Ich mochte Destiny 2 und The Division 2 zu Beginn. Doch ganz schnell tat sich ein Problem auf: Während meine Xbox-Kollegen ordentlich weiterlevelten, blieb ich aus Zeitgründen hängen. Ein späterer Wiedereinstieg brachte dann nicht den Spaß wie Zu Beginn – einfach weil wir uns auseinander gelebt bzw. gelevelt hatten. Outriders widmet sich diesem Problem: In dem Werk von Square Enix komme sogar ich bei gelegentlichen Einsätzen voll auf meine Kosten. Ein Loot-Shooter, der auch Solisten nicht vergessen hat.
Fluch und Segen für Xbox-Spieler
Die gute Nachricht kam Anfang des Jahres für alle Xbox Game Pass Besitzer: Pünktlich zum Release von Outriders war das Spiel im Game Pass verfügbar. Klingt zunächst nach einer coolen Action, was es auch durchaus ist. Doch während Playstation- und PC-Spieler direkt loslegen konnten, brachen die Server auf der Xbox regelmäßig zusammen.
Bei mir persönlich dauerte es vier Tage, bis ich mich zum ersten Mal einloggen konnte. Und selbst dann waren die Probleme nicht von der Hand zu weisen: Im Koop-Spiel zu dritt gab es bei meinen Kumpels und mir immer mindestens einen, der unter starken Lag-Problemen leiden musste. Das Ergebnis: Er glitchte sich durch die Gegend und konnte nicht wirklich mitspielen. Inzwischen sind diese Probleme aber behoben worden, hinterließen aber einen leichten Beigeschmack.
Sieht man mal von den Anfangsschwierigkeiten ab, entfaltet sich bei Outriders ein Loot-Shooter, wie ich ihn liebe. Bevor ich zur Story komme, will ich euch kurz eine Richtung geben, die Outriders einschlägt: Stellt euch vor, dass Gears auf Destiny trifft. Ihr habt hier einen Third-Person-Deckungsshooter, der euch ordentlich Loot vor die Füße wirft. Alle spielerischen Elemente greifen jedoch so gut zusammen, dass daraus ein rundum schönes Actionpaket entsteht.
Die Menschheit am Ende
Auch wenn die Geschichte spannende Ansätze hat, solltet ihr kein Meisterwerk erwarten. Die Story dreht sich um einen Neuanfang für die Menschheit: Nachdem sie die Erde in den Ruin getrieben haben, finden sie auf dem Planeten Enoch eine neue Heimat – so sieht es anfangs jedenfalls aus. Allerdings hält der Planet einige böse Überraschungen bereit für die Siedler. Wilde Kreaturen und teils unwegsame Gebiete sind da noch die nettesten Probleme.
Hinzu kommen mächtige Gewitterstürme, die alles in Schutt und Asche verwandeln. In einen solchen Sturm kommt euer eingangs kreierter Held. Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Bald steht ihr vor der Entscheidung, welche Klasse ihr werden wollt – und hier fängt das richtige Abenteuer an. Zur Wahl stehen vier sehr unterschiedliche Richtungen: Neben einem Nahkampf-Tank gibt es wendige Assassinen, einen mächtigen Feuermagier oder einen Allround-Heiler, der lieber aus der Ferne zuschlägt.
Alle kommen mit ihren eigenen Skills und Fähigkeiten, die ein Effektfeuerwerk auf dem Schlachtfeld entfachen werden. Der Wiederspielwert ist bei Outriders enorm. Ich habe mir zu Beginn den Allround-Heiler genommen, was sich als perfekte Wahl gezeigt hat, wenn ihr oft alleine unterwegs seid.
Zeit, die gewertschätzt wird
Egal, ob ihr alleine spielt oder lieber mit Freunden im Koop-Modus unterwegs seid – Outriders wertschätzt eure investierte Zeit, indem es euch bestens unterhält. Auch wenn ich abends nur mal 30 Minuten Zeit habe, kann ich schnell eine Mission absolvieren und bekomme dafür meine Belohnung. Zumal habe ich etliche Komfortfunktionen entdeckt, die ich mir bei anderen Spielen dieser Art auch wünschen würde.
Das fängt damit an, dass nach Ende einer Mission ein Schnellreisepunkt auf euch wartet – lange Laufzeiten Fehlanzeige. Oder die Tatsache, dass ich meine Skillpunkte jederzeit wieder zurücksetzen kann – ohne Strafe, ohne Trainer oder sonstige Hürden. Genau das weckt meinen Experimentiergeist. Denn jede Klasse lässt sich in drei Richtungen leveln. Kurzum: Wunderbar. Auch der Schwierigkeitsgrad orientiert sich stark an eurem Können.
Outriders hat ein sogenanntes Tier-System, das bis 15 hoch geht. Je höher euer Tier, desto stärker sind die Feinde, aber auch umso besser ist eure Beute. Stellt den Schwierigkeitsgrad also so ein, wie ihr wollt. Und was ich fast vergessen hätte: Outriders folgt einer Story und hat tatsächlich ein Ende – zumindest theoretisch. Denn nach dem Ende könnt ihr auf kleine Raids gehen und weitere legendäre Waffen farmen.
Ein besonderer Leckerbissen: Dabei kommt ihr sogar in Areale, die euch in der bisherigen Story noch nicht unter die Augen gekommen sind – das motiviert. Grafisch schwankt Outriders zwischen Augenzucker und teilweise Uncanny Valley. Bei den Animationen musste ich oft an ein Gruselpuppenkabinett denken, was wohl nicht so beabsichtigt war.
Dem gegenüber stehen teils wunderschöne Kulissen, in denen ihr zu Werke seid. Bei den Synchronsprechern kann ich mich einfach nicht zurückhalten und muss mich teilweise fremdschämen. Irgendwie bin ich zu alt für die super coolen Sprüche, die die Geschichte nicht wirklich vorantreiben. Aber das mag auch Geschmackssache sein.
Fazit
Outriders schätzt meine Zeit als Spieler – und unterhält mich sehr gut dabei. Egal ob ich nun alleine spiele oder im Team. Nach den anfänglichen Kinderkrankheiten wie überlastete Server, kann sich der Spielspaß inzwischen besser entfalten. Es sind die vielen, kleinen Komfortfunktionen, die mich hier eintauchen und genießen lassen. In keiner Disziplin sticht Outriders die Konkurrenz aus – ganz im Gegenteil: Oft zieht das Spiel den Kürzeren im direkten Vergleich. Und dennoch fügt sich das Spiel als Gesamtkonstrukt zu einer wunderbaren Erfahrung zusammen, die mir lange Zeit Spaß bereiten wird. Wenn nun noch das Matchmaking etwas besser funktioniert, prophezeie ich dem Spiel eine goldene Zukunft.
Erhältlich für: Playstation, Xbox, PC
Website: outriders.square-enix-games.com/de