Willkommen auf der Bühne des Vergessens: Daedalic Entertainment, bekannt für atmosphärische Adventures, wagt mit „Once Upon a Puppet“ einen Schritt ins Puzzle-Plattformer-Genre. Das Spiel verbindet die Magie des Theaters, melancholisches Storytelling und klassische Rätselmechanik zu einem originellen Indie-Erlebnis, das vor allem durch seine Inszenierung besticht.
Die Geschichte: Zwei Verbannte auf der Suche nach ihrem Platz
Der Vorhang hebt sich für Nieve, eine einst gefeierte Weberin, die nach Ungnade des Königs auf die „Niederbühne“ verbannt wird – einen geheimnisvollen Ort unterhalb des eigentlichen Theaters, an dem alles landet, was nicht mehr gebraucht wird. Dort trifft sie auf Drev, eine Puppe, die durch einen magischen Faden an sie gebunden ist. Fortan sind die beiden untrennbar miteinander verbunden und müssen gemeinsam einen Ausweg aus dieser Welt voller vergessener Requisiten und skurriler Gestalten finden.
Die Handlung setzt auf leise Zwischentöne, poetische Bilder und eine Atmosphäre, die zwischen Märchen und Melancholie schwebt. Immer wieder sorgen kleine Dialoge und stimmungsvolle Zwischensequenzen dafür, dass die Reise der beiden Helden ans Herz geht – auch wenn die Story in ihrer Grundstruktur eher klassisch bleibt und manche Wendung vorhersehbar ist.
Teamwork und Köpfchen – aber kein Koop
Das zentrale Spielprinzip ist das Zusammenspiel von Nieve und Drev. Beide werden im Singleplayer-Modus gleichzeitig gesteuert: Während Drev flink durch die Kulissen läuft, springt und klettert, agiert Nieve als schwebende Hand, die Türen öffnet, Wände durchstößt oder Drev über Hindernisse schleudern kann. Die Rätsel verlangen, dass beide Figuren sinnvoll eingesetzt werden – mal geht es um Timing, mal ums Kombinieren von Fähigkeiten. Die Aufgaben reichen von einfachen Schalterrätseln bis zu Passagen, in denen präzise Sprünge und etwas Um-die-Ecke-Denken gefragt sind. Einen klassischen Koop-Modus gibt es nicht, auch wenn das Spiel auf den ersten Blick so wirkt.
Ein Theater voller Details und Sammelobjekte
Die detailverliebte Theaterwelt ist das Herzstück des Spiels: Holzbalken, Scheinwerfer, Samtvorhänge und verschlungene Kulissen sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Überall gibt es Sammelobjekte wie Buntglasfensterteile oder Requisiten zu entdecken, die das Bühnenkonzept stimmig ergänzen. Besonders gelungen: Nieve kann neue Kostüme für Drev schneidern, die ihm nicht nur ein neues Aussehen, sondern auch spezielle Fähigkeiten verleihen und neue Wege eröffnen.
Klang und Technik – ein Wechselbad
Musikalisch bleibt das Spiel dezent und setzt eher auf stimmige Soundeffekte als auf große Melodien. Das typische Cartoon-Vogelpfeifen beim Sturz oder das Klackern von Drevs Holzkörper sorgen für Charme und Atmosphäre. Technisch läuft das Spiel solide, gelegentlich gibt es kleinere Ruckler oder stockende Animationen, die den Gesamteindruck aber kaum trüben.
Fazit: Ein Märchen für Herz und Hirn
„Once Upon a Puppet“ ist eine liebevoll inszenierte Indie-Perle, die mit ihrer Theater-Optik, den cleveren Rätseln und der ruhigen Erzählweise punktet. Wer Atmosphäre, märchenhaftes Storytelling und das Erkunden fantasievoller Welten mag, wird hier fündig. Das Spiel richtet sich weniger an Actionfans, sondern an Genießer, die auch kleine Details schätzen und sich gern auf eine poetische Reise einlassen. Daedalic bleibt sich treu und liefert ein Abenteuer, das noch lange nachklingt – auch wenn es nicht das Genre neu erfindet.
Erhältlich für: PS, Xbox, Switch, PC
Webseite: store.steampowered.com/app/1904880/Once_Upon_A_Puppet/?l=german