Otherwar ist ein Indie-Mix aus Tower Defense und Bullet Hell, der Spieler:innen in die Rolle eines Engels versetzt, der das Himmelstor gegen die Horden der Hölle verteidigen muss. Schon auf den ersten Blick wird klar: Hier ist aktives Eingreifen gefragt, denn neben dem geschickten Platzieren von Verteidigungstürmen muss man selbst unentwegt feindlichen Projektilen ausweichen und zurückfeuern. Die Kombination macht den Genre-Mix besonders und sorgt für jede Menge Adrenalin – passives Zuschauen ist tabu.
Strategie und Action im Doppelpack
Im Kern verschmelzen zwei bekannte Prinzipien: Jeder Level präsentiert mehrere Pfade für die Höllenmonster, aber die Plätze für Türme sind fix und begrenzt. Das kennt man aus anderen Genre-Vertretern. Zehn unterschiedliche Turmtypen mit je drei Upgrade-Stufen stehen zur Auswahl, wobei nicht alle auf Angriff fokussiert sind – manche blocken sogar feindliche Projektile, was die Bullet-Hell-Aspekte effektiv entschärfen kann.
Gleichzeitig ist Geld knapp bemessen, sodass Tower-Optimierung und strategisches Nachrüsten das Erfolgsrezept bilden. Schön ist, dass man vor jeder Runde fünf Turmtypen wählt, aber jeweils nur wenige platzieren darf – das fördert cleveres Kombinieren statt „Power-Tower-Spam“.
Ausweichen bitter nötig!
Die Bullet-Hell-Komponente ist zentral: Die Engel-Figur muss permanent in Bewegung bleiben, denn die Feindtypen verschießen unterschiedlichste Projektile – Blätter, Netze, Explosionen, Fächersalven – und Bildschirmchaos ist garantiert. Nix für Epileptiker!
Jeder Treffer kostet Lebenspunkte der Spielfigur, wird aber direkt vom Pool der Basis abgezogen. Wer zu unachtsam agiert, riskiert also die Niederlage, auch wenn die Türme eigentlich noch alle Feinde besiegen könnten.
Bosse bringen das System an die Belastungsgrenze: Riesentanks mit eigenen Bewegungsmustern und Dauerfeuer sorgen für echte Bullet-Hell-Herausforderungen, unabhängig davon, wie gut die Türmen stehen. Stress vorprogrammiert!
Höllische Motivation
Das Upgrade-System zeigt sich klassisch, aber motivierend: Die Engel-Figur lässt sich mit aufwändigen Runs verbessern – etwa bei Feuerkraft, Angriffstempo oder Bullet-Dodge-Skills. Anfangs ist der Schwierigkeitsgrad selbst auf „Easy“ hoch. Erst nach Stunden des Grinds wird die Spielfigur so stark, dass selbst auf „Hard“ plötzliche Überlegenheit eintritt und die Türme zunehmend in den Hintergrund geraten. Manche kritisieren diesen Balance-Bruch, da später das Upgrade-System die Herausforderung „kippt“ und der eigentliche Turm-Defense-Kern zurückgedrängt wird.
Trotzdem bleiben Wiederspielwert und taktische Abwechslung hoch, denn pro Level schalten sich neue Turmvarianten frei, und die Gegnervielfalt sorgt für spannende neue Bullet-Muster. Die Kampagne umfasst 9 Level mit drei Schwierigkeitsgraden und fairen Checkpoints; das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt für kurze, aber intensive Couch-Sessions.
Pixel-Charme trifft Monster-Inferno
Otherwar setzt auf stylische Low-Poly-Pixelgrafik und bunte Effekte, die dem chaotischen Treiben Übersicht und Charme verleihen. Die Tracks im Hintergrund wirken oft ruhig, manchmal aber auch antreibend, die Soundeffekte sind solide und unterstützen den Action-Flair.
Gegenüber hochklassigen Genrevertretern wie Brotato oder Vampire Survivors wirkt das Spiel visuell eigenständig, wenn auch weniger spektakulär. Aber das muss es ja nicht immer sein.
Im direkten Vergleich
Im Vergleich mit typischen Tower Defense-Spielen hebt Otherwar das Genre aus der strategischen Komfortzone: Wer „Plants vs. Zombies“ oder „Kingdom Rush“ gewohnt ist, muss hier permanent ausweichen und aktiv schießen. Das ist deutlich anstrengender als die genannten Spiele.
Im Bullet-Hell-Regal steht Otherwar neben Spielen wie Brotato, Lone Ruin oder Soulstone Survivors, bietet aber mehr taktische Tiefe durch den klassisch-strategischen Turmbau und gezielte Support-Türme. Der Anspruch ist eher „Core“ – Einsteiger sollten Geduld zum Grinden mitbringen.
Fazit: Himmlisch stressig und angenehm originell
Otherwar überzeugt mit origineller Genre-Mixtur, starker Herausforderung und cleveren Spielmechaniken. Die aktiven Bullet-Hell-Einlagen machen das Spiel zu einem Dauer-Action-Erlebnis, die Tower Defense sorgt für Grübelpausen und taktische Tiefe. Die Balance kippt nach vielen Upgrades etwas, doch als kurzweiliger, fordernder Indie-Trip ist Otherwar ein Geheimtipp für alle, die Tower Defense und Bullet Hell nicht nur „halb“ mögen.
Erhältlich für: Switch, PC, PS, Xbox
Webseite: store.steampowered.com/app/1526870/Otherwar