Wenn ich so auf die Datumsanzeige schaue, stelle ich fest, dass seit dem ersten „Need for Speed“ ein paar Jahre vergangen sind – um genau zu sein sind es 25 Jahre. Und ich war seit Tag 1 mit dabei. Damals konnte ich die Finger kaum von der Tastatur lassen und spielte mich regelrecht in einen Rausch.
Das lag vielleicht auch daran, dass es nichts Vergleichbares auf dem Spielmarkt gab, das „The Need for Speed“ (so lautete der Originaltitel) das Wasser hätte reichen können. Kompromisslose Arcade-Action traf auf schicke Sportwagen mit motivierendem Gameplay.
Aber wie gesagt: Das ist 25 Jahre her. Inzwischen hat sich viel getan. Nun steht also „Need for Speed Heat“ auf der Matte, um mich endlich wieder zu begeistern wie früher – eine große Herausforderung.
Kohlen aus dem Feuer
Das Team von Ghost Games hat sich redlich Mühe gegeben, um aus „Heat“ einen würdigen Serienableger zu machen. Nach der harschen Kritik zu „Need for Speed Payback“ haben die Macher das Feedback der Community ernst genommen und nervige Ingame-Mikrotransaktionen von der Agenda gestrichen. Gut so!
„Need for Speed Heat“ ist ein durch und durch unterhaltsames Rennspiel mit deutlichem Fokus auf Arcade-Rennen. Es hat nur ein Problem: Kein Merkmal sticht sonderlich hervor. Es ist vielmehr das Beste aus einigen Rennwelten, gemischt zu einer soliden Spielspaß-Erfahrung.
Es mag vielleicht unfair klingen, wenn ich sage, dass ich alles, was es in „Heat“ gibt, schon in einer anderen Form irgendwo gesehen habe. Denn seien wir ehrlich: Im Kern handelt es sich hier um ein Rennspiel und deswegen sind dem Titel natürliche Grenzen gesetzt. Aber „Heat“ will anscheinend auch nicht anders sein als andere Arcade-Titel.
Würde ich nicht wissen, welches Spiel ich hier vor mir habe, hätte ich auf ein „Burnout Paradies“, „The Crew“ oder vielleicht sogar „Forza Horizon“ getippt – allesamt richtig gute Titel. „Need for Speed Heat“ nimmt sich von den genannten Konkurrenten jeweils ein Stückchen und baut es zu einem eigenen Werk zusammen.
Im Visier der Polizei
Im Mittelpunkt der Kampagne stehen genre-typisch illegale Rennen, die von ziemlich coolen Typen absolviert werden – ihr werdet einer davon werden. Natürlich gefällt das der Polizei nicht sonderlich gut, weshalb sie gnadenlos Jagd auf die Rennfahrer macht.
Doch auch die Vertreter des Rechts spielen nicht mit sauberen Karten – Korruption und Intrigen warten auch in ihren Reihen. Insgesamt eine nette, wenn auch teils sehr klischeehafte Story. Das lasse ich mir bei „Need for Speed“ aber gerne gefallen. Habt ihr euch für einen von insgesamt zwölf Avataren entschieden, kann die Karriere als König des Asphalts beginnen.
Wie bereits in einigen Vorgängern der Reihe macht ihr euch auf der offenen Karte auf den Weg. Dabei fahrt ihr solide von Rennen zu Rennen, um euren Geldbeutel zu füllen. Damit kauft ihr dann Ersatzteile oder gleich einen neuen Schlitten.
Sollte euch unterwegs mal langweilig werden, zerschmettert ihr eine von über 100 Werbetafeln, die euch zusätzlich Punkte einbringen. Ghost Games hat euch ein paar nette Sprünge in die Gegend eingebaut. Nur leider fühlen sich die meisten Gegenden in diesem Miami-Verschnitt etwas leblos an, was echt schade ist.
Heute schon gerutscht?
Das Herzstück sind aber natürlich die Rennen – und damit kann „Heat“ sich sehen lassen. Anfangs macht euch die Gummiband-KI das Leben ganz schön schwer. Ich hatte einige Anläufe gebraucht, bis ich endlich als erster beim Rundrennen die Ziellinie überquert habe. Das Geheimnis steckt in den Drifts: Nur wenn ihr diese richtig beherrscht, gehört euch auch die Straße.
Bei „Heat“ kommt eine Mechanik zum Tragen, die ich aus Kindertagen von „Super Mario Kart“ her kenne. Während ihr Gas gebt, tippt ihr einmal auf eine der Schultertasten und schon fangt ihr an zu driften – irgendwie hatte ich dabei manchmal erwartet, dass mein Auto vorher kurz hüpft… Ich hatte damals wirklich viel „Mario Kart“ gespielt.
DK lässt grüßen
Meine persönlichen Highlights waren daher auch die Drift-Events, die ihr zu Hauf bestreiten müsst – neben den immer sehr spaßigen Verfolgungsjagden, versteht sich. Ja, es ist schon motivierend, sich durch etwas grinden immer neue Vehikel leisten zu können. Nur so richtig abwechslungsreich erschien mir „Heat“ nach 15 Stunden immer noch nicht.
Versteht mich nicht falsch: Es macht Spaß! Aber all das hatte ich schon bei anderen Serien-Ablegern in ähnlicher Form. Kommen wir zum Abschluss noch schnell zur Optik: „Heat“ spielt hier deutlich bei den ganz Großen mit. Richtig stark wird es, wenn es im geregnet hat und Pfützen auf der Straße übrig bleiben – Zucker für die Augen. Auch während der Rennen ist das Geschwindigkeitsgefühl erste Sahne – nichts zu meckern an dieser Stelle.
Fazit
Machen wir es kurz: „Need for Speed Heat“ ist ein gutes Arcade-Rennspiel – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Was fehlt, das sind die Innovationen oder eine spannendere Spielwelt. Allerdings kann ich allen Spielern, die auf Arcade-Racer stehen und genug von „The Crew“ oder „Forza Horizon“ haben, „Heat“ als willkommene Abwechslung empfehlen. Macht euch bloß im Voraus klar, dass ihr wahrscheinlich alles darin schon irgendwie kennt. Wen das nicht stört, der sollte Gas geben.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: ea.com/de-de/games/need-for-speed