagne. Das funktioniert grundsätzlich gut, denn die düstere Ausgangssituation passt hervorragend zum Spielprinzip. Trotzdem hätte ich mir mehr Tiefe bei der Geschichte gewünscht. Gerade die Welt von Mistfall Hunter bietet genügend Ansatzpunkte für eine spannende Erzählung.
Und wo geht’s hier lang?
Die Antwort auf diese Frage lautet bei Mistfall Hunter häufig: dahin, wo es am meisten Beute gibt. Denn genau darum geht es. Wir betreten ein Gebiet, sammeln Ausrüstung und wertvolle Gegenstände, erledigen Gegner und versuchen anschließend, lebend wieder herauszukommen. Klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Denn neben den computergesteuerten Gegnern können jederzeit andere Spieler auftauchen. Und plötzlich wird aus einem erfolgreichen Beutezug eine ziemlich unangenehme Begegnung.
Dabei entsteht genau die Spannung, die das Extraction-Prinzip ausmacht. Nehme ich noch die nächste Kiste mit? Suche ich nach besserer Ausrüstung? Oder sollte ich vielleicht doch lieber verschwinden, solange ich noch kann. Denn wer stirbt, riskiert seine gesammelte Beute. Das sorgt dafür, dass selbst vermeintlich kleine Entscheidungen plötzlich wichtig werden. Mir persönlich gefällt das sehr gut, denn dadurch fühlt sich das Erkunden der Welt tatsächlich riskant an. Gleichzeitig kann es natürlich ziemlich frustrierend werden, wenn ein langer und erfolgreicher Lauf kurz vor dem Ziel endet.
Angriff ist die beste Verteidigung
Wenn wir schon einmal in einer Welt voller Monster und anderer Hunter unterwegs sind, lässt sich Ärger natürlich nicht immer vermeiden. Die Kämpfe bilden deshalb einen wichtigen Teil des Gameplays. Dabei kombiniert Mistfall Hunter Action-RPG-Elemente mit dem Extraction-Prinzip. Unterschiedliche Kampfstile, Fähigkeiten und Ausrüstung ermöglichen es uns, unseren Charakter an den eigenen Spielstil anzupassen. Besonders interessant ist dabei die Mischung aus PvE und PvP. Wir kämpfen also nicht nur gegen Monster und andere Kreaturen, sondern müssen jederzeit damit rechnen, dass uns ein anderer Spieler in die Quere kommt. Das macht die einzelnen Runden angenehm unberechenbar. Eine Situation, die gerade noch unter Kontrolle war, kann innerhalb weniger Sekunden eskalieren.
Gerade gemeinsam mit anderen Spielern entsteht dadurch einiges an taktischen Möglichkeiten. Allerdings ist genau hier auch eine gewisse Einarbeitung nötig. Wer mit Extraction-Spielen bisher wenig zu tun hatte, muss sich zunächst an das Prinzip gewöhnen. Mit zunehmender Spielzeit kann sich zudem eine gewisse Wiederholung einstellen. Beute sammeln, kämpfen, überleben und wieder von vorne – das ist gleichzeitig die Stärke und die Schwäche des Spiels.
Bisschen düster, aber ansonsten ganz schön
Optisch macht Mistfall Hunter vieles richtig. Die Welt ist düster, geheimnisvoll und von einer Fantasy-Atmosphäre geprägt, die gut zur Geschichte passt. Nebel, Ruinen und die verschiedenen Kreaturen vermitteln schnell den Eindruck, dass wir uns an keinem besonders gemütlichen Ort befinden. Gerade die Atmosphäre ist dabei für mich eine der Stärken des Spiels. Die Welt soll gefährlich wirken und das tut sie auch. Die düstere Gestaltung unterstützt dabei das Gameplay, denn wenn hinter der nächsten Ecke ein Monster oder ein anderer Spieler warten kann, fühlt sich die Umgebung automatisch etwas bedrohlicher an.
Technisch ist das Gesamtbild allerdings nicht ganz frei von Schwächen. Je nach Plattform und Spielsituation kann es zu Performance-Problemen kommen. Auch Balance und technische Aspekte sind Punkte, an denen noch gearbeitet werden kann. Das ist schade, denn gerade bei einem Spiel, bei dem schnelle Reaktionen und Kämpfe eine so große Rolle spielen, können technische Probleme besonders störend sein.
Immer online – muss das sein?
Eine Besonderheit beziehungsweise eher eine Einschränkung von Mistfall Hunter ist die Online-Pflicht. Auch wenn wir alleine unterwegs sind, funktioniert das Spiel nicht als klassisches Offline-Abenteuer. Die Online-Verbindung ist notwendig, weil das gesamte Spielprinzip auf Multiplayer, PvP/PvE und den gemeinsamen Spielwelten aufbaut.
Grundsätzlich kann ich diesen Ansatz nachvollziehen. Schließlich lebt ein Extraction-Spiel davon, dass jederzeit andere Spieler auftauchen können. Trotzdem bedeutet die Online-Pflicht eben auch, dass wir nicht einfach unabhängig von Servern, Internetverbindung und kostenpflichtigen Abonnements spielen können. Wer Mistfall Hunter ohnehin gemeinsam mit Freunden spielen möchte, dürfte damit weniger Probleme haben. Für Spieler, die zwischendurch einfach einmal alleine und offline in eine Fantasy-Welt eintauchen möchten, ist das dagegen ein klarer Nachteil.
Fazit
Mistfall Hunter versucht einiges miteinander zu verbinden und trifft dabei einen interessanten Nerv. Die Mischung aus Action-RPG, PvP/PvE und Extraction-Gameplay funktioniert vor allem dann gut, wenn wir bereit sind, ein gewisses Risiko einzugehen. Jeder Beutezug kann erfolgreich enden, aber genauso schnell komplett schiefgehen. Die düstere Welt passt hervorragend zu diesem Spielprinzip und sorgt für eine stimmige Atmosphäre. Die Story hätte für meinen Geschmack allerdings stärker in den Vordergrund rücken dürfen. Auch die Online-Pflicht und technische beziehungsweise spielerische Schwächen verhindern, dass aus der guten Idee ein rundum perfektes Erlebnis wird.
Wer Extraction-Spiele mag und Lust auf eine etwas andere Fantasy-Welt hat, sollte Mistfall Hunter aber durchaus einmal ausprobieren. Wer dagegen lieber entspannt eine umfangreiche Einzelspieler-Geschichte erleben möchte, ist hier eher nicht so gut aufgehoben.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC