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Past Cure

Scheitern auf hohem Niveau – was einen tiefen Fall zur Folge hat.

Eins muss man diesen Jungs lassen: Eier haben sie! Das Studio „Phantom 8“ – ausschließlich aus jungen Männern bestehend – hatte sich vor ein paar Jahren auf die Fahne geschrieben, dass sie mit einem kleinen Team einen großen Triple-A-Titel produzieren könnten. „Past Cure“ war also ein recht ambitioniertes Werk, das von acht Männern (daher der Name „Phantom 8“) kreiert wurde. Auf der Website versprechen die Entwickler 50 Prozent Thriller, 50 Prozent Horror, 50 Prozent Stealth und 50 Prozent Action, was in 200 Prozent Spaß resultieren soll – klingt schon mal recht cool. Doch kurz nach dem Erscheinungstermin platzte der Traum für die Truppe … Warum das so war, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Ohne Vorurteile zum Test

Selbst war ich ziemlich gespannt auf „Past Cure“, weil die Screenshots und erste Gameplay-Videos sehr vielversprechend aussahen. Also bin ich zunächst ohne große Vorkenntnisse oder Erwartungen ans Spiel gegangen. Nach den ersten Minuten im Spiel bin ich zweigeteilter Meinung: Zum einen habe ich keinen Schimmer, um was es hier eigentlich geht. Es sieht aber interessant aus. Zum anderen gestaltet sich das Gameplay ungewöhnlich: Beim Auftauchen von offensichtlich feindlich gesinnten Porzellanfiguren fühlt sich das Schießen irgendwie „merkwürdig“ an. Wer „Past Cure“ mit dem Controller spielt, wird schnell verstehen, was ich meine: Eine Auto-Aim-Funktion, die Controller-Spielern beim Zielen leicht unter die Arme greift, gibt es nicht – was ja kein Drama ist, sondern lediglich fordernder.

Dennoch läuft das Zielen – besonders wenn ihr näher ran zoomt – nicht reibungslos ab. Es fühlt sich wackelig an und lässt ein entsprechendes Feedback vermissen, nachdem geschossen wurde. Ist aber weiter nicht schlimm. Die Einführungsmission ist geschafft und das Abenteuer kann losgehen – dachte ich zumindest. Im zweiten Kapitel erwacht Hauptheld Ian in seiner schicken Villa, in der Nähe eines Strandes. Wieso, weshalb, warum? Immer noch keine Ahnung.

Und das ändert sich so schnell auch nicht: Im gesamten Spielverlauf hält sich die Story fast vornehm zurück, obwohl es eigentlich dringend notwendig wäre, mehr über die Akteure zu erfahren. Was ich mir durch die kurzen Dialoge und Cutscenes zusammenreimen kann, ist ein grobes Bild, von dem was hier abgeht: Drogen-Experimente, Verschwörungstheorie und Verfolgungswahn treffen aufeinander. Spätestens in Kapitel 3 war es mir völlig egal, was hier vor sich geht, weil die Geschichte zu lahm, zu uninteressant und ohne jegliche Anreize erzählt wird.

Story pfui, Gameplay … auch

Was für die Story gilt, wiederholt sich leider auch im Gameplay: Dachte ich, dass die erste kurze Mission eine Art Tutorial war, lag ich mächtig daneben. Denn Hauptcharakter Ian hat noch weitere Fähigkeiten, die er nutzen kann: Da wäre zum einen die kurze Verlangsamung der Zeit und zum anderen eine Art Telekinese, mit der er Schalter verstellen kann. An für sich sind dies ganz gute Zutaten für solch ein Spiel. Wenn ich diese Fähigkeiten in aller Länge und Breite in einer zähen und langweiligen Mission präsentiert bekomme, habe ich schon gar keine Lust mehr auf den Rest. Warum muss ich ein und dieselbe Übung immer und immer wiederholen, wenn ich die Vorgehensweise bereits nach dem ersten Mal verstanden habe?!

Außerdem fängt das Leveldesign bereits jetzt schon an zu nerven, weil alles gleich aussieht – Orientierung? Fehlanzeige! Wenn es dann in Kapitel vier in einer Tiefgarage richtig losgeht, sind die meisten vielleicht schon abgesprungen – was mir aus zwei Gründen auch fast passiert wäre: Denn Kapitel drei konnte ich beinahe nicht abschließen, da ich keine Ahnung hatte, was mit „Pack deine Sachen“ gemeint war. Weder ein Marker, noch ein anderer Hinweis in der Villa konnte mich auf den richtigen Pfad führen. Mehr aus Zufall und Verzweiflung bin ich dann zur Schießanlage im Keller geschlendert (nachdem ich vorher überall sonst war) und siehe da: Plötzlich taucht ein Zeiger auf, an dem ich meine Sachen für die nächste Mission einpacken darf. Das hätte wesentlich eleganter gelöst werden können.

Lost in Translation

Der andere Grund, warum ich aufhören wollte, lag in der öden Art und Weise, wie sich die Story voranschleppt. Der Protagonist spricht zudem in gebrochenem, sehr emotionslosem Englisch mit sich selbst. Das ist deswegen ungewöhnlich, weil er laut meiner Recherchen eigentlich Deutscher ist: Warum spricht er dann Englisch mit sich selbst? Okay: Könnte an der internationalen Vertonung liegen, damit ihn alle verstehen. Oder an seinen Wahnvorstellungen vielleicht. Aber warum spricht er dann gebrochenes und manchmal sogar falsches Englisch?! Außerdem sind die Übersetzungen auch nicht frei von Fehlern oder folgen nicht ganz dem Gesagten oder sind einfach mal gar nicht übersetzt – was problematisch und verwirrend wird, wenn man beiden Sprachen (Englisch und Deutsch) folgen kann.

Das weitere Gameplay in den kommenden Abschnitten gestaltet sich so zäh, wie erwartet. Es will einfach kein Tempo oder Fluss in das Geschehen kommen. Die gegnerische KI scheint mich manchmal nicht zu bemerken, nur um im nächsten Moment unaufhaltsam auf mich zu stürmen, was ein „Game Over“ zur Folge hat – ärgerlich. Optisch kann ich zumindest auf den Screenshots nicht meckern. Da haben die Jungs von Phantom 8 ganz gute Arbeit geleistet. Im Spiel selbst dauert es allerdings eine Weile, bis die Texturen geladen sind und ein übertriebener Blur-Effekt hinterlässt einen schwammigen Gesamteindruck. Zudem sind die eigentlichen Levels sehr detailarm, was ich aber bei der Anzahl der Programmierer verschmerzen kann. Das Design der Gegner kann sich auch sehen lassen – nur gibt es kaum eine Variation, so dass ihr immer wieder auf die gleichen Genossen trefft.

Fazit

„Past Cure“ bietet mir persönlich keinerlei Anreize zum Spielen. Es wirkt eher wie ein Titel, der noch mitten im (sehr frühen) Early Access feststeckt. Gameplay und Story existieren zwar rudimentär, haben aber ganz viel Luft nach oben. Keine Frage: „Past Cure“ lässt sich Spielen, aber wirklich Spaß kommt selten auf. Wer wirklich einen Blick riskieren möchte, der sollte allerdings warten, bis der Preis gefallen ist – selbst dann könnte der ein oder andere enttäuscht werden.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: phantom8.studio