„Ah, spielst du da XCOM?“ Das war die erste Frage eines Kumpels als er mich besuchte und ich immer noch die Konsole anhatte. Dabei lief nicht XCOM, sondern Phoenix Point in der Behemoth Edition auf meiner Xbox Series X. Die Ähnlichkeiten sind aber nicht von der Hand zu weisen. Denn hinter der Entwicklung steckt das Studio Snapshot Games.
Eines der Teammitglieder ist Julian Gollop, seinerzeit Entwickler des ursprünglichen XCOM aus dem letzten Jahrhundert. Daher ging Phoenix Point auch bei Kickstarter durch die Decke als klar wurde, wer daran beteiligt ist.
Eisige Überraschung
Was die Story angeht, befinden sich die Menschen mal wieder am Abgrund der Existenz. Diesmal haben Forscher ein ziemlich fieses Virus in der Arktis entdeckt. Dieses Virus verwandelt alle Infizierten in Monster, die Meeresbewohnern ziemlich ähneln. Ihr könnt euch schon denken, dass ihr dies wieder irgendwie in Ordnung bringen sollt. Als Leiter des sicheren Ortes Phoenix Point müsst ihr den Rest der Menschheit beschützen.
Das erinnert schon etwas an das ursprüngliche XCOM-Szenario. Auch diesmal sucht ihr die Welt nach weiteren Überlenden und neuen Technologien ab. Im Laufe der Story macht ihr dabei auch Bekanntschaft mit drei weiteren Fraktionen. Die eine ist dem Militär sehr zugeneigt und will alles, was mit den Mutanten zu tun hat, vernichten.
Dann gibt es da noch Fanatiker, die das Virus eher als göttliche Fügung sehen und dementsprechend verehren. Die dritte Gruppe im Bunde sind Wissenschaftler, die eher darauf aus sind Antworten über die Zusammensetzung des Virus zu finden. Ihr müsst euch letztlich entscheiden, wie ihr auf die Begegnungen mit all diesen Gruppen reagiert.
Gesteuert wird dies übrigens wieder über eure Basis als Dreh- und Angelpunkt der Story. Hier haltet ihr euch zwischen euren Aufträgen die meiste Zeit auf. Denn in der Basis entwickelt ihr neue Technologien, baut neue Räume und rüstet eure Soldaten für den Kampf aus. Spannender wird es dann, wenn ein Einsatz startet.
Taktik, die rockt
Sobald eure Recken auf einer Karte landen, die übrigens alle zufallsgeneriert wurden, geht die Action los. In rundenbasierter Weise erkundet ihr das Areal nach Ausrüstung oder sonstigen Gegenständen, die euch weiterhelfen könnten. Dabei solltet ihr aber immer als Team agieren. Denn ihr könnt nie wissen, wer hier noch unterwegs ist. Einzelkämpfer werden dabei schnell zu Hack verarbeitet.
Für taktische Tiefe sorgen die verschiedenen Klassen, die ihr wählen könnt. Auch wenn die Behemoth sämtliche DLCs der PC-Version mitbringt, empfehle ich euch die Neuerungen zunächst abzuschalten. Denn so könnten Neueinsteiger sehr schnell überfordert sein. Belasst es bei der Grundeinstellung und nehmt euch anfangs mal den Soldaten, die schwere Infanterie und den Scharfschützen als Klasse vor. Später kommen weitere Klassen und Gegner hinzu, die sich allesamt spezialisieren lassen.
Die Gefechte laufen ähnlich wie bei XCOM ab: Ihr habt bestimmte Aktionspunkte, die ihr verwenden dürft. Dabei könnt ihr aber im Gegensatz zu XCOM auch zweimal in einer Runde angreifen, wenn euch das lieber ist. Ihr spielt so lange bis die Punkte aufgebraucht sind. Danach ist der Gegner am Zug.
Ein weiteres Feature werden manche Fallout-Veteranen von euch kennen: Wenn ihr einen Feindkontakt habt, dürft ihr verschiedene Köperteile ins Visier nehmen. Die Prozentangaben zeigen euch dann, wie hoch eure Chancen stehen. Dabei konnte ich hin und wieder auch mal Treffer landen, obwohl die Wahrscheinlichkeit im unteren zweistelligen Bereich lag. Bei XCOM gelang mir das gefühlt nie.
Kleine Makel
Jedenfalls entwickeln sich eure Kämpfer kontinuierlich weiter und können sogar auf Fähigkeiten zurückgreifen, wenn sie lange genug überleben. Denn sobald ein Soldat stirbt, ist er für immer weg. Also geht vorsichtig bei euren Einsätzen vor. Auch wenn die Steuerung per Controller insgesamt sehr gut gelungen ist, finde ich die Übersicht und Auswahl in der Heimatbasis doch etwas umständlich und fummelig. Ansonsten macht Phoenix Point einen rundum gelungenen Eindruck.
Fazit
Halten wir es kurz: Phoenix Point wird XCOM-Fans auch glücklich machen – obwohl man nicht ganz an das große Vorbild herankommt. Dennoch macht die Jagd nach mutierten Monstern weltweit richtig Laune und motiviert über Wochen hinweg. Mit der Behemoth Edition können nun auch endlich Konsolenspieler an der taktischen Rundenmetzelei teilnehmen und ihren Spaß haben. Daher bekommt das Werk von Snapshot Games meine volle Kaufempfehlung.
Erhältlich für: PC, PS, Xbox
Website: phoenixpoint.info