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Nine Parchments

Zauberhaftes Zusammenspiel – als Magier ohne Freunde vergeht euch das Lachen jedoch schnell.

Nach der wunderschönen, aber etwas mit Macken versehenen „Trine“-Reihe, hat sich das Entwicklerteam von Frozenbyte einem neuen Projekt gewidmet: „Nine Parchments“ heißt ihr Werk und soll kurzweilige Action mit Freunden garantieren.

Auf Harrys Spuren

Nach einem kurzen Tutorial, in dem ich als Zauberlehrling durch eine Akademie renne, erfahre ich von meiner großen Aufgabe: Nach einem verheerenden Unfall auf besagter Uni sind die neun Seiten eines magischen Buches in aller Herrenländer verstreut. Nur wenn ich sie zurückerobere kann ich mich vor dem Rauswurf retten. Die Reise beginnt. Zunächst habe ich lediglich die Wahl zwischen zwei Neulingen – einem Jungen und einem Mädchen. Der Unterschied liegt dabei nicht nur im Geschlecht, sondern auch in den Fähigkeiten: Jeder der beiden Zauberlehrlinge besitzt drei verschiedene Zaubersprüche, auf die er zurückgreifen kann. Während der Junge auf Eis, Gift und Feuer setzt, greift das Mädchen auf Tod, Blitz und Heilung zurück. Schon mal interessant. Was ich anfangs aber noch nicht wusste: Auf die Kombination kommt es an – mehr dazu aber später.

Zauberhafte Landschaften

Beim ersten Eintauchen in die Fantasy-Welt bin ich begeistert von der Präsentation: Also grafisch aufwändige Umgebungen schaffen, das können die Macher von Frozenbyte wirklich, wie sie bereits bei „Trine“ unter Beweis gestellt haben. Die Landschaften, die sie auf den Bildschirm zaubern, sind entzückend – und teilweise verdammt bunt. Ideal, um versteckte Items, wie Schatzkisten oder magische Federn darin zu verstecken. Aber auch in Sachen Gameplay kann der Titel überzeugen. Gespielt wird aus einer isometrischen Perspektive mit fester Kameraeinstellung: So behaltet ihr normalerweise immer den Überblick über das Geschehen. Die ersten Gegner werden mit der kleinen Auswahl an Zaubersprüchen fachgerecht vernichtet. Ich muss zwischendurch immer wieder die Angriffe wechseln, da jeder Zauberspruch einen eigenen Mana-Pool beansprucht, der schnell verbraucht ist, sich aber nach einer Weile automatisch auffüllt. Mit den Schultertasten des Controllers kann ich aber in Windeseile hin- und herwechseln. Das läuft.

Alltagssorgen

Der Verlauf der Missionen sieht immer einen sehr linearen Abschnitt nach dem anderen vor: Nach zwei, drei Missionen wartet dann ein dicker Bosskampf, den es zu überstehen gilt. Nach erfolgreicher Beendigung flattert eine Seite des magischen Buches in euer Inventar. Dabei habt ihr dann stets die Auswahl aus drei vorgeschlagenen Zaubersprüchen einen auszusuchen, den ihr ab dann permanent besitzt. Im späteren Verlauf des Spiels habt ihr dadurch Zugriff auf ziemlich viele, unterschiedliche Zauber, mit denen ihr eure Feinde beharkt. Und das ist auch bitter nötig: Denn schnell werdet ihr feststellen, dass einige Gegner gegen gewisse Elemente immun sind, aber andere Elemente besonders hohen Schaden anrichten. So wundert es nicht, dass Flammenstiere empfindlich auf Wasser reagieren, über Feuerangriffe jedoch hämisch lachen. Das Prinzip kennt man ja aus etlichen anderen Spielen – Spaß macht es immerhin. Was jedoch weniger spaßig ist: Der ständig gleiche Ablauf der Missionen kann bald zum monotonen Tagesgeschäft werden. Gerade wenn ihr alleine unterwegs seid, kommt schnell eine Art Sättigung auf. Daher empfehlen die Entwickler nicht zu Unrecht, dass ihr „Nine Parchments“ unbedingt mit Freunden spielen solltet. Und siehe da: Plötzlich eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten …

Bis dass der Tod uns scheidet

Sobald ich mit meinem Kumpel die Kampagne starte, weht ein frischer Wind durchs Zauberland. Kenner des Genres werden unweigerlich an „Magicka“ erinnert: In dem chaotischen Abenteuer war das Zusammenspiel von tollpatschigen Zauberern das A und O des Spielspaßes. Das ist bei „Nine Parchments“ nicht anders: Erst wenn ihr eure Kräfte bündelt, kommt etwas Großartiges dabei heraus. So kann ich beispielsweise meinen Todesstrahl auf einen dicken Gegner loslassen und mein Kumpel kombiniert diesen mit Eis. Das Ergebnis: Ein deutlich unbeweglicher dicker Feind, der richtig Schaden kassiert – klasse. Allerdings kann das Ganze auch nach hinten losgehen. Denn früher oder später werdet ihr euch gegenseitig aufs Korn nehmen – vertraut mir, irgendwann kommt dieser Punkt immer.

Mit den Sprüchen könnt ihr nämlich auch euren Koop-Freunden schaden. Der Spaß, der dadurch entsteht, ist ebenso hoch, wie das eigentliche Spiel. Manchmal ist es einfach zu lustig ein kleines Bömbchen unter seinem Freund zu deponieren, damit er einen Abgang in die Schlucht macht. Aber keine Sorge: Solange noch einer von euch lebt – insgesamt dürft ihr übrigens zu viert gleichzeitig spielen – kann euch immer jemand wiederbeleben. Bei Gefechten mit vielen Angreifern kommt es allerdings unweigerlich immer wieder zum „friendly fire“. Für die kleine taktische Note sorgt ein Mini-Skill-Tree, in dem ihr nach einem Stufenanstieg ein paar eurer Werte erhöhen könnt. Erwartet dort aber nicht zu viel: Es handelt sich dabei nicht um neue Fähigkeiten, sondern nur um die Verstärkung von vorhandenen Werten. Nett ist das aber dennoch.

Fazit

Wenn ich meine Empfehlung abgeben darf: Wenn ihr euch für dieses Spiel hier entscheidet, dann solltet ihr unbedingt vorher schauen, dass euch mindestens ein Freund bei dem Abenteuer begleitet. Denn die Kampagne ist als Einzelkämpfer schnell langweilig, da sich die Kämpfe zu schnell wiederholen. In der Gruppe entfaltet „Nine Parchments“ jedoch sein wahres Potenzial: Das Kreuzen der Zauber und die etlichen Kombinationen, die daraus entstehen, sorgen für hohen Spielspaß – wenn auch nicht für lange Zeit. Für Zwischendurch bietet das Spiel aber eine gute Abwechslung.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: nineparchments.com