Baltoro Games baut Moto Rush Reborn als indirekten Nachfolger von Moto Rush GT auf und verlegt das Geschehen in ein retrofuturistisches Neo-Tokyo, in dem ihr mit einem dämonisch besessenen Motorrad durch dichten Verkehr jagt.
Schon dieser Aufbau macht klar, dass hier keine klassische Rundstreckenromantik regiert, sondern eine bewusst zugespitzte Mischung aus Story-Gimmick, Hochgeschwindigkeitsrausch und Ausweich-Chaos. Das klingt schon mal richtig gut: Das Spiel weiß sehr genau, dass es kein realistischer Racer sein will, und gewinnt gerade aus dieser Klarheit viel Persönlichkeit.
Tempo, Kontrolle, Risiko
Ganz ehrlich, nach den ersten Rennen fühlt sich das hier eher nach Endless-Runner-Spiel an. Das Fahrgefühl erinnert eher an solche Auto-Runner denn an traditionelles Motorradspiel. Warum? Weil das Bike ständig nach vorne drückt und vor allem auf Reaktionsschnelle, Spurwechsel, Slides, Wheelies und gute Augen setzt.
Das klingt simpel, ist aber erstaunlich bissig, weil Tempo und Übersicht permanent miteinander kämpfen und schon ein kleiner Fehler euch zurück zum letzten Checkpoint schickt. Ich finde diese Idee richtig stark, weil sie nicht versucht, Tiefe über komplizierte Physik zu erzeugen, sondern über Stress, Timing und das herrliche Gefühl, einen eigentlich unmöglichen Verkehrsteppich doch noch sauber durchfädelt zu haben.
Kampagne und Wiederspielwert
Die Kampagne umfasst mehr als 45 handgebaute Levels, steigert den Schwierigkeitsgrad recht konsequent und wird durch zusätzliche Herausforderungen, Sammelobjekte und freischaltbare Comic-Seiten ergänzt. Wenn euch das nicht genug ist , gibt es mit „Just Drive“ einen Endlosmodus. Das ist die Art von Zusatzinhalt, die zu diesem Spiel passt, weil sie den Score-Jagd- und Skill-Fokus noch stärker betont.
Für mich wirkt das jedenfalls sehr passend: Moto Rush Reborn will kein riesiges Content-Monster sein, aber eines, das seine Stärken gut kennt und den Wiederspielwert vor allem aus Meisterschaft statt aus Masse zieht.
Stil und kleine Schwächen
Optisch kann ich das Spiel für seine Cyberpunk- beziehungsweise Anime-Ästhetik mit Neonfarben, markanten Outlines und hohem Tempo loben. Auch wenn manche Strecken etwas mehr Umgebungsvielfalt vertragen könnten. Aber hier drücke ich gerne ein Auge zu, weil ich eh nie viel von der Umgebung mitbekomme bei dem hohen Tempo.
Was auf Dauer aber etwas monoton wirken kann, sind die vielen Wiederholungen. Zudem hatte ich auch mit dem sprunghaften Schwierigkeitsgrad zu kämpfen. Genau da liegt für mich die Grenze: Moto Rush Reborn lebt stark von seiner Kernmechanik, und wenn euch diese nicht packt, dann kaschieren auch Dämonenmotor, Synthwave und Neon-Tokyo nicht, dass hier bewusst sehr fokussiert gearbeitet wurde.
Fazit
Unterm Strich ist Moto Rush Reborn für mich ein herrlich direktes Spiel für kurze, intensive Sessions, das eher an eine aggressive Arcade-Mutprobe erinnert als an einen gewöhnlichen Racer.
Besonders macht es diese seltsame, aber gelungene Mischung aus Runner-Logik, Motorrad-Tempo und stilvoller Comic-Dämonen-Prämisse, die dem Ganzen deutlich mehr Eigenprofil gibt, als man zunächst erwarten würde. Es ist kein großer Genre-Umsturz, aber genau die Art kleiner, fokussierter Titel, bei der man nach einem Crash kurz flucht, sofort neu startet und plötzlich merkt, dass schon wieder eine halbe Stunde weg ist.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/2990060/Moto_Rush_Reborn