Wer in die kunterbunte Indie-Welt von Pokettohero eintaucht, wird zunächst von der bewusst schlichten Pixel-Optik überrascht: Wenige Farben, klar erkennbare Sprites und knackscharfe Umgebungen erinnern an Retro-Klassiker auf Game Boy Color und Konsorten. Hinter der simplen Ästhetik verbirgt sich aber ein erstaunlich forderndes Abenteuer, das Publisher Ratalaika mit viel Gespür für oldschoolige Herausforderungen herausbringt.
Das Spiel kostet nur rund 10,- Euro und ist auf fast allen Plattformen vertreten – doch es konkurriert nicht mit grafischer Opulenz, sondern punktet mit cleverem Design und überraschender Spieltiefe. Wirklich erstaunlich, was hier drin steckt.
Ein kleines Königreich voller kniffliger Aufgaben
Ihr übernehmt die Rolle von kleinen Helden, die sich der Bedrohung durch den finsteren Black Knight stellen und die Fragmente eines magischen Kristalls sammeln müssen. Der Clou: Ihr baut euer Team mit bis zu sechs völlig unterschiedlichen Charakteren auf, die alle individuelle Fähigkeiten besitzen – der eine springt weiter, der andere kann magische Hindernisse räumen oder schwimmen.
So wird das Erkunden der knuffig gestalteten, aber erstaunlich großen Oberwelt schnell zu einer strategischen Übung. Um voranzukommen, müsst ihr ab und zu ordentlich um die Ecke denken, verschiedene Helden geschickt einsetzen und viele Geheimnisse lüften. Regelmäßig müsst ihr zurück in bereits erkundete Gebiete, wenn ihr mit neuen Fähigkeiten zuvor verschlossene Wege öffnen könnt – ein klassisches Metroidvania-Prinzip, das das Backtracking zwar ab und zu etwas zäh machen kann.
Anspruch und Frustfaktor im Retro-Gewand
Was Pokettohero besonders macht, ist das für diese Art von Spiel erstaunlich anspruchsvolle Gameplay. Die Kämpfe sind in ihrer Mechanik simpel, aber Fehler werden gnadenlos bestraft: Viele Angriffsmuster müsst ihr auswendig lernen, Timing und flinke Finger sind gefragt, und beim falschen Charakterwechsel kann es schnell zum Game Over kommen. Außerdem können die Speicherpunkte frustrierend sein, wenn ihr mal vergesset, oft genug abzuspeichern.
Die Bosskämpfe in den Dungeons fordern mit einem angenehm knackigem Schwierigkeitsgrad. Wer nicht gerade Fan von Orientierung in Open Worlds ist, kann sich manchmal an der nicht immer selbsterklärenden Progression die Zähne ausbeißen: Immer wieder locken neue Sammelobjekte oder Rätsel – gelegentlich allerdings auch Frust, wenn man den nächsten Weg nicht gleich entdeckt oder ein wichtiges Item am falschen Ort übersieht.
Viel Herz, wenig Bling-Bling, aber großer Spaß
Neben der Hauptstory bietet Pokettohero charmante Nebenaufgaben mit allerlei Dorfbewohnern, massig Sammelobjekten und überall versteckte Goodies, die fleißige Entdecker für ihre Neugier belohnen.
Die Präsentation bleibt bis zum Schluss oldschool, aber genau das macht den Reiz aus: Soundtrack und Look machen Laune, die knackigen Kämpfe halten wach, und mit ein bisschen Geduld erlebt ihr einen echten Geheimtipp für Liebhaber fordernder Action-Adventures im Retro-Stil.
Fazit
Unterm Strich ist Pokettohero ein perfektes Beispiel dafür, dass sich hinter pixeligen Screens oft mehr verbirgt als reine Nostalgie: nämlich ein cleveres, manchmal schwieriges Spiel, das Skill und Köpfchen belohnt – und euch garantiert länger bei Laune hält, als es die schlichte Optik zunächst vermuten lässt.
Erhältlich für: Xbox, PS, Switch, PC
Webseite: ratalaikagames.com/games.php?id=pokettohiro