Liebe VR-Enthusiasten, heute nehme ich euch mit auf eine spannende Reise durch die Welt der virtuellen Realität. Nachdem ich bereits auf der gamescom die Gelegenheit hatte, die neue PICO 4 Ultra zu testen, durfte ich mich nun ohne Entwickler an das Gerät wagen. Lasst uns gemeinsam erkunden, was dieses Headset zu bieten hat und wie es sich im Vergleich zur Konkurrenz schlägt.
Auf Augenhöhe mit dem Platzhirsch
Wenn ich von Konkurrenz rede, dann meine ich explizit die Meta Quest 3, die derzeit der Platzhirsch unter den kabellosen VR-Headsets sein dürfte. Daher muss sich die PICO 4 Ultra den direkten Vergleich gefallen lassen. Eine kleine Sache vorweg: Sowohl die PICO 4 Ultra als auch die Meta Quest 3 sind hervorragende VR-Brillen. Doch wie gut ist die PICO 4 Ultra? Das wollen wir nun herausfinden.
Um nochmals kurz zu meinem Eindruck von der gamescom zurückzukommen: ich hatte beim Test der PICO 4 Ultra sehr viel Spaß in Köln gehabt und war von der Qualität beeindruckt. Nur spielte sich das unter vielleicht optimalen Bedingungen ab - das weiß man ja nie so genau. Daher hat es mich gefreut, dass ich die VR-Brille wie ein normaler User in meinen vier Wänden ausgiebig testen konnte.
Nachdem ich das Gerät ausgepackt hatte, musste ich zugeben, dass mir das Design echt gut gefällt. Irgendwie hat die Brille was Nettes an sich - so als würde man einem modernen Roboter ins Gesicht schauen. Ein echt elegantes Design. Hinzu kommt, dass sie wirklich ein Leichtgewicht ist. Mit 580 Gramm wiegt sie so viel wie knapp sechs Tafeln Schokolade.
Blick in die Kiste
Schauen wir uns aber mal den Inhalt an. Neben dem Headset liegen der Brille noch zwei Controller sowie ein USB-C-Kabel bei. Allerdings gibt es keinen passenden Adapter - den müsst ihr euch zusätzlich besorgen. Aber gefühlt fliegen davon immer ein paar bei mir zuhause herum. Passt also alles. Mit dieser Ausstattung kann das Abenteuer losgehen.
Was mir sehr gut gefällt: Der Tragekomfort wird durch ein verstellbares Kopfband mit Drehrad an der Rückseite weiter verbessert. Selbst bei längeren Spielsessions bleibt das Headset sicher und komfortabel auf dem Kopf, ohne zu verrutschen. Ein großer Pluspunkt ist auch die Brillenfreundlichkeit. Das ist mir immer sehr wichtig, obwohl ich dank des geringen Abstandes der Linsen zum Auge auch problemlos ohne Brille spielen kann.
Was mich allerdings ein wenig genervt hat, war die Einstellung des Augenabstandes per Menü. Das heißt, dass das hier digital und nicht mechanisch funktioniert. Das kenne ich von anderen VR-Brillen anders. Nicht falsch verstehen: Es funktioniert bei der PICO 4 Ultra ganz gut, nur ist der Umweg über das Menü leider umständlich – insbesondere, wenn ihr euch mit der VR-Brille abwechselt. Dazu aber später noch mehr. Insgesamt bin ich aber vom ersten Eindruck und mit dem Tragekomfort sehr zufrieden.
Allerdings gibt es auch kleine Schwachstellen: Das Gesichtspolster und das Kopfband fühlen sich etwas starr an, was bei längerer Nutzung unangenehm werden kann. Zudem fehlt ein Silikon-Gesichtsschutz, was die Reinigung nach schweißtreibenden Sessions erschwert. Das war nach zwei denkwürdigen Einsätzen der Fall. Aber wie gesagt: das ist Meckern auf hohem Niveau.
Technische Spezifikationen und Leistung
Kommen wir kurz zu ein paar Fakten, die einige Zahlen-Fans interessieren könnten: Die PICO 4 Ultra glänzt mit beeindruckenden technischen Daten. Mit einer Auflösung von 2.160 x 2.160 Pixeln pro Auge liefert sie gestochen scharfe Bilder. Die verbauten Pancake-Linsen sorgen für ein klares Bild im zentralen Bereich, allerdings kann es an den Rändern zu Unschärfen kommen. Im Spielbetrieb war das aber selten störend.
Ein Highlight ist die Passthrough-Funktion mit einer Auflösung von 20,6 Pixeln pro Grad (PPD), was die 18 PPD der Meta Quest 3 übertrifft. Dies ermöglicht eine detailliertere und realistischere Darstellung der Umgebung in Mixed-Reality-Anwendungen. Die zwei 32-Megapixel-Kameras sorgen für eine perspektivisch korrekte Durchsicht mit minimaler Verzerrung. Wenn mein Hund sich mal wieder mitten in den Weg gelegt hat, sehe ich ihn aber nun deutlich und kann ihm aus dem Weg gehen. Bei älteren VR-Brillen war ein Sturz meistens vorprogrammiert.
Die Leistung wird von einem fortschrittlichen Chipsatz angetrieben, der dem der Meta Quest 3 ebenbürtig ist. Mit 12 GB RAM hat die PICO 4 Ultra sogar einen Vorsprung gegenüber den 8 GB der Quest 3. Dies macht sich besonders bei anspruchsvollen Anwendungen und Multitasking bemerkbar. Bei einem Speicherplatz von 256 GB passen auch genügend Anwendungen auf die Festplatte, um Spaß zu haben - auch wenn es nach meinem Geschmack etwas mehr sein könnte.
Controller und Tracking
Die PICO 4 Ultra setzt auf Controller ohne Tracking-Ringe, was für ein modernes und schlankes Design sorgt. Die Handhabung ist komfortabel, und die Haptik überzeugt mit gutem Vibrationsfeedback. Ich liebe es, wenn es beim Zurückziehen der Steinschleuder in Angry Birds ordentlich vibriert. Das steigert die Immersion. Auch die Anordnung der Tasten ist intuitiv und ähnelt der der Vorgängermodelle.
Allerdings zeigt sich beim Tracking eine kleine Schwachstelle des Systems. Bei schwächeren Lichtverhältnissen kann die Präzision des Trackings nachlassen, was irgendwie verständlich ist. Dies kann in Spielen wie "Blade & Sorcery" oder "Arizona Sunshine 2" zu Problemen bei der genauen Ausrichtung von Waffen oder anderen Objekten führen. Also in hitzigen Momenten habt ihr besser gute Lichtverhältnisse. Ansonsten war das Tracking sehr gut.
Eine überraschende Funktion, die ich bereits auf der gamescom erleben durfte, ist die Handerkennungsfunktion der PICO 4 Ultra. Ganz ohne Controller könnt ihr hier die Menüs bedienen und Texte auf einer virtuellen Tastatur eingeben. Allerdings lässt diese Funktion etwas zu wünschen übrig. Sie wirkt ungenau und umständlich, was eine verpasste Chance darstellt, da gerade die controller-freie Steuerung in VR-Anwendungen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ob hier ein Patch hilft, kann ich nicht genau sagen. In dieser Form ist sie eher eine nette Spielerei als ein wirklich sinnvolles Feature.
Amüsante Fußfessel
Viel lustiger hingegen sind die beiden Bein-Tracker, die ihr zusätzlich erwerben könnt. Diese schnallt ihr euch kurz oberhalb der Knöchel. Nach einer schnellen Kalibrierung erfasst die PICO 4 Ultra den Standort eurer Beine. Dadurch entstehen noch mehr Möglichkeiten in der Bewegung im Raum. Das hat bereits auf der gamescom Spaß gemacht. Die Tracker sind sehr leicht und fallen kaum auf. Ich hab sie nach fünf Minuten kaum noch bemerkt.
Diese Leichtigkeit hatte aber auch ihre Tücken. So sind mir die Tracker öfters mal verrutscht, weil ich den Klettverschluss wohl nicht fest genug angezogen hatte. Dadurch kam es in der virtuellen Welt zu sehr merkwürdigen Verrenkungen. Außerdem müsst ihr die Tracker auf eure Größe einstellen, was ja kein Problem ist. Wenn ihr euch allerdings mit der Brille abwechselt, ist das ein weiterer Faktor neben dem Augenabstand, den ihr über das Menü anpassen solltet. Ansonsten stimmt das Tracking nicht mehr genau, was bei Spielen schnell auffällt.
Lang anhaltender Spielspaß
Die PICO 4 Ultra ist mit einem 5.700 mAh Akku ausgestattet, der eine solide Laufzeit von eineinhalb bis zweieinhalb Stunden ermöglicht, je nach Nutzungsintensität. Also wofür wollt ihr das Headset nutzen? Spielt ihr, arbeitet ihr oder schaut ihr euch Filme an? Bei der Wiedergabe von Streaming-Inhalten wie Disney+ oder Netflix zeigt sich der Stromverbrauch nämlich als relativ konstant, während anspruchsvolle Spiele wie "Blade & Sorcery" den Akku schneller leer saugen. Aber insgesamt hält der Akku im Vergleich zu anderen Headsets ziemlich lang.
Ein großer Vorteil ist die Schnellladefunktion. In nur 60 Minuten lässt sich der Akku auf 65% aufladen, was in etwa der Ladegeschwindigkeit des Vorgängermodells entspricht. Aber wie bereits gesagt: Es wird kein Ladegerät mitgeliefert, was etwas enttäuschend ist.
