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Nine Sols

Metroidvania mit düsterem Charme.

Nine Sols ist auf der Switch 2 sehr nah dran an dem, was ein richtig starkes Metroidvania heute leisten sollte: präziser Kampf, viel Atmosphäre und ein Look, der gleichzeitig schön und bedrückend ist. Für mich ist das Spiel vor allem dann groß, wenn es sich auf sein Parier-System, seine melancholische Mythologie und die dichte Welt konzentriert. Schauen wir uns mal an, was Red Candle Games hier gebaut hat.

Ein gefallener Held

Ihr spielt Yi, einen stoischen Kämpfer auf einem Rachefeldzug durch eine asiatisch-mythologisch geprägte Sci-Fi-Welt. In diesem Universum dreht sich alles um alte Gottheiten, Menschenopfer und Hightech-Ruinen, die seltsam ineinandergreifen. Schon diese Mischung ist ungewöhnlich stark, weil sie nicht nur hübsch aussieht, sondern auch Ton und Identität klar setzt.

Gerade das fand ich auf der Switch 2 sehr überzeugend: Die Welt hat diesen düsteren, fast sakralen Sog, ohne in stumpfe Endzeit-Optik zu verfallen. Das Spiel wirkt wie ein Mythos, der in Maschinenraum und Tempel zugleich spielt. Genau daraus zieht es viel seiner besonderen Stimmung.

Parieren statt prügeln

Spielerisch lebt Nine Sols von seinem Sekiro-inspirierten Kampfsystem. Das heißt: Nicht wild draufhauen, sondern Timing lernen, Angriffe lesen, parieren, kontern und aus Fehlern möglichst wenig Drama machen. Das fühlt sich nicht nur fordernd, sondern richtig sauber an, weil selbst defensive Treffer noch eine Art Puffer haben und das Spiel nicht sofort alles brutal bestraft.

Genau hier liegt für mich die größte Stärke. Wenn ein Bosskampf klickt, dann klickt er wirklich: erst das Lesen der Animation, dann der perfekte Block, dann das kurze Fenster für den Konter, dann wieder Ruhe vor dem nächsten Schlag. Das ist anspruchsvoll, aber fair, und es gibt dem Spiel diesen schönen „noch ein Versuch“-Sog, den gute Souls-like-Mechaniken brauchen.

Metroidvania mit Disziplin

Auch als Metroidvania funktioniert Nine Sols ziemlich gut, weil die Welt miteinander verbunden ist. Erkundung ist mehr als nur beiläufiges Kartenfüllen. Die Gebiete sind verzweigt, es gibt Abkürzungen, Upgrades und genug Geheimnisse, um das Vorankommen spannend zu halten. Gleichzeitig ist das Spiel ein Stück linearer, als der Begriff Metroidvania manchmal vermuten lässt.

Das stört mich aber kaum, weil der Fokus klar ist: Nine Sols will nicht die größte Sandbox sein, sondern die dichteste Reise. Und dafür passt die Struktur ziemlich gut, weil die Spielmechanik ohnehin auf Präzision und kontrollierte Eskalation ausgelegt ist.

Schwierigkeit mit Fairness

Nine Sols ist nicht leicht, das steht außer Frage. Für mich war es eine harte, aber faire Lernkurve, bei der man am Anfang schnell merkt, dass das Spiel wenig mit Knopfdrücken und viel mit Geduld zu tun hat. Wer mit Souls-like-Anleihen nichts anfangen kann, wird hier vermutlich eher abgeschreckt als motiviert.

Ich finde aber gerade die Switch 2-Version dafür gut geeignet, weil sie das schwere Spielgefühl technisch angenehm abfedert. Im Vergleich zur ursprünglichen Switch scheint die Performance auf der Switch 2 deutlich stabiler zu sein, mit flüssigerem Bild, kürzeren Ladezeiten und weniger ärgerlichen Einbrüchen. Das macht aus einem schon guten Spiel eine deutlich angenehmere Version zum Durchspielen. Aus meiner Sicht zumindest.

Look, Sound und Story

Optisch ist Nine Sols ein echter Hingucker. Die handgezeichneten Figuren, die klaren Animationen und die asiatisch inspirierte Bildsprache verleihen dem Spiel einen Wiedererkennungswert, den viele Genrevertreter vermissen lassen. Dazu kommt ein Sounddesign, das die Mischung aus Tragik, Kampf und fremder Welt sehr sauber trägt.

Auch die Story hat mich gefesselt, weil sie in einem Genre, das oft Mechanik vor Erzählung stellt, tatsächlich Gewicht hat. Ich würde sagen: Das Spiel will nicht nur fordern, sondern auch tragen. Und genau deshalb bleiben die Figuren und die Welt mehr hängen als bei vielen anderen Metroidvanias. Wenn man sich darauf einlässt, ist das ziemlich stark.

Fazit

Nine Sols ist auf der Switch 2 für mich ein richtig starkes Metroidvania mit Souls-like-Ader, das aus Kampf, Atmosphäre und Weltgestaltung eine sehr eigenständige Mischung macht. Es ist fordernd, stilvoll und oft beeindruckend präzise, auch wenn es etwas linearer und weniger frei ist, als der Genre-Mix auf den ersten Blick verspricht.

Gerade auf der Switch 2 profitiert das Spiel von der besseren Performance, wodurch seine Stärken noch klarer durchscheinen. Unterm Strich bleibt für mich ein sehr gelungenes, düster-schönes Abenteuer, das vor allem Fans von Parierkämpfen, konzentriertem Progressionstempo und dichten Welten glücklich machen dürfte. Ein echtes Indie-Juwel, das sich zu spielen lohnt.

Erhältlich für: PS, PC, Switch 
Webseite: store.steampowered.com/app/1809540/Nine_Sols