Inzwischen hat sich die Persona-Reihe außerhalb von Japan einen Namen gemacht. Die Rollenspiel-Reihe trumpft mit vielen Inhalten und jeder Menge Abwechslung auf. Meinen ersten Kontakt mit Persona machte ich im Jahre 2012 - damals auf der PS Vita. Persona 4 Golden entführte mich vor 12 Jahren in dieses faszinierende Universum, das ich seither liebe.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von Persona 3 und hatte auch nie die Gelegenheit dies nachzuholen. Entsprechend groß war meine Vorfreude, als ich letztes Jahr auf der gamescom in Persona 3 Reload reinschnuppern durfte. Taucht mit mir ab in diese Software-Perle von Atlus.
Umzug ins Düsterland
Die Story beginnt fast typischerweise mit einem Umzug unseres Hauptcharakters. Diesmal müsst ihr eure Schule wechseln und landet mit völlig fremden Mitschüler:innen im zweiten Jahr der Highschool. Wer Persona kennt, der weiß, dass das Übernatürliche nicht lange auf sich warten lässt. Und natürlich macht auch ihr damit eure Erfahrung. Denn in der Stadt hat sich das Böse breit gemacht. Um Punkt Mitternacht beginnt die Dunkle Stunde bzw Dark Hour genannt.
In dieser Zeit kriechen die Schatten aus ihren Verstecken und wollen den Lebenden an den Kragen. Dumm, dass ihr davon nichts wusstest, als ihr eines Abends durch die Straßen irrt. Jedenfalls ist das dann auch der Zeitpunkt, in dem ihr eure Persona-Kraft entfaltet und nebenher ein Mädchen vor den Monstern rettet. Kurzerhand werdet ihr danach von einer Spezialeinheit rekrutiert. Nun seid ihr offiziell einer der Jäger, die diesem Phänomen auf den Grund gehen wollen.
Ein Turm, sie zu knechten
Als zentraler Punkt für das Böse macht ihr den Tartarus aus, einen gigantischen Turm, in dem mächtige Schatten lauern. Diesen besucht ihr nachts immer mal wieder, um darin aufzuräumen. Etage für Etage kämpft ihr euch Nacht für Nacht weiter nach oben. Und bei über 100 Etagen habt ihr viel vor euch. Doch interessanterweise wird es nie langweilig, nur manchmal etwas monoton. In einer Gruppe von insgesamt vier Charakteren durchstöbert ihr die Stockwerke des Tartarus.
Immer wieder begegnet ihr Schatten und sollt gegen diese Kämpfen. Dabei setzt Persona 3 Reload auf rundenbasierte Auseinandersetzungen. Das Kampfsystem ist dabei sehr einfach zu erlernen, wird mit der Zeit dennoch vielschichtig und bleibt dadurch interessant. Kurz gesagt hat fast jeder Feind irgendeine Schwäche, die ihr ausnutzen solltet. Manche mögen kein Feuer, andere keine Magie und wiederum welche sind besonders empfindlich gegen Schwächungen.
Etwas Grind muss sein
Dieses Prinzip kommt insbesondere bei den Boss-Fights zum Tragen, die euch immer mal wieder erwarten. Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: In Persona 3 Reload lohnt es sich, wenn ihr etwas grindet. Denn je höher euer Level und eure Erfahrung, desto leichter werdet ihr mit den Bossen fertig. Und ist euch das Spiel dann immer noch zu schwer, habt ihr nun die Wahl zwischen fünf Schwierigkeitsgraden. Diese dürft ihr jederzeit wechseln – außer ihr habt euch für den höchsten entschieden. Aber fangt erstmal langsam an, wenn ihr neu seid.
Kurz gesagt: Das Kampfsystem samt den herbeibeschwörten Personas macht mächtig Laune und bietet sogar noch nach etlichen Stunden neue Facetten oder fügt frische Mechaniken hinzu. Sehr stark. Doch das ist noch nicht alles, was Persona 3 Reload zu bieten hat. Wer die Reihe kennt, der weiß, dass Persona auch eine andere Seite neben den actionreichen Kämpfen hat. Auch Persona 3 Reload ist zu einer Hälfte Lebenssimulation. Macht euch darauf gefasst.
So sozial
Das heißt, dass ihr tagsüber jede Menge Gespräche mit euren Mitschüler:innen habt und euch mit den Sorgen eines Teenagers herumschlagen müsst. Dabei knüpft ihr Freundschaften und Verbindungen, die euch wiederum im Kampf helfen werden. Allerdings stellt euch Atlus immer wieder vor Entscheidungen: Mit nur zwei Aktionen pro Tag sollt ihr bestimmen, was ihr macht. Redet ihr mit einer Schülerin oder esst ihr lieber eine Nudelsuppe, nachdem ihr im Kino wart? All das wird sich auf eure Statistiken auswirken und euch für Gespräche mit anderen öffnen oder eben nicht. Die Tragweite eurer Entscheidungen ist deutlich spürbar.
Und genau dieser Spagat macht Persona 3 Reload auch zu etwas so Besonderem. Ich muss gestehen, dass ich diese soziale Komponente anfangs befremdlich und sogar nervig fand. Kaum hatte ich mich darauf eingelassen, wurde ich von den spannenden Geschichten gefesselt, die jeder Charakter mit sich trägt. Kleine persönliche Tragödien oder Herausforderungen werden euch so begegnen, die das Leben schreibt. Und da alles mit dem Kampfsystem verbunden ist, macht das die Sache umso spannender.
Alt gegen neu
Kommen wir abschließend noch zum “Reload” in Persona 3 Reload. Ja, das Spiel hat gute 15 Jahre auf dem Buckel. Merkt man ihm das an? Jein. Denn grafisch hat sich Atlus ganz schön Mühe gegeben. Die Charaktere, Gegner und das Setting sehen sehr hübsch aus. Auch die neuen Menüs wurden an ein modernes Spielprinzip angepasst. Rein optisch könnt ihr euch also nicht beschweren. Inhaltlich blieb man dem Original treu. Das umfasst aber auch die recht eintönigen Dungeons, in die ihr immer wieder lauft. Ein modernes Spiel sollte dies sicher anders machen. Persona 3 Reload halte ich dies aber nicht vor. Womit wir beim Abschluss wären.
Fazit
Persona 3 Reload gibt euch nach 15 Jahren die Möglichkeit, einmal tiefer in die Ursprünge der Reihe abzutauchen. Spielerisch sowie storytechnisch habt ihr hier ein äußerst spannendes und unterhaltsames Game vor euch. Das Spiel wird euch auch heutzutage noch mehrere Stunden, Tage und Wochen bei Laune halten. Ich kenne sonst kaum einen anderen Titel, der so geschickt das Kampfsystem mit einer Lebenssimulation verknüpft – und dabei spannende Neben-Geschichten erzählt. Wenn ihr also auf japanische Rollenspiele steht, kommt ihr um Persona 3 Reload nicht herum.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: persona.atlus.com/p3r/index.html?lang=en