Ein Blick unter die harte Schale
Die PICO 4 Ultra läuft auf einem Android-basierten Betriebssystem, das sich durch eine flüssige und schnelle Bedienung auszeichnet. Dank der Unterstützung von Wi-Fi 7 können Spiele und Anwendungen blitzschnell heruntergeladen und installiert werden. Und hier sollten sich andere Software-Studios ein Beispiel dran nehmen: Viele Spiele sind schön komprimiert, so dass sie relativ wenig Speicherplatz einnehmen. Ja, ich schiele hier bewusst auf Call of Duty: Black Ops 6, das 320 GB Speicherplatz frisst. Aber zurück zur PICO 4 Ultra.
Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gestaltet und erinnert stark an die der Meta Quest-Headsets. Allerdings wirkt sie in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit, Funktionalität und Stabilität noch etwas weniger ausgereift. Mir war nicht immer klar, wie ich ins Menü komme, spiele pausiere, AR aktiviere oder schnell den Hintergrund Wechsel. Hier zeigt sich, dass Meta einen Vorsprung in der Softwareentwicklung hat.
Mixed Reality und spezielle Funktionen
Die PICO 4 Ultra bietet einige interessante Mixed-Reality-Funktionen. Die Möglichkeit, räumliche Videos und Fotos aufzunehmen, ist vorhanden, auch wenn die praktische Anwendung für viele Nutzer vielleicht begrenzt sein mag. Trotzdem war es schön, dass ich meinen Hund virtuell festhalten durfte. Die Passthrough-Qualität ist beeindruckend und ermöglicht es, bei guten Lichtverhältnissen das Display eines Smartphones zu lesen. Schon beeindruckend.
Eine Besonderheit ist die native Unterstützung für die Wiedergabe von Apple Spatial Videos, was die Vielseitigkeit des Headsets erhöht. Zusammen mit den fortschrittlichen Kameras und dem Time-of-Flight-Sensor für präzises Umgebungs-Mapping macht dies die PICO 4 Ultra zu einem starken Konkurrenten im Bereich der Mixed Reality.
Spielerlebnis und Anwendungen
In Bezug auf die Spieleauswahl und exklusive Inhalte hat Meta mit seinem Quest-Ökosystem noch immer die Nase vorn. Dennoch bietet die PICO 4 Ultra Zugang zu einer wachsenden Bibliothek von VR-Spielen und Anwendungen. Titel wie "Red Matter 2" beeindrucken mit ihrer fast fotorealistischen Darstellung auf diesem Headset.
Die Leistungsfähigkeit der Hardware zeigt sich besonders in anspruchsvollen VR-Spielen und bei der Nutzung von Produktivitäts-Apps. Das Multitasking-Erlebnis profitiert von den 12 GB RAM, was die PICO 4 Ultra auch für Nutzer interessant macht, die VR nicht nur zum Spielen verwenden möchten.
Fazit
Die PICO 4 Ultra ist zweifellos ein beeindruckendes Stück Technik, das in vielen Bereichen mit der Konkurrenz mithalten oder sie sogar übertreffen kann. Der hohe Tragekomfort, die beeindruckende Passthrough-Qualität und die leistungsstarke Hardware machen sie zu einer attraktiven Option für VR-Enthusiasten.
Allerdings gibt es auch Bereiche, in denen Verbesserungspotenzial besteht. Das Tracking bei schwachem Licht, die noch nicht ausgereifte Handerkennungsfunktion und das im Vergleich zu Meta kleinere Ökosystem an Apps und Spielen sind Punkte, die potenzielle Käufer berücksichtigen sollten.
Letztendlich bleibt die PICO 4 Ultra trotz einiger Schwächen eine vielversprechende Alternative im High-End-VR-Markt. Sie bietet ein immersives und leistungsstarkes VR-Erlebnis, das besonders für technikaffine Nutzer und Early Adopter interessant sein dürfte. Mit weiteren Software-Updates und einer wachsenden Inhaltsbibliothek könnte die PICO 4 Ultra in Zukunft noch stärker zur ernsthaften Konkurrenz für etablierte Marken wie Meta werden. Besonders die Bein-Tracker sind eine schicke Erweiterung.
Für eure Kaufentscheidung solltet ihr eure individuellen Bedürfnisse und Präferenzen in den Vordergrund stellen. Wenn ihr Wert auf erstklassige Mixed-Reality-Funktionen und eine hohe Displayauflösung legt, könnte die PICO 4 Ultra genau das Richtige für euch sein. Wenn ihr hingegen ein größeres Ökosystem an Apps und Spielen bevorzugt, bleibt die Meta Quest 3 möglicherweise die bessere Wahl. Um es kurz zusammenzufassen: Mit der PICO 4 Ultra habt ihr ein klasse Gerät an der Hand, wenn ihr das nötige Kleingeld investiert. In jedem Fall ist es spannend zu sehen, wie sich der VR-Markt weiterentwickelt und wie Hersteller wie PICO die Technologie vorantreiben.
Webseite: picoxr.com/de/products/pico4-ultra