Unterhaltung Games

Pit People

XCOM-Light mit einem Schuss Wahnsinn.

Wer das Entwicklerstudio „The Behemoth“ kennt, der weiß, dass dort ziemlich verrückte und unterhaltsame Spiele entstehen. Das haben sie bereits mit „Castle Crashers“ oder „Battleblock Theater“ bewiesen. Ihr neustes Werk namens „Pit People“ macht da keine Ausnahme, wechselt jedoch das Genre – erneut.

Achtung, da kommt ein Bär!

Diesmal liefert „The Behemoth“ ein rundenbasiertes Rollenspiel in der Art eines „XCOM“ ab – jedoch mit deutlichen Unterschieden zum großen Gerne-König. In „Pit People“ übernehmt ihr die Rolle des Blaubeerbauern Horatio – ja, der Kerl züchtet wirklich Blaubeeren! Doch damit ist Schluss, nachdem ein riesiger Bär (!) mit der Welt kollidiert ist und diese in einen schrecklichen Ort verwandelt hat, an dem das Chaos herrscht. Und weil Horatios Sohn diesem Bären zum Opfer fiel, will er Rache. Soweit zur Story. Ihr seht schon: Den Humor haben die Entwickler nicht verloren. Hier wird es richtig verrückt. Spielerisch sieht es so aus, dass ihr mit euren Figuren – im späteren Verlauf habt ihr bis zu vier zusätzliche Mitstreiter dabei – zunächst bestimmt, wohin sie auf dem Schlachtfeld laufen sollen.

Dieses ist in Hexagon-Felder eingeteilt und jeder Recke kann nur eine bestimmte Anzahl weit laufen. Habt ihr alle Befehle verteilt, gebt den Startschuss und eure Helden machen sich gleichzeitig auf den Weg und erledigen ihre Aufgaben. Anschließend ist der Gegner an der Reihe. Klingt eigentlich ganz gewöhnlich für das Genre. Doch dadurch, dass alle Teammitglieder gleichzeitig ihre Aktion abarbeiten, kommt Schwung in die Geschichte. Etwas blöd ist dabei aber der Zufallsfaktor: Strandet ihr neben einem Gegner, so wird euer Held diesen automatisch angreifen – was ja gut ist. Landet ihr jedoch auf einem Feld, an dem drei Feinde angrenzen, so entscheidet das Spiel völlig willkürlich, welcher Feind attackiert wird. Das kann in manchen Gefechten echt nerven, wenn ein bestimmter Fiesling nicht gezielt anvisiert werden darf. Sei’s drum: spaßig sind die Schlachten auf jeden Fall.

Es gibt viel zu tun

Während der wirklich lustig präsentierten Kampagne wandert ihr meist auf der großen Weltkarte herum und legt euch mit anderen Streitmächten an – oder betäubt sie und umgeht dadurch einen Kampf. Taktisch wird’s durch die Auswahl eurer Teammitglieder: Diese sind in bestimmte Klassen unterteilt und agieren dementsprechend: Ein Schwertkämpfer sollte an vorderste Front, während ein Heiler oder Bogenschütze besser im Hintergrund bleibt. Zudem zählt auf dem Schlachtfeld ein typisches Schere-Stein-Papier-Prinzip: Zum Beispiel sind dicke Hämmer besonders gut gegen Helme, können dafür aber keine Pfeile abhalten. So seht ihr im Verlauf der Story schnell, was gegen wen wirksam ist. Das ist zwar nicht so tiefgängig wie bei „XCOM“, lädt aber dennoch zum Experimentieren ein.

Nachschub in Form von neuen Ausrüstungsgegenständen und Rekruten gibt es in der Stadt. Dort darf auch die eigene Truppe umgestellt und ausgerüstet werden – sofern man das nötige Kleingeld in der Tasche hat. Die einzelnen Waffen der verschiedenen Klassen unterscheiden sich jedoch nicht sonderlich von besseren Versionen, die meist nur mit ein paar zusätzlichen Elementarzaubern belegt sind. Macht nichts. Dafür habt ihr jede Menge Klassen, mit denen ihr Kombinieren dürft. Seid ihr lieber schlagkräftig, dafür aber ohne Heiler? Oder wollt ihr eure Feinde mit einer giftigen Truppe niederringen? Alles kein Problem bei den „Pit People“. Lediglich euer Held Horatio sollte am Ende jeder Runde am Leben bleiben – ansonsten heißt es „Game Over“. Andere gefallene Helden bleiben im späteren Spielverlauf leider in ihrem Grab. Zusätzliche Recken könnt ihr übrigens im Kampf selbst rekrutieren, in dem ihr sie einfach fangt – wenn ihr gerade ein Netz dabei habt. Ansonsten müsst ihr eben auf dem Markt dafür blechen.

Darf’s ein bisschen Wahnsinn sein?

Die Kampagne wird euch für viele Stunden unterhalten, was zum einem am herrlichen Humor samt der schicken Comic-Optik liegt, zum anderem aber auch am leicht zugänglichen Spielprinzip. Die Missionen bekommen etwas Abwechslung in Form von unterschiedlichen Aufgabenstellungen: Mal sollt ihr jemandem eine Briefmarke bringen, mal eine Prinzessin eskortieren und ein anderes Mal einen leckeren Cupcake einfangen – der dann zu eurer Truppe gehört und mit seiner köstlichen Füllung heilen kann. Natürlich warten hin und wieder auch Bosskämpfe auf euch. Deshalb: Langeweile kommt so gut wie nie auf, wenn ihr mit den strategischen Möglichkeiten zufrieden seid. Auch in Punkto Multiplayer ist alles gut: Online und Offline könnt ihr mit oder gegen andere Spieler antreten, was für ein schönes Chaos sorgen kann. Im Couch-Koop dürft ihr euch in der Arena zudem noch etlichen Wellen an Gegnern stellen – allerdings solltet ihr dafür schon recht fit im Spiel sein, da es nicht einfach wird.

Fazit

Insgesamt bekommt ihr mit „Pit People“ wieder das, was ihr von „The Behemoth“ erwartet: Ein echt abgefahrenes Abenteuer, das sich keinen Deut ernst nimmt und spielerisch zu überzeugen weiß – die typische Comic-Optik inklusive. Für Taktik-Veteranen, die „XCOM“ zum Frühstück spielen, mag das alles zu oberflächlich sein. Wem das jedoch nichts ausmacht, der wird hier aber seinen Spaß haben. Es muss ja nicht immer sonderlich tiefgründig sein, um zu unterhalten. Und das tut dieser Titel hervorragend.

Erhältlich für: Xbox One, PC
Website: pitpeople.com