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MXGP Pro

„Pro“ statt „4“ im Titel? Milestone will frischen Wind ins dreckige Rennen bringen – mit beachtlichem Erfolg.

Wer seine Motorrad-Rennspiele nicht bestens im Auge hat, kann schon mal verwirrt sein: Hat Milestone nicht erst vor ein paar Wochen schon mal ein Rennspiel auf den Markt gebracht? Genau. Doch „MotoGP 18“, das letzten Monat erschien, richtet sich an Leute, die mit ihrem Bike lieber auf dem Asphalt um Rundenzeiten fahren. Bei diesem Ableger der „MXGP“-Serie geht es ab in den Dreck – und das „Pro“ im Namen verdeutlicht, wohin die Reise führt.

Neue Wege?

Eigentlich wäre der vierte Teil der Serie an der Reihe. Doch der italienische Entwickler Milestone hat sich diesmal eine andere Vorgabe gesetzt: Anstatt einfach nur einen Nachfolger zu präsentieren, soll es diesmal eine Art Neuanfang sein. Das „Pro“ deutet dabei darauf hin, dass der Titel besonders Profis ansprechen soll. Kurz gesagt: Weg mit dem Arcade-Feeling, hin zum Realismus.

Dabei waren die alten Titel der Reihe alles andere als Arcade-Racer: Anfangs dachte ich das nämlich und flog damit ordentlich auf die Schnauze. Diesmal bin ich also gerüstet. Und da ich kein sonderlich Freak im Motocross-Zirkus bin, stelle ich die Settings meines Bikes auf „Anfänger“. Im Karriere-Modus merke ich dann recht schnell, dass sich streng genommen damit eigentlich nicht viel vom Fahrverhalten geändert hat.

Sonderlich schwerer steuert sich mein Motocross-Bike nicht. Dank meiner Vorerfahrungen komme ich sogar ganz gut damit zurecht. Ich werde übermütig: Was passiert denn, wenn ich die Einstellungen auf „Pro“ umwandle? Überraschenderweise nicht sonderlich viel. Ich merke zwar, dass mein Motorrad besonders in Kurven mehr ausschlägt, sich dies aber wunderbar zum Driften nutzen lässt.

Außerdem habe ich immer noch das Gefühl, dass Fahrzeug und Fahrer eine Einheit bilden und ich diese nicht separat steuern muss (oder kann). Kurz gesagt: Das Versprechen, dass ihr hier ein realistisches Fahrvergnügen bekommt, halte ich mal als wage Behauptung. Aber keine Sorge: Das Spiel an sich macht Laune, sofern ihr auf das Genre steht.

Zu unterhaltsam für Realismus

Persönlich ist mir aufgefallen, dass sich die Spurrillen, die ihr während der Rennen in den Boden grabt, deutlich mehr auf euer Fahrverhalten auswirken, als noch in den Vorgängern. Dennoch fehlt mir irgendwie das Gefühl, dass sich die Reifen dort richtig hineingraben – es ist mehr so als ob ihr durch Material braust, das euch etwas langsamer macht. Daran könnte Milestone vielleicht noch arbeiten.

Dafür gefallen mir die Situationen und Strecken, die euch oft in die Kurve schicken – hier hat „MXGP Pro“ eindeutig seine Stärken. In der Luft hat sich allerdings wenig geändert: Sprünge sehen zwar klasse aus, aber die Physik des Bikes überzeugt nicht ganz. Grafisch bekommt ihr – oh Wunder – den wohl besten Teil der Reihe abgeliefert.

Wenn es mit Karacho durch den dichten Nadelwald geht, hat das schon was für sich. Und keine Angst vor Fehlern: Milestone spendiert euch eine Rückspulfunktion, mit der sich Unfälle revidieren lassen. Wollt ihr es euch aber so richtig geben, dann wählt im Karriere-Modus den Schwierigkeitsgrad „Extrem“ aus. Dann gibt es keine Rückspulfunktion und Rennen werden in Original-Länge ausgetragen. Das ist also nur für Leute, die ordentlich Zeit haben und ihr Vehikel kennen. Also nichts für mich.

Will jemand einen Kaffee?

Bei den Ladezeiten bleibt Milestone seiner Linie übrigens wieder treu: Kaum ein anderer Entwickler verleitet mich während der Ladebildschirme so sehr dazu einen Kaffee zu trinken, den ich beim Warten gemütlich zubereitet habe. Keine Ahnung, was die Entwickler so Aufwendiges im Hintergrund berechnen müssen, aber anscheinend verlangt es eine Menge Zeit.

Während des Spiels selbst bekommt ihr davon zumindest nichts zu sehen. Als letztes serviert euch „MXGP Pro“ noch einen freien Modus. In diesem dürft ihr auf einem Ein-Quadratkilometer großem Waldstück nach Lust und Laune Gas geben. Eigentlich eine lustige Sache, wenn es dort auch was zu tun gäbe. Aber wer weiß: Vielleicht beim nächsten Ableger.

Fazit

„MXGP Pro“ ist ein durchaus guter Vertreter seines Genres – auch wenn er das Versprechen mit dem Realismus nicht ganz halten kann. Dafür krankt das Spiel an den bisher bekannten Kinderkrankheiten wie einer realistischen Steuerung (Fahrer und Motorrad getrennt voneinander) oder einem Untergrund, der sich auch anfühlt, wie echter Dreck.

All das soll aber nicht heißen, dass ihr hier keinen Spaß haben werdet. Milestone schafft es lediglich wieder ein Spiel auf den Markt zu werfen, das ihr gerne mit dem Stempel „okay“ oder „ganz nett“ betiteln dürft. Der echte Kracher ist es leider nicht geworden, dafür aber oberes Mittelmaß – und zudem das Beste, was ihr in diesem Nischen-Genre finden werdet.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: mxgpvideogame.com