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Persona 5 Tactica

Vom Rollen- zum Runden-Taktik-Spiel? Ob die Reihe das gut hinbekommt?

Ich muss sagen, dass mich die Persona-Reihe immer wieder überrascht. Und das, obwohl ich erst seit fünf, sechs Jahren Fan der Reihe bin. Wie die Spiele ihre Geschichte präsentieren und durch spielerische Abwechslung glänzen, ist schon phänomenal. Persona 5 zum Beispiel ist ein Highlight am Anime-Rollenspiel-Himmel. Nun also geht es mit Persona 5 Tactica zwar ins gleiche Universum, aber mit einem anderen Fokus. Schauen wir uns das mal an.

Erste Eindrücke

Auf der gamescom durfte ich die Entwickler bei Atlus besuchen und mir bereits einen kleinen Eindruck verschaffen. Das hat schon Lust auf mehr gemacht. Spielerisch handelt es sich um ein taktisches Rollenspiel, bei dem ihr Runde für Runde gegen eure Feinde antretet. Vergleichbar ist das mit Taktik-Perlen wie XCOM, Midnight Suns oder vielleicht auch der Disgaea-Reihe. So bekommt ihr zumindest mal einen ersten Eindruck, wohin die Reise geht. Aber blicken wir genauer drauf.

Optisch macht Persona 5 Tactica einen kleinen Sprung in eine andere Richtung. Anstatt auf den typischen Anime-Stil ais dem Hauptspiel zu setzten, wurde hier ein “Niedlich”-Filter drüber gelegt. Die Figuren sind hier weitaus mehr an einen Kinder-Comic angelegt, was dem Ganzen eine familienfreundlichere Note verleiht. Mir persönlich sagt dieser Stil zu, da er perfekt zum abgedrehten Humor des Spiels passt. Auch musikalisch schlägt der Titel mal wieder voll rein: Macht euch auf einen asiatischen Punk-Rock und andere coole Stücke gefasst. Einige davon bleiben echt lange im Ohr.

Etwas eingeschränkt

Bei der Story halte ich mich im Gegensatz zum eigentlichen Spiel etwas kürzer. Persona 5 Tactica erzählt seine Geschichte etwa zum Ende von Persona 5. Daher will ich nichts spoilern. Das einzige Problem daran: Kenner:innen der Reihe werden hier nicht sonderlich überrascht. Immerhin läuft es ja auf das Ende der Hauptreihe hinaus. Die Charaktere haben daher keinen Platz sich zu entfalten, wie es bei der Serie normal üblich ist. Aus diesem Grund hat Atlus dem Spielchen zwei brandneue Charaktere spendiert: Toshiro und Erina werdet ihr auf eurer rund 20 bis 25 Stunden langen Reise treffen. Beide dürfen sich auch etwas mehr entfalten als der Rest der Bande.

Apropos Reise: Diesmal geht es für die Phantom Thieves durch drei Königreiche – in einer Art alternativen Realität. Mehr verrate ich aber wirklich nicht. Jedenfalls sind die unterschiedlichen Settings sehr hübsch gestaltet. Was mich persönlich stört, sind die Gespräche zwischen den Missionen. Und bevor mir einer eine über die Mütze ziehen will: Ja, ich weiß, dass die Gespräche in Persona einfach dazu gehören und dem Ganzen Tiefe verleihen. Nur hier habt ihr kaum Entscheidungen zu treffen – und wenn, dann sind es keine wichtigen. Hier hätte man echt nicht so ausschweifen müssen.

Einer geht noch

Kommen wir also lieber zum Herzstück von Persona 5 Tactica, den rundenbasierten Kämpfen. Da der Markt gerade etwas überflutet wird mit dem Genre – Wartales, Super Mario RPG oder Waven beispielsweise – muss man hier schon genauer hinschauen, um Unterschiede zu finden. Persona 5 Tactica versucht mit interessanten Mechaniken hervorzustechen. Ihr werdet immer zu dritt in einen Kampf geworfen. Meist gilt es, einen bestimmten Punkt zu erreichen und dabei alle Gegner zu eliminieren. Dabei stehen jedem Charakter eine Bewegung und eine Aktion zur Verfügung.

Ihr könnt eure Aktionen aber ausweiten, wenn ihr es schafft, Gegner zu betäuben. Dann heißt es “Noch 1!” und ihr bekommt eine Aktion oder Bewegung dazu. Auf diese Art könnt ihr eure Runde strecken, wenn ihr es geschickt angeht. Genau das macht auch den Reiz des Spiels aus. Immer wieder fühlen sich die Missionen dadurch ein Stück weit nach einem Puzzle an. Schafft ihr es zudem die Gegner zu umzingeln, habt ihr die Chance auf eine mächtige Dreier-Attacke. In diesem Fall bekommen alle Gegner, die in einem Bereich stehen, ordentlich Schaden ab - was zudem noch cool aussieht.

Etwas magische Hilfe gefällig?

Was wäre Persona ohne die unterschiedlichen Personas? Auch diesmal dürft ihr wieder eure magischen Wesen einsetzen, sie stärken oder fusionieren. Das geht zwar alles etwas beschränkter als sonst, motiviert aber dennoch. Zudem solltet ihr euch merken, welche Persona in welcher Situation am besten wirkt. Doch das habt ihr schnell raus.

Habt ihr eine Mission erfolgreich hinter euch gebracht, wartet wieder eine Menge Gelaber auf euch. Damit nimmt sich das Spiel immer wieder den Flow, den es zuvor mühevoll aufgebaut hat. Echt schade. Damit komme ich auch schon zum Ende.

Fazit

Persona 5 Tactica ist ein gutes, aber kein herausragendes Spiel – so fair muss man sein. Es gestaltet die rundenbasierten Kämpfe sehr gut und unterhaltsam, aber hebt sich nicht von der Masse ab. Die Spielmechaniken funktionieren bestens, werden aber massiv von den Story-Fetzen zwischendurch ausgebremst. Das mag komisch klingen bei einem Persona-Spiel, doch hier reißt mich die Geschichte einfach zu wenig mit, als dass ich mich auf die Dialoge freuen würde. So bleibt Persona 5 Tactica ein spannender Versuch in einem neuen Genre. Persönlich werde ich aber wieder lieber zum Hauptspiel wechseln und dort in Rollenspiel-Manier kämpfen.

Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: persona.atlus.com/p5t