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Overthrown

Wenn Städtebau plötzlich nach Superhelden-Einsatz ruft.

Eigentlich ein ganz normales Aufbauspiel, oder? Overthrown lässt euch ein Königreich in einer offenen Welt aufbauen, Ressourcen verwalten, Bürger versorgen und eure Siedlung gegen Banditen und andere Gefahren verteidigen. Der große Kniff dabei ist die magische Krone, die eure Herrscherfigur mit übernatürlichen Kräften ausstattet, sodass ihr nicht bloß Gebäude platziert, sondern Häuser, Bäume und Produktionsstätten buchstäblich durch die Gegend schleudert. Und das macht dieses Spiel so besonders.

Overthrown ist eben nicht wie ein weiteres Aufbauspiel, das euch aus sicherer Vogelperspektive Zahlenkolonnen sortieren lässt, sondern wie ein Königreich-Simulator, der plötzlich von einem Actionspiel überfallen wurde. Für mich liegt darin sofort die größte Qualität: Das Spiel will Verwaltung nicht trocken, sondern körperlich und verspielt machen.

Was das Spiel besonders macht

Der eigentliche Star ist die Bewegung eurer „Königin“. Es ist toll, wie flüssig Sprinten, Springen und das blitzschnelle Umplatzieren ganzer Gebäude funktionieren. Diese Energie verändert das ganze Genregefühl, weil Wege verkürzt, Routinearbeiten beschleunigt und selbst simples Holzsammeln in eine Art albern-geniales Kraftfantasie-Spiel verwandelt werden.

Und dann gibt es da noch die Freiheit beim Bauen. Overthrown verzichtet auf starre Raster, erlaubt spontanes Umstellen von Gebäuden und setzt stärker auf flexibles Herumprobieren als auf penible Stadtplaner-Perfektion. Für mich ist das einer der Gründe, warum das Spiel so frisch wirkt: Es behandelt den Bau eurer Siedlung nicht wie eine heilige Entscheidung, sondern wie etwas, das sich laufend umbauen, verbessern und auch herrlich chaotisch verbiegen lässt.

Besonders reizvoll ist außerdem, dass aus dieser Physik kleine lustige Geschichten entstehen. Ihr könnt Gegenstände in eure Verteidigung kombinieren, die eigentlich nicht dafür gedacht sind. Solche Momente sind für mich viel spannender als bloße Gimmicks, weil sie zeigen, dass die Krone nicht nur ein Marketing-Haken ist, sondern das Denken über euer Königreich tatsächlich verändert.

Aufbau, Survival und Ko-op

Unter dem albernen Kraftfantasie-Überzug steckt trotzdem ein ziemlich klassisches Gerüst aus Versorgung, Forschung, Produktionsketten und Bürgerzufriedenheit. Nahrung, Steuern, Militärlohn, Wintervorräte und Umweltfaktoren wie Verschmutzung spielen eine echte Rolle, sodass ihr euer Reich nicht einfach nur hübsch hinstellt, sondern am Laufen halten müsst.

Das gefällt mir, weil Overthrown dadurch nicht bloß Wusel-Chaos bleibt, sondern seine verspielte Oberfläche mit echter Managementarbeit unterfüttert. Auch im Mehrspieler-Modus soll das recht gut funktionieren, wobei ich hier weniger Erfahrungen sammeln konnte.

Wo es noch holpert

Ganz ohne Probleme kommt das Spiel allerdings nicht davon. Schon im Early Access wurden begrenzter Content, eine eher dünne Spätphase, Abstürze, unklare Benachrichtigungen und eine teils leere Welt bemängelt. Die 1.0-Fassung hat zwar sichtbar nachgelegt und mit dem Airship-Update zusätzliche Inhalte eingebaut, aber auch weiterhin gibt es Überforderung, Performance-Dellen und ein gelegentlich schwer lesbares Kampfchaos als Schwachstellen.

Gerade das ist für mich der entscheidende Haken. Overthrown wirkt wie ein Spiel, das vor Ideen fast überkocht, aber nicht immer dieselbe Klarheit bei Benutzerführung, Lesbarkeit und Feinschliff erreicht. Wenn Kämpfe zu unübersichtlich werden oder Warnhinweise nicht präzise genug helfen, bremst das ausgerechnet ein Spiel aus, das sonst so herrlich auf Schwung und Improvisation setzt.

Fazit

Unterm Strich ist Overthrown für mich ein sehr sympathischer, sehr chaotischer und angenehm eigenständiger Hybrid aus Städtebau, Survival und Superkraft-Spielplatz. Was das Spiel besonders macht, ist nicht bloß die Idee, Gebäude werfen zu können, sondern wie konsequent diese eine verrückte Mechanik in Bewegung, Bau, Kampf und Problemlösung hineinwirkt.

Zum Genre-Meisterwerk fehlt dem Ganzen noch etwas Ruhe, Schliff und Systemklarheit. Aber wenn ein Aufbauspiel es schafft, dass ihr euch nicht wie ein Tabellenverwalter, sondern wie eine hyperaktive Monarchin auf Koffein fühlt, die im Vorbeirennen ein Sägewerk schultert und nebenbei das Reich rettet, dann hat es offensichtlich etwas, das viele Konkurrenten nicht einmal versuchen.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: playoverthrown.com