Nun ist Criterion Games dran, um die berühmte EA-Reihe vom absteigenden Ast zu retten. Need for Speed hatte nämlich in den letzten Jahren etwas an Fahrt verloren und dümpelte vor sich hin. Die letzten Teile waren keineswegs schlecht, aber stachen auch nicht sonderlich hervor. Das soll sich bei Need for Speed Unbound nun ändern.
Zu kunstvoll für euch?
Die größte Neuerung wurde bereits vor dem Release heftig diskutiert: Der Grafikstil traf im Trailer nicht bei allen Zuschauenden ins Schwarze. Need for Speed Unbound vermischt realistische Optik mit einem bunten Comic-Look zu einem ganz eigenen Stil. Autos und Umgebung sehen dank der Frostbite Engine ziemlich realistisch aus, während die Charaktere eher aus einem bunten Comic stammen. Hinzu kommen die an Graffiti erinnernden Effekte, die eure Boliden stets umhüllen, wenn ihr rast driftet oder abbremst.
Das muss natürlich nicht allen Spieler:innen schmecken, mir persönlich sagt interessanterweise aber genau das zu. Und eine Sache vorweg: Ihr könnt die Effekte auch abschalten, wenn ihr wollt – Need for Speed Unbound lässt euch da die Wahl. Aber versucht es ruhig mal mit den bunten Effekten. Gepaart mit der Musikalischen Untermalung während der Rennen passt das ziemlich gut zusammen. Apropos Rennen: Kommen wir zum Kern des Spielchens.
Großes Vorbild
Need for Speed Unbound wandelt etwas auf den Spuren der Need for Speed Underground Reihe, was ich sehr zu schätzen weiß. Denn damals anno dazumal habe ich etliche Stunden in NFS Underground 2 versenkt. Wer hatte die Karre mit dem höchsten Prollfaktor am Start? Bei jedem Modell tobte ich mich aus, was die Gestaltung anging. Und genau das könnt ihr hier auch wieder machen. Aber ihr erlebt zudem noch eine nette Geschichte.
Die Story von Need for Speed Unbound gewinnt sicherlich keine Preise, weiß aber dennoch zu unterhalten. Ihr seid in einem klassischen Rache-Plot verstrickt, bei dem ihr euch gegen eure ehemalige Kollegin durchsetzen müsst. Diese hat nämlich eure Werkstatt verraten, um bei der Konkurrenz anzuheuern. Innerhalb von vier Wochen dürft ihr euch nun hocharbeiten, um ihr die Leviten zu lesen. Vier Wochen im Spiel bedeuten rund 25 bis 30 Stunden für euch vor der Konsole oder dem PC – eine Menge Asphalt, den ihr da bereisen müsst. Es erwartet euch eine unterhaltsame Reise.
Ich will Spaß, ich will Spaß
Denn Need for Speed Unbound schafft es wieder das Feuer zum Lodern zu bringen: Die Rennen und das Drumherum wurde zugunsten des Spaßfaktors gestrafft. In den illegalen Straßenrennen, die tags und nachts stattfinden, mischt auch wieder die Polizei mit. So erlebt ihr heiße Verfolgungsjagden, die einiges von euch fordern werden. Die Rennen können dabei knallhart werden – je nach Schwierigkeitsgrad. Aber schon auf der mittleren Stufe bieten die Rennen, Drift Trials, Takeover oder Sprint-Events eine gute Herausforderung.
Diesmal fühlt sich die Konkurrenz nicht an wie ein Gummiband. Nein, hier fährt jede Karre ihr eigenes Tempo. Dabei kann es sein, dass sich ein Bolide vom Feld absetzt und fast nicht mehr eingeholt werden kann, weil ihr weniger Leistung auf die Straße bringt. Das ist auf der einen Seite vielleicht frustrierend, auf der anderen Seite steigert es aber auch die Motivation zu gewinnen und besser zu werden.
Harte Währung
Besser werdet ihr übrigens durch Dollars, die ihr in den Renn-Events gewinnen könnt. Damit schaltet ihr neue Autos frei, optische Zusätze und erweitert euer Leistungsportfolio. Gerade zu Beginn kann Need for Speed Unbound hier echt ein Biest sein: Denn jeder einzelne Dollar ist hart verdient – und damit auch jedes freischaltbares Teil. Aber genau deswegen fühlen sich die einzelnen Upgrades auch so verdammt gut an. Zudem merkt man schnell den Unterschied auf der Strasse.
Need for Speed Unbound lässt euch in der virtuellen Stadt Lakeshore herumkurven und von Event zu Event fahren. Bei jeder Herausforderung schreitet der Tag voran. Das ist wichtig wegen einer ganz bestimmten Sache: Die Heat-Anzeige. Diese fünf unscheinbaren Flammen zeigen an, wie heiß die Polizei auf euch ist. Je mehr Flammen leuchten, desto wilder und erbarmungsloser wird man euch verfolgen. Erst am nächsten Morgen wird diese Anzeige zurückgesetzt. Also überlegt euch gut, wie viele und welche Rennen ihr am Tag fahren wollt. Denn auf Stufe fünf der Heat-Anzeige ist ordentlich Alarm angesagt. Werdet ihr gefasst, ist euer bis dahin sauer verdientes Geld futsch – sofern ihr es nicht vorher schon in einem Unterschlupf gebunkert habt.
Weitläufiges Gelände
Zudem bietet Need for Speed Unbound eine tolle Mischung aus Erkunden und Rennen. In der offenen Welt sind mal wieder jede Menge Geheimnisse versteckt, die ihr einsammeln könnt. Und diese bringen euch Dollar ein. Stück für Stück könnt ihr so euren Fuhrpark erweitern. Criterion hat über 140 Autos ins Spiel gepackt – mal wieder eine Menge Holz. Ein Tipp: Schaut, dass ihr zu jeder der fünf Rennklassen mindestens einen Boliden vorweisen könnt, um an allen Rennen teilzunehmen. Außerdem können Autos in Richtung Handling oder in Richtung Drifts getunt werden. Hier lohnen sich auch mehrere Modelle in der Garage.
Der Einzelspielermodus von Need for Speed Unbound ist in diesem Jahr wieder ein voller Genuss. Die klare Abtrennung vom Online-Modus begrüße ich. Nur den Online-Modus finde ich am Ende dann doch etwas merkwürdig. Will ich nämlich mit Freund:innen spielen, muss ich mir einen komplett neuen Charakter erstellen. Warum kann ich nicht meinen Charakter aus dem Single-Player-Modus übernehmen? Auch bei den Rennen selbst ist teilweise nervig, dass fehlende Autos nicht mit der KI aufgefüllt werden. Aber vielleicht kommt hier noch ein Patch. Ansonsten ist für Multiplayer-Liebhaber:innen viel geboten.
Fazit
Need for Speed Unbound füllt wieder den Tank, der in letzter Zeit irgendwie immer halb leer erschien. Hier glühen wieder die Kolben. Das arcadige Renngefühl, die heißen Verfolgungsjagden samt dem einzigartigen Art-Style lassen Need for Speed endlich wieder aus der Masse hervorstechen. Auch wenn hier nicht gänzlich alles neu ist, stimmt die Zusammenstellung und sorgt für mehr Unterhaltung als die Vorgänger. Ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung. Für die kommenden Monate wird der neuste Teil meiner einst liebsten Rennspielreihe einen festen Platz auf meiner Festplatte haben.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: ea.com/de-de/games/need-for-speed/need-for-speed-unbound