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Outcast – Second Contact

Das Erste seiner Art: Damals war es Open-World für eine Elite, heute darf jeder den fremden Planeten in diesem Action-Adventure bereisen – was 20 Jahre so ausmachen …

Bereits die erste Ankündigung vor zwei Jahren ließ mich innerlich etwas aufjubeln: „Outcast bekommt ein Remake“, ließ damals die PR-Beauftragte von Publisher Bigben verlauten. Und nun ist es endlich soweit: Elitesoldat Cutter Slade darf nach fast zwanzig Jahren wieder Kontakt zu einem fremden Planeten aufnehmen – und diesmal gehöre ich auch zum Team, das die Erde retten soll. Um die Bedeutung dieses Titels richtig zu verstehen, muss ich euch ans Ende der 90er-Jahre entführen: Mein Kumpel Josh und ich verbrachten Nächte vor dem PC und zockten alles, was uns in die Finger kam. Uns entging auch nicht, dass da plötzlich ein Entwickler namens Appeal für mächtig Aufsehen sorgte, als dieser das Spiel „Outcast“ vorstellte. Der Titel sah im Jahr 1999 unverschämt gut aus und griff auf eine Voxel-Grafik zurück, der allerdings keine rosige Zukunft bevorstand. Natürlich wollten wir damals auch schon mit Cutter Slade auf einen fremden Planeten reisen und uns um die Probleme der dort ansässigen Aliens kümmern – zumal das Spiel ein ziemlich neues Konzept verfolgte: In einer offenen Spielwelt war es uns überlassen, wo wir zuerst hingehen und wem wir helfen. Allein das war schon recht aufregend. Die Vorfreude wurde jedoch schnell eingedämmt: Eben erwähnte Voxel-Grafik erforderte nämlich einiges an Pferdestärken vom heimischen PC – was leider nicht in unserer Preisklasse lag. Daher kannte ich das Spiel lediglich von Screenshots und später auch kurzen Videos. Zwanzig Jahre später freue ich mich daher wie ein Kind, dass ich nun doch noch die Chance bekomme mit Cutter Slade auf Entdeckungstour zu gehen.

Andere Gangart

Das Spiel an sich wurde laut Entwicklerteam inhaltlich nicht geändert: Lediglich bei der Technik wurde es von Grund auf neu gestaltet. Soll heißen: Ihr habt es hier tatsächlich mit dem Original zu tun, das grafisch an die Neuzeit angepasst wurde – und das auch noch vom gleichen Entwicklerteam. Coole Sache. Dass damals allerdings Spiele und Geschichte anders erzählt wurden, wird euch schnell klarwerden: Die Story nimmt sich verdammt viel Zeit. Schon beim ersten Kontakt mit der neuen Zivilisation auf dem Planeten Adelpha wird ausführlich geplaudert. Lehnt euch daher zurück und taucht etwas tiefer in die Hintergrundgeschichte ein, wenn ihr wollt. Früher war Storytelling eben deutlich entspannter als heutzutage. Persönlich glaube ich jedoch, dass die meisten Spieler die Dialoge einfach wegklicken werden – musste ich letzten Endes auch ein paar Mal tun. Nachdem ich dann den Nostalgieschleier von meinem geistigen Auge entfernt habe, stellte ich fest, dass die Revolution von damals heutzutage ziemlich unspektakulär wirkt: Offene Spielwelt? Heute in fast jedem Titel zu finden. Schießen und Rätsel lösen? Schon öfters gemacht. Grafische Höhenflüge? Nicht wirklich – aber ganz anständig in die aktuelle Zeit überführt. Vertonte Dialoge? Standard, wobei ich sagen muss, dass Cutter mit der Synchronstimme von Bruce Willis einen ziemlich coolen Eindruck macht. Aber keine voreiligen Schlüsse ziehen: Spaß macht der Abenteuertrip auch heute noch. Warum, das erfahrt ihr gleich.

Selbst ist der Abenteurer

Im Kern bietet „Outcast“ genau das, was auch aktuelle Blockbuster so beliebt macht: Das Spiel gibt mir selbst die Zügel in die Hand und lässt mich entscheiden, was als nächstes zu tun ist. Zudem kann ich meist auch beschließen, wie ich mein Vorhaben in die Tat umsetzen möchte. Alles zu einem gewissen Grad jedenfalls. Dieses Konzept funktioniert bei mir immer noch prima und motiviert mich, die fremde Welt zu erkunden. Da stört es dann auch nicht sonderlich, dass sich viele Charaktere gleichen wie ein Ei dem anderen. Das gibt es ja schließlich bei neuen Spielen wie „Elex“ ja auch heute noch. Schwamm drüber. Die Steuerung ist jedoch etwas gewöhnungsbedürftig: Abgesehen von den abgehakten Animationen fühlt es sich sehr hölzern an, wenn der Elitesoldat durch die Gegend sprintet, hüpft und ballert. Ich schreibe das jetzt einfach mal der außergewöhnlichen Atmosphäre auf dem fremden Planeten zu – vielleicht gibt es dort ja weniger Sauerstoff als auf der Erde. Aber Spaß beiseite: Sonderlich akkurat ist das Ganze nicht. Um die Erde zu retten, muss ich vier sogenannte Mons besorgen und anschließend den Bösewicht besiegen – sehr klassisch also. Die Rätsel, die ich dabei lösen muss, sind zwar nicht sonderlich schwierig, aber immer noch ziemlich interessant. Solange ihr genügend Munition habt und Abstand haltet, werden euch die Gegner nicht sonderlich viele Sorgen bereiten. Aus der Ferne könnt ihr selbst gegen zehn Gegner gleichzeitig bestehen, wenn ihr etwas Shooter-Erfahrung mitbringt. Beim anschließenden Looten eurer Feinde füllt ihr eure Reserven wieder auf. Ein paar Mal bin ich jedoch aufgrund des Munitionsmangels arg in Bedrängnis geraten und musste die Beine in die Hand nehmen – hat auch funktioniert.

Fazit

„Outcast – Second Contact“ funktioniert heutzutage immer noch auf die ein oder andere Art – wenngleich das Abenteuer sicherlich nicht uneingeschränkt zu empfehlen ist. Als „Kenner“ des Originals war es mir eine Freude in dieses Universum einzutauchen und Cutter Slades Auftrag zu erledigen. Die ausufernden Dialoge und die hakelige Steuerung werden Neulingen allerdings einige Nerven abfordern, wenn sie sonst Spiele wie „Assassin’s Creed“ oder „Tomb Raider“ gewohnt sind. Hier herrscht eben eine völlig andere Gangart, um die ich mal wieder ganz froh bin. „Outcast“ nimmt sich Zeit – vergisst dabei vielleicht aber ein wenig, dass es sich diese bei der Fülle von anderen Titeln heutzutage nicht mehr so erlauben kann. Könnt ihr darüber hinwegsehen und das Spiel als historisches Relikt begreifen, dann steht eurem spaßigen Abenteuer auf Adelpha nichts mehr im Wege. 

Erhältlich für: PC, Xbox One, PS 4
Website: outcastthegame.com