Bevor mich hier jemand kritisiert: Ich habe nie eine komplette Folge von One Piece gesehen. Auch wenn es die Marke bereits seit 25 Jahren gibt, hatte ich in meiner Jugend recht wenig damit zu tun. Lediglich durch die Spiele zur Reihe habe ich einen leichten Einblick ins Universum von Gummimann Ruffy und seiner Bande bekommen. Nach dem letzten Abenteuer, das für Misou-Fans besonders ansprechend war, stehen nun in One Piece Odyssey Rollenspieler:innen im Fokus.
Toller Start
Um die Entwicklung von One Piece Odyssey hat sich ILCA gekümmert und als Publisher gibt sich Bandai Namco die Ehre. Bereits das Intro macht deutlich Lust auf mehr. Im Zentrum der Geschichte steht wie gesagt die berühmte Strohhutbande, die mit ihrem Schiff eine geheimnisvolle Insel entdecken. Doch die Insel scheint von mysteriösen Kräften verteidigt zu werden. Nur knapp gelingt es ihnen auf der Insel zu stranden. Ihr Schiff geht dabei zu Bruch. Also stecken Ruffy und seine Freunde erst einmal fest.
Nun gilt es, die Geheimnisse der Insel zu entschlüsseln. Damit seid ihr dann für die kommenden Stunden beschäftigt. Ich habe mir sagen lassen, dass hier immer wieder bestimmte Episoden angesprochen werden und es Hinweise auf die allgemeine Story gibt. Dazu kann ich euch leider nichts sagen. Die Geschichte jedenfalls ist hübsch präsentiert und macht mich neugierig. Über den weiteren Verlauf verrate ich an dieser Stelle nichts.
Alte Formel, neue Zutaten
Spielerisch hält sich One Piece Odyssey an typische japanische Rollenspiele. Soll heißen: In rundenbasierter Form kämpft ihr gegen einen oder mehrere Gegner. Das kennen wir bereits seit über 30 Jahren. Allerdings haben sich diesmal ein paar frisch Ideen mit eingefunden. Und da es sich bei dem Kampfsystem um das Herzstück des Spiels handelt, gebe ich euch einen kurzen Einblick.
Zunächst einmal seid ihr immer im Team unterwegs. Bis zu sieben Kameraden habt ihr dabei. Allerdings dürfen immer nur vier gleichzeitig kämpfen. Sobald ihr einen Gegner auf der Karte entdeckt und berührt, wechselt das Geschehen in den Kampfmodus. Dazu landet ihr in einer Arena, die der Umgebung entspricht. Leider gibt es zu jedem Setting wie Dschungel, Höhle oder Wüte immer nur genau eine Arena. Das nutzt sich sehr schnell ab.
Jedenfalls werdet ihr in drei Gruppen unterteilt, sobald ein Kampf beginnt. Also stehen zwei Kämpfer:innen immer alleine und es gibt eine Zweiergruppe. Die Gegner werden ebenfalls zufällig verteilt. Es kann aber auch sein, dass einem Einzelnen plötzlich vier Gegner gegenüberstehen. Die anderen Teams können erst helfen, wenn sie ihr Terrain freigeräumt haben. Wirklich taktisch müsst ihr dieses Feature allerdings erst nutzen, wenn ihr schon länger gespielt habt. Also keine Sorge deswegen.
Schere-Stein-Papier
Ihr solltet aber immer auf die Anzeige eurer Feinde achten: Dort erfahrt ihr, welchen Angriffstyp sie nutzen und wann sie an der Reihe sind. So könnt ihr die Gegner zuerst attackieren, die zuerst angreifen wollen. Dadurch bekommt ihr manchmal mehrere Runden nacheinander geschenkt, ohne dass die Gegner zurückschlagen können. Außerdem erhaltet ihr in der Anzeige eine Übersicht, ob eure Angriffe normal, gut oder schlecht gegen die Gegner funktionieren. Im Hintergrund habt ihr eine einfache Schere-Stein-Papier-Mechanik.
Wirklich praktisch ist das Auswechsel-Feature in One Piece Odyssey: Sobald ihr merkt, dass ein Charakter nicht viel auswirkt gegen einen Feind, könnt ihr ihn oder sie direkt auswechseln gegen einen anderen auf eurer Bank. Das geht während des Kampfes sogar mehrfach.
Wuchtige Präsentation
Kurz gesagt: Die Kämpfe bieten jede Menge taktische Möglichkeiten und spielen sich unterhaltsam. Denn jeder Charakter bringt zudem sein eigenes Set an Spezialfähigkeiten mit. Der Einsatz dieser Fähigkeiten ist optisch eine Wucht: Wenn Ruffy seine Gum-Gum-Gatling loslässt, spürt man förmlich jeden Schlag. Oder wenn Robin mit gigantischen Gliedmaßen ihre Feinde in die Beinpresse nimmt, schwingt wieder ein Hauch Erotik mit. Das muss man aber mögen – ebenso wie die Darstellung der weiblichen Charaktere mit ihren üppigen Oberweiten.
Ruffys Charakterzüge im Gameplay
Der Comic-Stil von One Piece Odyssey trifft bei mir genau ins Schwarze und ist super anzu-schauen. Bei all dem Sonnenschein gibt es allerdings ein Aber. Während die Kämpfe und die Geschichte an sich ganz unterhaltsam sind, macht es mir One Piece Odyssey immer wieder unheimlich schwer in Fahrt zu kommen. Denn kaum seid ihr drei Schritte gerannt, kommt es wieder zu einem nutzlosen Dialog. Dadurch fühlt sich One Piece Odyssey immer wieder zäh wie Kaugummi an. Persönlich wäre es mir lieber gewesen, wenn man mich gleich in eine offene Welt entlassen hätte. Aber hier werde ich die ersten Stunden sehr stramm an der Hand geführt und laufe lineare Pfade ab. An dieser Stelle verschenkt One Piece Odyssey mächtig Potenzial.
Eine Sache muss ich ebenfalls erwähnen, was aber in der Sache des Genres liegt: Auch One Piece Odyssey verlangt von euch einiges an Grinding, wenn ihr die Hauptgeschichte erfolgreich fortsetzen wollt. Aber zum Glück bietet One Piece Odyssey genügend Nebenaktivitäten, mit denen ihr schnell auf das benötigte Level kommen könnt. Zudem dürft ihr im Camp Partys schmeißen oder Ausrüstungen verbessern. Hier kommt der Rollenspielanteil allerdings nur rudimentär zum Tragen. Jeder Charakter kann nur eine Handvoll Accessoires anlegen, die einige Verbesserungen garantieren. Für mich passt das. Kommen wir zum Abschluss.
Fazit
One Piece Odyssey ist in der Tat ein buntes, ausuferndes Abenteuer der Strohhutbande. Die Kämpfe sind ILCA durchaus unterhaltsam gelungen. Allerdings haben sie das Pacing noch nicht so gut im Griff. Immer wieder kommt es zu unfreiwilligen Stopps, die den Fluss im Spiel völlig zunichte machen. Besonders die Anfangsstunden sind daher sehr zäh. Sobald ihr das aber überwunden habt, erwartet euch ein actionreiches und unterhaltsames Abenteuer, das nicht nur für Fans der Reihe interessant sein dürfte.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: de.bandainamcoent.eu/one-piece/one-piece-odyssey