Unterhaltung Games

MotoGP 2020

Auf zwei Rädern durch die Krise: Davon kann ruhig mehr kommen!

In Zeiten von Corona und Quarantäne wird sich der ein oder andere von uns dann doch häufiger nach alternativen Unterhaltungsmöglichkeiten umschauen. Unabhängig davon sind Videospiele natürlich generell eine kurzweilige Beschäftigung. Wer meine Rezensionen kennt, weiß ja um mein Faible insbesondere für Rennspiele, weswegen ich voller Spannung den DLC zu MotoGP 2020 installierte und es auf Herz und Nieren getestet habe.

I love my Bicycle …

Man könnte in letzter Zeit sogar von einem Boom von Motorradrennen sprechen, denn nach Ride 2 sowie TT Isle of Man steht nun das nächste Spiel auf zwei Rädern buchstäblich in den Startlöchern. Was letztendlich doch etwas überraschend wirkt, fristen Motorradrennen im Vergleich zu den Rennspielen mit Vehikeln auf vier Rädern doch eher ein Schattendasein und sind weder im TV noch als Videospiele auch nur annähernd so populär.

Was ungerecht erscheinen mag, denn in Punkto Spannung, Geschwindigkeit und Fahrkönnen stehen die Rennen denen in den vierrädrigen Klassen doch in nichts nach. Aber warum ist das so, besonders in der Welt der Videospiele, die wir hier beleuchten? Nun, Motorräder sind in ihrem Fahrverhalten doch sehr unterschiedlich zu Autos – der Einstieg ist für den Anfänger also durchweg schwieriger.

Eine saubere Runde, die nicht zwingend schnell sein muss aber frei von Abflügen oder groben Schnitzern, bedarf schon eines gewissen Maßes an Gefühl und Timing. Zusätzlich zum korrekten Lenken, Beschleunigen und Bremsen ist es hier auch wichtig, die Ausrichtung des Fahrers im Blick haben. Denn lehnt dieser sich in eine bestimmte Richtung, beeinflusst er das Fahrverhalten des Motorrads.

Was zur Folge hat, dass man sich in jeder Kurve richtig positionieren muss – in engen Kurven berührt der Körper fast den Asphalt und auf Geraden muss man sich in den richtigen Momenten aufrichten oder sich klein machen.

Feingefühl ist hier also der Schlüssel zum Erfolg, denn jede kleine Bewegung zu viel in die eine oder andere Richtung, und der Fahrer landet im Kiesbett. Bei mir hat es einige Runden gedauert – wenn man aber mal den Dreh rausbekommen hat, wird man mit einem herausforderndem, aber „logischem“ Fahrerlebnis belohnt.

Satter Umfang

Neben der MotoGP-Meisterschaft bildet der Karrieremodus ist das Herzstück von MotoGP 20. Nachdem ihr euren eigenen Fahrer erstellt habt, könnt ihr euch aussuchen, in welcher der drei Rennklassen ihr starten möchtet. Wobei es natürlich je nach Klasse auch deutliche Unterschiede gibt – ein Motorrad aus der Moto 3 fährt sich anders und ist natürlich langsamer als eines aus der Königsklasse.

Aber ihr kümmert euch nicht bloß um das Fahren, sondern stellt euch auch organisatorisch auf – sprich ihr habt euren eigenen Manager und Renningenieur. All diese Schlüsselpositionen eures Teams tragen dementsprechend zur Entwicklung und zum Erfolg bei, denn im Verlauf einer Saison wird euer Vehikel nach und nach verbessert. Stillstand ist auch hier Rückschritt.

Und bei guten Leistungen steigt die Chance, dass euer Manager euch einen Vertrag bei einem besseren Team aushandelt, oder ihr sogar in eine höhere Rennklasse aufsteigt.

Challenge accepted!

Abseits der Karriere warten weitere Spielmodi darauf, von euch erkundet zu werden. Fans der Rennserie werden im "Historischen Modus" auf ihre Kosten kommen, denn hier könnt ihr Teams und Fahrer aus vergangenen Zeiten freispielen. Dafür müsst ihr verschiedene Herausforderungen mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen meistern, etwa Rennen in festgelegten Klassen gewinnen.

Um eine mangelnde Herausforderung kann sich kaum jemand beschweren, denn die Rennen sind wirklich schwer - schon die leichteste Prüfung muss auf dem fortgeschrittenen Schwierigkeitsgrad absolviert werden. Dies fördert natürlich zum einem die Langzeitmotivation, ist allerdings in Kombination mit dem hohen Schwierigkeitsgrad ein schmaler Grat hin zum Frust.

Ich persönlich fühle mich hierbei etwas an den Story-Modus von Crash Team Racing erinnert, den ich erst kürzlich fertig gespielt habe, aber mich auch das ein oder andere Mal zur Weißglut gebracht hat. Last but not least zur technischen Umsetzung. Die Grafik ist an für sich nicht schlecht, im Vergleich zu anderen Rennspielen ist allerdings noch Luft nach oben.

Gerade die Umgebung wirkt etwas steril und „verwässert“. Aber vielleicht bin ich da auch zu verwöhnt von Forza & Co. Vom Sound passt es, die Effekte klingen realistisch und man merkt auch einen Unterschied zwischen den einzelnen Rennklassen.

Fazit

Die Einstiegshürde ist aufgrund des doch sehr komplexen Fahrverhaltens hoch, aber das macht auch irgendwie den Reiz aus. Mit einem vierrädrigen Pendant kann jeder auf Anhieb unfallfrei fahren – bei den Zweirädern bedarf es etwas mehr Feingefühl.

Als jemand, der allgemein mehr Interesse für den Autorennsport hat, werde ich privat zwar weiterhin bevorzugt zu den Formel 1 Simulationen greifen. Wer allerdings von Rennsimulationen nie genug bekommen kann oder einfach ein Fan der realen MotoGP-Vorlage ist, kann hier ohne schlechtes Gefühl zugreifen.

Plattform: Xbox One, PlayStation 4, Switch, PC
Website: motogpvideogame.com/de