Irgendwie hatte ich nicht mehr so wirklich damit gerechnet: 2017, 2018 und 2019 durfte ich auf der gamescom Mount & Blade II anspielen. Das Spiel von TaleWorlds Entertainment schien kurz vor dem Release zu sein. Doch Jahr um Jahr wurde das Spiel verschoben – und mutierte damit zum Running Gag unter meinen Kollegen. Aber nun ist es endlich soweit: Mount & Blade II: Bannerlord ist tatsächlich erschienen. Zeit für einen Rückblick.
Ein ungeschliffener Diamant?
Ich bin ganz offen: Mount & Blade I war damals im Jahr 2008 ein merkwürdiges Phänomen für mich. Ich glaube, dass ich es erstmals im Jahr 2009 oder 2010 gespielt habe – oder es zumindest versuchte. Denn wirklich warm bin ich nicht mit dem Spielchen geworden. Eigentlich war das Setting richtig spannend: In Calradia, einem fiktiven Mittelalter-Universum, sollte ich meinen Avatar zu Ruhm und Ehre verhelfen – oder was immer ich wollte.
Denn Mount & Blade war und ist als riesige Sandbox angelegt, in der es keine echte Story gibt. Teil 1 machte mir das Leben äußerst schwer: Die Steuerung hackte, ein Spielfluss war kaum zu erkennen und die Quests waren von der Reißleine für 0815-Abenteuer. Wie gesagt: Die Faszination erreichte mich nie. Doch das soll nun mit Teil 2 anders werden.
Und siehe da: Grafisch hat Mount & Blade II: Bannerlord ordentlich eine Schippe drauf gelegt – liegt aber immer noch ein paar Jahre hintendran. Das Rollenspiel sieht nun deutlich besser aus und zeigt sich zudem einsteigerfreundlicher. In einem kurzen Tutorial bekomme ich alles Wissenswerte erklärt. Was gleich zu Beginn spannend ist: Meinen Charakter kann ich mir frei erstellen. Dabei trägt jede Entscheidung zu dessen späterem Werdegang bei. Eure Persönlichkeit, eure Fähigkeiten und eure spätere Position hängen von den Entscheidungen zu Beginn ab. Wirklich spannend.
Weltreise mit Auswirkungen
Insgesamt könnt ihr euch für eins von acht Reichen in Calradia entscheiden – oder ihr lauft erst einmal durch die Welt und schaut, welche Fraktion euch am ehesten zusagt. Auch hier zeigt sich Mount & Blade II: Bannerlord äußerst offen. Dann kann die Geschichte beginnen … oder auch nicht. Denn eine echt Story hat Mount & Blade II: Bannerlord im Grunde nicht. Als leichte Rahmenhandlung bekommt ihr die aktuelle Ausgangslage geschildert, in der die acht Reiche im ständigen Kampf liegen. Ihr könnt nun das Zünglein an der Waage sein, das entweder Friede oder Chaos in diese Welt bringt.
Sobald ihr dann in die freie Welt startet, entscheidet ihr, welches Abenteuer ihr erlebt. Aber keine Sorge: Der Ablauf von Mount & Blade II: Bannerlord gestaltet sich immer ähnlich. Als noch namenloser Recke zieht ihr von Ort zu Ort, um Männer um euch zu versammeln. Habt ihr es dann mal zum Feldherrn geschafft, zieht ihr mit euren gesammelten Truppen in den Krieg. Doch bis es soweit ist, müsst ihr viele Nebenaufgaben erledigen und euer Gold sauer verdienen.
Interessante Mechanik: Je mehr ihr bestimmte Dinge übt, desto besser werdet ihr darin. Vom Reiten, Schießen oder Laufen erhaltet ihr wertvolle Erfahrungspunkte. Diese investiert ihr dann in die Talente oder Attribute, die ihr euch am meisten wünscht. Und urplötzlich ist Mount & Blade II: Bannerlord vom anfänglichen Rollenspiel zu einem Strategiespiel geworden, ohne dass ihr viel davon mitbekommen habt.
Im Auge des Sturms
Denn das eigentliche Herzstück von Mount & Blade II: Bannerlord sind die Kämpfe auf dem Schlachtfeld. Habt ihr schon mal Chivalry 2 gespielt? Dann habt ihr ein ungefähres Gefühl, wie sich die Kämpfe gestalten. Hier treffen dutzende von Soldaten aufeinander, die alle in Echtzeit kämpfen. Dabei seid ihr nicht etwa der Rambo Superheld, der locker fünf Pfeile wegsteckt – ganz im Gegenteil. Ein gezielter Schwerthieb kann euch das Leben kosten. Wenn ihr nicht im schwersten Modus spielt, dürft ihr aber wieder von den Toten auferstehen.
Es hängt stark von eurer Ausrüstung und der Art und Weise, wie und wo ihr den Feind trefft ab. Alles wird in Echtzeit berechnet. Das macht diese Schlachten zwar recht chaotisch, aber auch in gewisser Weise authentisch. Ihr braucht einen kühlen Kopf und etwas Glück, um lebend vom Schlachtfeld zu ziehen. Laune macht es aber immer wieder. Etwas Frusttolleranz braucht ihr aber dennoch.
Fazit
Mount & Blade II: Bannerlord ist definitiv nichts für jede:n Spieler:in. TaleWorld Entertainment hat hier wieder einen sehr besonderen Titel erschaffen, der sicherlich seine Fangemeinde finden wird. Doch seid euch bewusst, dass dieses Ding seine Ecken und Kanten hat – und genau das macht es so von Grund auf sympathisch. Für mich persönlich endet die Reise in Mount & Blade II: Bannerlord nach meinem Test für eine Weile. Aber Mittelalterfans können gerne einen Blick riskieren und sich trotz der schwächelnden Technik von diesem Spiel in ihren Bann ziehen lassen.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: taleworlds.com/en/Games/Bannerlord