Spielepublisher Nintendo kommt immer wieder auf frische, innovative Ideen – das wissen sogar Menschen, die wenig mit Spielen zu tun haben. Meist entwerfen die japanischen Entwickler Hardware außerhalb der Norm, wie es bei der Nintendo Wii, dem 3DS oder vor vier Jahren mit der Nintendo Switch geschehen ist. Aber auch die exklusiven Spiele selbst enthalten immer mal wieder einen innovativen Touch. So nun auch das sogenannte „Nintendo Spielestudio“.
Ein dickes Paket an Kreativität
Der Name hält, was er verspricht: Hier bekommen Interessenten eine charmante Herangehensweise ans Programmieren geliefert – ein eigenes Spielestudio quasi. Die Idee dahinter mag nun nicht sonderlich neu sein. Auch Sony hat mit Dreams ein deutlich komplexeres Spielestudio im Angebot. Microsoft scheiterte damals auf der Xbox mit dem Project Spark an einem ebenfalls komplexen Programmierabenteuer. Doch Nintendos Spielestudio will nicht komplex oder sonderlich tief in den Programmcode eintauchen. Vielmehr gibt es hier einen Blick hinter die Kulissen, wie Spiele eigentlich funktionieren und was man dafür machen muss, damit sie laufen.
Nintendo hat dafür eine eigene Programmiersprache entworfen, die durch zwei Punkte präsentiert werden. Richtig gelesen: Zwei simple Punkte – einer blau, der andere rosa – präsentieren die Hintergründe. Und die beiden Plappermäulchen namens Bob und Alice können einem sogar schnell ans Herz wachsen – den munteren Dialogen sei Dank. Jedenfalls erhalten Spieler in sieben interaktiven Aktionen wertvolle Tipps, wie man hier Spiele entwickelt.
Steile Lernkurve
Zu Beginn startet dies noch recht einfach: Man muss einer Spielfigur das Springen beibringen. Dafür tauchen Bob und Alice mit dem Spieler ins sogenannte Backend eines Videospiels ein: Im Gegensatz zum Frontend gibt es hier keine schicke grafische Oberfläche, sondern hier verbirgt sich in der Regel das Programmierte hinter Code-Zeilen oder Tabellen – nicht aber im Spielestudio. Dort warten im Backend die lustigen Knotfixe auf die Befehle des Nutzers. Knotfixe sind oft sehr redselige Gesellen, die immer in einem Gebiet Meister ihres Fachs sind. Das klingt auf den ersten Blick etwas verwirrend, ist es aber nicht. Ein kleines Beispiel kann Klarheit schaffen: Es gibt da einen sogenannten Knopf-Knotfix. Dieser regelt, was passiert, wenn ein Spieler den B-Knopf drückt. Im Fall der ersten Lektion ist das ein Sprung. Verbindet man den Knopf-Knotfix mit der Spielfigur und wählt aus, dass diese nun springen kann, tut sie das auch. So funktionieren auch die einzelnen Lektionen.
Jede der sieben Lektionen enthält dabei neue Ansätze, wie ein Spiel aussehen könnte: Mal muss man nur über Plattformen hüpfen, ein anderes Mal geht es ins Weltall mit einem schießenden Raumschiff oder man soll die Bewegungskontrolle der Nintendo Switch meistern. All diese Lektionen warten immer mit einer Abschlussprüfung, um das Gelernte in die Tat umzusetzen. Dabei hat sich Nintendo sogar recht knifflige Rätsel überlegt, bei denen Bob und Alice auch gerne weiterhelfen, wenn man mal feststeckt. Der Clou an der Sache: Nach den sieben Lektionen, die jeweils 40 bis 60 Minuten benötigen, ist man bereit fürs freie Programmieren. Ab dann darf man auf einem weißen Blatt Papier beginnen und seine Ideen in die Tat umsetzten – jedenfalls in einem begrenzten Rahmen.
Der Einstieg in was Großes
Denn Nintendos Spielestudio kratzt letztlich doch nur an der Oberfläche des Möglichen: Die hier kreierten Spielchen werden mit den enthaltenden Mitteln wohl nie ausufernde Meisterwerke werden. Vielmehr geht es um den Spaß am Experimentieren und die kurzweilige Unterhaltung. Auch grafisch spielt man hier eher in einer drittklassigen Liga, was dem Spaß allerdings keinen Abbruch tut. Das größte Manko an Nintendos Spielestudio ist jedoch das Entdecken anderer Kreationen. Denn so einfach ist das nicht möglich: Anstatt einfach munter durch verschiedene Werke zu surfen, braucht man hier die genaue ID eines Spiels, um es sich anzusehen. Warum Nintendo hier keinen einfacheren Weg gewählt hat, bleibt ein Rätsel.
Fazit
Von den kleinen Mankos abgesehen bietet das Spielestudio den idealen Einstieg in die Welt des Programmierens. Wer sich also schon immer mal dafür interessiert hat, wie Spiele entstehen, könnte hier glücklich werden, zumal die Präsentation äußerst amüsant und locker-leicht gelungen ist. Der Fokus liegt jedoch eindeutig auf dem Experimentieren und dem Spaß an selbstausgedachten Szenarien. Wer danach Blut geleckt hat, kann sich dann auch komplexeren Programmiersprachen zuwenden – wichtige Begriffe und Mechanismen kennt man dann durch das Spielestudio bereits.
Erhältlich für: Nintendo Switch
Website: https://www.nintendo.de