Ein Panzer-Spiel mit Anime-Figuren klingt erst einmal nach einer herrlich schrägen Idee. Panzer Knights: Commander’s Edition nimmt historische Fahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg, packt sie mit Anime-Crewmitgliedern zusammen und will daraus eine taktische Panzersimulation machen. Das Ergebnis hat seinen eigenen Charme, bleibt spielerisch aber deutlich einfacher, als der Titel vermuten lässt.
Ein Kriegsschauplatz im Anime-Look
Ihr führt einen Panzerzug durch verschiedene Stationen des Zweiten Weltkriegs. Los geht es mit dem Überfall auf Polen, anschließend führt die Kampagne durch Frankreich und bis zum Unternehmen Barbarossa an die Ostfront. Die geschichtlichen Ereignisse dienen dabei eher als Kulisse. Eine tiefgehende oder besonders sensible Auseinandersetzung mit dem Krieg solltet ihr nicht erwarten.
Vor jeder Mission wählt ihr euren Panzer und stellt eure Besatzung zusammen. Die Figuren haben unterschiedliche Fähigkeiten und geben euch kleinere Vorteile im Kampf. Das klingt nach einem taktischen System mit vielen Möglichkeiten. In der Praxis bleibt es jedoch meist bei ein paar Boni, während ihr anschließend ohnehin zum nächsten Ziel fahrt und alles abschießt, was sich bewegt.
Die Commander's Edition bündelt das Grundspiel mit drei Bonus-Paketen. Dadurch stehen unter anderem M4-748 Sherman, M26 Pershing, Churchill VII, Valentine XI, Elefant und der gewaltige Panzer VIII Maus zur Verfügung. Gerade für Fans historischer Panzer ist das ein netter Pluspunkt, auch wenn die neuen Fahrzeuge am grundsätzlichen Ablauf wenig ändern.
Zwischen World of Tanks und Arcade-Action
Die Steuerung erinnert deutlich an World of Tanks. Ihr fahrt euren Panzer aus der Third-Person-Perspektive, bewegt das Fahrzeug mit einem Stick und richtet Turm sowie Zielhilfe mit dem anderen aus. Zwei Zielkreise zeigen dabei, wohin ihr schaut und wohin das Geschütz tatsächlich feuert. Das braucht kurz Eingewöhnung, funktioniert dann aber ordentlich.
Etwas Tiefe entsteht durch die Munition. Panzer besitzen Schwachstellen an Wanne, Ketten und Turm, und ihr müsst die passenden Granaten auswählen, wenn schwer gepanzerte Gegner auf dem Feld stehen. Durchschlagsstarke Munition ist begrenzt, Nebelgranaten verschaffen euch Zeit für Reparaturen, und eine zerstörte Kette macht aus eurem Stahlkoloss schnell ein leichtes Ziel. In den besseren Momenten fühlt sich das überraschend gut an: Zielpunkt suchen, Munition wählen, abdrücken, Treffer bestätigen.
Die Kämpfe dauern allerdings selten lange genug, um daraus echte taktische Spannung zu machen. Viele Missionen laufen nach demselben Muster: zum Marker fahren, gegnerische Panzer zerstören oder einen Punkt halten. Wer unkomplizierte Arcade-Action sucht, kann daran Spaß haben. Wer eine anspruchsvolle Panzersimulation oder ein Strategiespiel erwartet, wird schnell merken, dass hier wenig mehr steckt als Fahren, Zielen und Schießen.
Viel Freischalten, wenig erzählen
Erfolgreiche Einsätze bringen Geld. Damit schaltet ihr neue Besatzungsmitglieder, Panzer und kleinere Verbesserungen frei. Dieses Fortschrittssystem sorgt zumindest dafür, dass ihr immer auf das nächste Fahrzeug hinarbeitet. Besonders mit den vielen bekannten Modellen hat das einen gewissen Sammelreiz.
Die Story bleibt dagegen erstaunlich blass. Es gibt keinen klaren Hauptcharakter, sondern eine bunt zusammengewürfelte Crew aus Anime-Figuren. Ihr Geplapper soll vermutlich Persönlichkeit schaffen, hat mich aber sehr stark genervt nach den ersten beiden Missionen. Die historische Kampagne reiht Schlachten eher aneinander, als dass sie daraus eine packende Erzählung formt.
Das ist auch wegen des Settings schade. Ein Spiel, das sich auf reale Kriegsschauplätze und die Wehrmacht konzentriert, braucht Fingerspitzengefühl. Panzer Knights behandelt diese Kulisse jedoch weitgehend oberflächlich und nutzt sie vor allem als Bühne für seine Missionen.
Technik mit deutlichen Dellen
Optisch sieht Panzer Knights nicht sonderlich modern aus. Es hat mehr etwas von einem PS3-Spiel und es kommt immer wieder zu Überraschungen: Plötzlich einblendende Gegner sowie unbeholfen umfallende Bäume. Die Umgebungen haben zwar etwas Farbe, der Anime-Stil der Figuren sorgt für eine eigene Note, doch technisch wirkt das Gesamtpaket deutlich hinter der aktuellen Konsolengeneration zurück.
Auch die Steuerung ist nicht immer angenehm. Das Fahren funktioniert zwar grundsätzlich, fühlt sich beim Lenken aber recht steif an. Dazu kommen KI-Aussetzer und einige weitere technische Macken, die den eher einfachen Missionsablauf zusätzlich belasten. Gerade weil das Spiel so stark auf seinen Kampfkern angewiesen ist, fallen diese Probleme stärker auf als bei einem komplexeren Titel.
Fazit
Panzer Knights: Commander’s Edition ist ein ungewöhnlicher Genremix, der sich mit Anime-Optik und historischen Panzern eine kleine Nische sucht. Das Zielen auf Schwachstellen, die Munitionswahl und das Freischalten neuer Fahrzeuge machen in den besseren Momenten durchaus Spaß. Außerdem ist es schön, dass die Commander's Edition alle bisherigen Zusatzinhalte mitliefert.
Doch hinter der schicken Idee steckt ein ziemlich schlichtes Spiel. Die Missionen wiederholen sich, die Strategie bleibt oberflächlich, die Story verfängt kaum und die Technik hat sichtbare Schwächen.
Wenn ihr einfach ein paar Panzer über Schlachtfelder steuern und gegnerische Stahlkolosse in die Luft jagen möchtet, könnt ihr mit Panzer Knights ein paar unterhaltsame Stunden verbringen. Wenn ihr jedoch Tiefe, starke Inszenierung oder eine wirklich moderne Panzersimulation sucht, stehen deutlich bessere Alternativen bereit.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Webseite: pqube.co.uk/games/panzer-knights