Es gibt Spiele, die sind recht simpel konstruiert und ziehen einen dennoch tief in ihren Bann. Phantom Abyss ist so ein Spielchen. Was sich Team WIBY und Publisher Devolver Digital da ausgedacht haben, hat jede Menge Spaß-Potenzial. Ab geht's!
Hüpf um dein Leben
Im Herzen ist Phantom Abyss ein Jump&Run aus der Ego-Perspektive. Wer damit nichts anfangen kann, braucht schon nicht mehr weiterzulesen. Für den Rest von euch wird's aber spannend. Denn die Prämisse, in die euch das Spiel steckt, ist sehr reizvoll.
Eigentlich handelt es sich hier um eine interessante Weiterentwicklung von Temple Run, falls euch das was sagt. Ihr startet in einen Tempel, um dort ein Relikt zu bergen. Natürlich warten auf dem Weg dorthin jede Menge Fallen und Feinde, denen ihr ausweichen müsst. So das grundsätzliche Gerüst von Phantom Abyss. Um euch schnell durch den Tempel bewegen zu können, bekommt ihr einige besondere Fähigkeiten spendiert.
Hat hier jemand Indie gesagt?
So lauft ihr nicht nur, sondern gleitet über den Boden, hievt euch an Vorsprüngen empor oder betätigt die Peitsche. Die Peitsche? Richtig gelesen! Ein klein wenig hat das was von Indiana Jones oder dem etwas vergessenen Spielchen City of Brass. Eure Peitsche wird auf dem Weg durch den Tempel zum wichtigsten Hilfsmittel. Denn damit zerschlagt ihr Vasen, stoppt manche Fallen und hakt euch an Wänden fest, um daran hochzuklettern. Wobei klettern das falsche Wort ist. Vielmehr katapultiert ihr euch damit in die Lüfte.
Solltet ihr einen Tempel abgeschlossen haben, dürft ihr euch über eine neue Peitsche freuen. Jede erhaltene Peitsche hat eine Besonderheit: Eine lässt euch einen Doppelsprung vollführen, eine andere vermeidet Sturzschäden oder lässt euch kurz schweben. Ihr müsst euch aber für eine Peitsche entscheiden. Auch wenn das schon bereits ganz unterhaltsam ist, hat Phantom Abyss zwei sehr interessante Mechaniken. Bereit?
Jeder Anlauf ein Unikat
Zum einen ist jeder Tempel, den ihr spielen werdet, einzigartig – prozedural generiert nennt man das. Und wenn ihr einen Tempel startet, habt ihr genau diesen einen Versuch. Sterbt ihr auf dem Weg zum Relikt, schließen sich die Pforten auf immer und ewig für euch. Solltet ihr das Relikt erlangen, wird niemand anders auf der Welt den gleichen Tempel noch einmal erledigen können. Das ist schon ein cooles Gefühl und macht das Spiel irgendwie noch aufregender.
Was ich erst spät geschnallt hatte, ist die Sache mit den Phantomen. Denn wenn ihr einen Tempel startet, laufen meist Dutzende anderer Spieler:innen mit euch los. Nur sehen diese eher wie Geister oder blasse Avatare aus. Und das hat einen guten Grund. Denn das hier ist kein Wettrennen, wie ich anfangs dachte. Ihr seid alleine im Tempel. Was ihr dort seht, sind die Versuche der anderen Spieler:innen, die vor euch dort waren. Nutzt diese Geisterbilder, um aus ihren Fehlern zu lernen.
Stresst euch nicht selbst
Sobald ihr das geschnallt habt, bekommt Phantom Abyss einen ganz neuen Touch. Denn zu Beginn bin ich wie ein Idiot durch den Tempel gerannt, um als Erster ans Ziel zu kommen. Dabei habe ich in aller Eile tötliche Fehler gemacht, die ich leicht hätte vermeiden können. Also atmet tief durch und schaut euch die Tempel genau an. Denn überall verstecken sich Geheimnisse.
Die einzelnen Tempel sind in vier Kategorien eingeteilt, die den Schwierigkeitsgrad symbolisieren. Während grün noch recht human ist, solltet ihr bei blau und rot auf den virtuellen Tod gefasst sein. Die gelben Level sind teils jenseits von Gut und Böse. Hier kommen wirklich nur die Geschicktesten ans Ziel. Etwas einfacher wird das, wenn ihr während der Runs Münzen sammelt. Diese gebt ihr im Anschluss für permanente Boni aus. So bekommt ihr zum Beispiel mehr Lebenspunkte, könnt schneller wieder sprinten oder über Abgründe gleiten. Alles sehr praktische Perks, die euch helfen werden.
Grafisch spielt Phantom Abyss übrigens in einer angenehmen Mittelklasse. Doch bei den schnellen Runs bleibt oft sowieso keine Zeit, um sich lange umzuschauen. Mir hat der dezente Comic-Look mit Indiana Jones Vibes dennoch gut gefallen.
Fazit
Am Ende ist Phantom Abyss ein sehr spannendes Ego-Jump&Run mit einer interessanten Spielmechanik. Die einzigartigen Tempel samt des asynchronen Wettbewerbs haben schon was für sich. Auch wenn nach einer langen Session am Stück etwas die Luft rausgeht, werde ich das Werk von Team WIBY und Devolver Digital gerne immer mal wieder anspielen. Mal sehen, wie viele Tempel ich als einziger auf der Welt abschließen kann. Ein echter Geheimtipp.
Erhältlich für: Xbox, PC
Website: phantomabyss.com