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Nice Day for Fishing

Das etwas andere Abenteuer.

“Hello Adventurer, welcome to the Town of Honeywood”: Fans der Sketch Comedy Gruppe “Viva la Dirt League” aus Neuseeland werden diesen Gesprächseinsteig vermutlich erkennen. Das erste Videospiel der Truppe rund um Rowan, Alan und Adam spielt in der Welt des fiktiven MMORPG Azerim. Nur sind zu Beginn des Spiels alle menschlichen Abenteurer abhandengekommen. Es liegt also es an den NPCs, Honeywood und die Welt von Azerim zu retten. Und ausgerechnet der Fischer Baelin ist Honeywoods letzte Hoffnung.

Ziemlich nerdig, aber auch urkomisch

So macht ihr euch auf den Weg und tut dabei das, was Baelin am besten kann, also eigentlich das Einzige, was Baelin kann … Angeln.

Während Angel-Minispiele in anderen Fantasy-RPGs zumindest für mich ein ziemlich langweiliger Stimmungskiller sind, ist es hier eure einzige Daseinsberechtigung. Denn ihr werdet alle Quests mit Hilfe eurer Angelrute erledigen.

Dabei bewegt ihr euch mit Baelin durch eine stimmige, farbenfrohe und detailreiche Pixel-Umgebung und trefft während eurer Reise allerlei bekannte NPCs aus Honeywood, wie den Knoblauchfarmer Greg, Zauberer Baradun oder die „cleveren“ Räuber Charles und Bernard.

Kenner bekommen Action für die Lachmuskeln

Besonders Fans der Sketch-Serie kommen hier voll auf Ihre Kosten, wie etwa in den Quests, in denen der Schmied Bodger wieder und wieder seinen Hammer „verlegt“. Die Optik des Spiels erstrahlt in sympathischem Retro-Charme, was wahrscheinlich eine ganze Generation Gamer der ersten Stunde in ihre Kindheit zurückversetzen wird.

Die Angelmechanik ist zu Beginn etwas tricky. So kann es passieren, dass ihr denkt, ihr seid perfekt ausgerichtet, um einen Schatz oder einen Fisch zu erwischen, aber dann verfehlt ihr das gewünschte Objekt um Millimeter und müsst eure Angelrute unverrichteter Dinge wieder einholen.

Mehr Spaß, als man denkt

Die Spielmechanik ist dabei nicht so eintönig, wie man eventuell vermuten könnte. Sobald ihr einen Fisch an der Angel habt, startet eine Art Kampfsequenz, bei der man sowohl den Fisch mit Angriffen schwächen als auch die Angriffe der Fische blocken muss (klingt seltsam, aber wir wissen ja spätestens seit Pokémon, dass man die Viecher nicht unterschätzen sollte). Nur wenn ihr das schafft, könnt ihr den Fisch erfolgreich „eintüten“.

Mit jedem Catch erarbeitet ihr euch Erfahrungspunkte und verbessert eure Stats, wie Gesundheit oder Ausdauer. Dabei könnt ihr ihr Baelin in verschiedenen Richtungen entwickeln. Ihr könnt auf Heilung setzen oder eure DPS pushen. Man hat zumindest das Gefühl, das Spiel bis zu einem gewissen Grad individualisieren zu können.

Sehr erbaulich

Im Laufe des Spiels sammelt ihr Items, Tränke und Zauber. Mit den Ressourcen (Fische, Schätze, Baumaterial) könnt ihr Gebäude in Honeywood wieder aufbauen oder verbessern. Diese helfen euch im Laufe des Spiels beim Verbessern eurer Angelausrüstung.

Zusätzlich schaltet ihr verschiedene Zauber frei, die euch stärkere Angriffe, mehr Ausdauer, Heilung oder Kontrolle über die Angriffe der Fische bringen. Einige Zauber lassen sich mit Angriffen kombinieren, um Ketteneffekte auszulösen. Dies bringt zusätzlich ein bisschen taktische Tiefe in die Kämpfe.

Like a Boss!

Von Zeit zu Zeit warten auch die richtig dicken Fische auf euch: Bosskämpfe folgen ähnlichen Mechaniken wie normale Kämpfe, sind aber mehrphasig und deutlich anspruchsvoller.

Diese großen Fische verfügen über mächtige Attacken wie Schockwellen, Tentakelbarragen oder Auren, die präzises Blocken, Zaubern und Item-Einsatz erfordern. Hier kommt eine zusätzliche taktische Komponente ins Spiel. Ohne Baelin vor dem Kampf mit den richtigen Tränken, Hüten, Ringen oder anderen hübschen Accessoires zu pushen, werden die Kämpfe schwieriger.

Ein wenig Routine trotz witziger Ideen

Trotz verschiedener Möglichkeiten Kämpfe anzugehen und durch Zauber, Items und Tränke zu beeinflussen, wiederholen sich die Muster mit der Zeit. Dies ist auch mein größter Kritikpunkt am Spiel. Das Muster, um die Kämpfe zu gewinnen, hat man relativ schnell durchschaut, auch wenn die Bosse wechseln.

Trotzdem hatte ich viel Spaß mit den sehr unterschiedlichen Endgegnern. Mein Favorit war der Eight-Armed Terror, während der Untote mich mit seinen permanenten Heilungen einiges an Nerven gekostet hat.

Fazit

Das Spiel kombiniert bissigen Humor, liebevoll gestaltete Charaktere und abwechslungsreiche Retro-Schauplätze zu einem kurzweiligen RPG-Erlebnis. Ob beim Aufrüsten der eigenen Angelrute, dem Erlernen neuer Zauber oder im Kampf gegen überdimensionale Bossfische – Nice Day for Fishing belohnt Entdeckerfreude und taktisches Vorgehen gleichermaßen. Die originelle Spielidee und der charmante Erzählstil sorgen für viele Lacher und unerwartete Momente, vor allem bei Fans der Serie.

Trotz stetiger Progression und den sichtbaren Erfolgen beim Dorfaufbau hat bei mir Langzeitmotivation etwas nachgelassen. Dazu sind die einzelnen Quests doch zu gleichförmig und die Lauf/Segelpassagen zwischendurch etwas lang. Nice Day for Fishing ist jedoch perfekt für alle, die keine stundenlangen Sessions in einem RPG verbringen wollen, sondern kurzweiligen Spaß suchen.

Der Titel überzeugt mit seiner einzigartigen Mischung aus Comedy, Rollenspiel und Geschicklichkeit. Wer eine humorvolle Indie-Perle sucht, findet hier ein solides Fangabenteuer – nicht nur für Angelfans.

Erhältlich für: PC, PS, Switch 
Webseite: nicedayforfishing.com