Eigentlich halte ich mich von virtuellen Kartenspielen immer etwas fern – obwohl sie mich schon reizen. Doch um bei „Gwent“, „Fable Fortune“ oder „Hearthstone“ richtig durchzustarten, braucht es eine lange Eingewöhnung und Kenntnis über sämtliche Karten. Und wir sprechen hier nicht von einer Handvoll, sondern von dutzenden Karten, die allesamt über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen.
Bei „Monster Slayers“ sieht die Sache schon anders aus: Zum einen ist der Einstieg sehr spielerfreundlich, zum anderen handelt es sich gleichzeitig noch um ein Rollenspiel mit einer schicken Präsentation. Nach anfänglicher Skepsis wuchs die Begeisterung in mir – „Monster Slayers“ hat hohes Suchtpotenzial.
Um was geht’s? Als angehender Held sollt ihr drei legendäre Monster besiegen, die in drei Dungeons ihr Unwesen treiben. Klingt jetzt mal nach einer lösbaren Aufgabe. Das Problem ist nur, dass jeder Dungeon schwieriger ist als sein Vorgänger – und zudem jedes Mal zufällig generiert wird. Habe ich schon erwähnt, dass es sich hierbei auch um ein Rogue-Like-RPG handelt?!
Helden nach Maß
Zu Beginn habt ihr die Wahl zwischen sechs Grundklassen samt zwei Sonderklassen – im späteren Verlauf kommen dann nochmals sechs neue Klassen hinzu. Aber bereits mit den sechs Starter-Klassen solltet ihr einiges zum Ausprobieren haben. Zur Wahl stehen: Rogue, Archer, Knight, Barbarian, Cleric und Wizard. Auch wenn die Texte größtenteils auf Deutsch sind, hat man die Klassen auf Englisch belassen, was aber auch viel cooler klingt.
Hinzu gesellen sich noch die zwei Sonderklassen „Dragon“ und „Merchant“. Ich empfehle euch aber zunächst einmal den Einstieg mit den anderen Charakteren, bis ihr eine Idee von der Spielmechanik bekommen habt. Auf geht’s! Habt ihr einen Helden gewählt, bekommt ihr in einem kleinen Tutorial die wichtigsten Funktionen erklärt – schnell und einfach. Im Grunde startet jede Klasse mit einem eigenen Deck, das aus 16 Karten besteht. Meist handelt es sich dabei nur um vier bis sechs unterschiedliche Karten, die es in mehreren Ausführungen gibt.
Nehmt euch kurz die Zeit und lest die knappen Erklärungen durch, um zu verstehen, was die jeweiligen Karten machen. Aber keine Sorge: Das werdet ihr auch fix während des Spiels lernen. Auf einer Übersichtskarte dürft ihr dann wählen, welchen Dungeon ihr zuerst betretet: Bei jedem Start stehen von den acht möglichen Verließen immer nur drei oder zwei zufällig zur Auswahl.
In den Dungeons regiert dann ebenfalls der Zufall, was den Aufbau angeht: Auf einer Mini-Karte entscheidet ihr, welchen Raum ihr als nächstes betretet. Das Nette: Betretbare Räume zeigen euch immer an, was euch darin erwartet. Vom nächsten Gegner (samt Angabe seines Levels und der Klasse) über Schätze bis hin zu Händlern solltet ihr keine Überraschungen erleben.
Wollt ihr jedoch in einen Raum dahinter gelangen, so bleibt euch nichts anderes übrig, als den ersten Raum zu betreten. Wartet darin ein Gegner, kommt es unweigerlich zum Kampf. Solche Auseinandersetzungen spielen sich in etwa wie eine Mischung aus „Final Fantasy 7“ und „Hearthstone“: Bei „Monster Slayers“ bekommt ihr anfangs drei zufällig ausgewählte Karten aus eurem Deck auf die Hand – der Kampf findet danach rundenweise statt. Pro Zug dürft ihr so viele Karten spielen, wie ihr wollt oder könnt – abhängig von euren Aktions- und Manapunkten.
Der Fortschritt sei mit Dir
Die ersten Fights gegen Trolle, Schleime, Spinnen oder Bären sind immer eine knappe Sache, da euer Held noch nicht über die nötige Erfahrung verfügt. Probiert daher mal unterschiedliche Klassen aus und findet heraus, wie sich diese am besten spielen lassen. Allein das motiviert schon. Wenn ihr allerdings sterbt, so ist euer Held Geschichte und ihr müsst von vorne beginnen – doch ihr seid dadurch stärker geworden.
Auf zwei Wegen sichert „Monster Slayers“ euren Fortschritt und lässt euren Tod damit nicht sinnlos erscheinen. Jeder gefallene Held hinterlässt „Fame“, also angesammelten Ruhm, den man auch als Erfahrungspunkte bezeichnen könnte. Damit habt ihr auf einer Art Skill-Tree die Möglichkeit, Fähigkeiten freizuschalten – entweder gezielt für eine bestimmte Klasse oder ganz allgemein für alle Charaktere.
Es spielt sich doch gleich viel leichter, wenn ihr mit mehr Lebenspunkten startet, bessere Karten besitzt oder über einen größeren Mana-Pool verfügt. Aber das ist noch nicht alles: In den Verließen warten Verkäufer darauf, dass ihr sie besucht: Dort könnt ihr neue Karten für euer Deck erwerben, diese verbessern oder Ausrüstung kaufen. Besonders letzt genannte ist interessante: Während neue Karten oder Verbesserungen nach einem Heldentod verschwinden, bleibt euch die gekaufte Ausrüstung erhalten.
Kauft ihr also einen Helm, der euch mehr Aktionspunkte und Leben gibt, könnt ihr diesen auch gleich beim nächsten Charakter anziehen. Je weiter ihr in den Dungeons voranschreitet, desto besser werden auch die angebotenen Gegenstände. Stück für Stück, Run für Run werdet ihr so immer stärker, um es am Ende mit den fiesesten Monstern aufzunehmen – sehr elegant gelöst.
Steuerprobleme?!
Einziger Kritikpunkt der aktuellen Version: Die Auswahl der verschiedenen Menüpunkte kann zu einer Qual werden, wenn ihr den linken Stick eures Controllers nutzt. Persönlich konnte ich auf der Übersichtskarte nicht die Sümpfe anwählen, weil sich der Cursor einfach nicht dorthin navigieren ließ – es ist schwer zu beschreiben, aber versucht es doch selbst einmal.
Sobald ihr jedoch das D-Pad auf dem Xbox-Controller verwendet, funktioniert die Auswahl tadellos – echt komisch. Ein kleiner Kritikpunkt, der zeigt, wie großartig der Rest des Spiels eigentlich ist.
Fazit
Mit „Monster Slayers“ haben die Entwickler von Nerdook eine hervorragende Mischung aus Rollen- und Kartenspiel entwickelt, die einen sehr schnell in ihren Bann zieht. Die Spielmechanik ist kinderleicht zu erlernen, die Kämpfe dauern nie länger als ein paar Minuten und der anhaltende Spielspaß ist durch ein kluges Fortschrittssystem gesichert. Für mich zählt „Monster Slayers“ daher zu einer echten Überraschung in diesem Spieljahr und wird zu meinem persönlichen Geheimtipp. Schärft die Klingen und macht euer Deck bereit.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: nerdook-productions.com