Herrliche Strände, sonnige Terrassen mit jeder Menge Rum in der Karibik – so ähnlich habe ich mir meinen ersten Ausflug mit „Port Royale“ vorgestellt. Denn ich bin ein absoluter Neuling in dieser traditionsbewussten Reihe. Daher ist meine Ansicht auf manche Dinge hier sicherlich anders als bei alten Veteranen – das nur mal als kleine Warnung im Vorfeld.
Eine Buttel voll Rum!
Im Zentrum von „Port Royale 4“ steht mal wieder der Handel in der Karibik im 17. Jahrhundert: Es war die große Zeit der Kolonialmächte, die jede Insel für sich beanspruchen wollten. Städte befanden sich im Aufbau und der Handel florierte. Es war aber auch die Zeit der großen Piratenträume, die oftmals sehr romantisiert in die heutige Ära transportiert wurden.
Wie dem auch sei: Als Spieler sollt ihr nun euer Geschick als tüchtiger Kaufmann oder -frau antreten. Euch bleibt später aber auch die Wahl, ob ihr nicht selbst lieber ein eigenes Piratendasein führen wollt. Im Grunde habt ihr es mit dem Werk von Kalypso mit einer umfangreichen Wirtschaftssimulation zu tun. Ihr schippert Waren von einer Stadt in die nächste, um sie gewinnbringend zu verkaufen.
Ich empfehle euch wärmstens, dass ihr mit den Tutorial-Missionen startet. Einmal tief Luft holen und rund eine Stunde lang in Erklärungen schwimmen. Aber keine Panik: Die Entwickler haben alles sehr schön aufgegleist in einzelne Mini-Missionen. Viele Aktionen wiederholen sich auch geringfügig, was den Lerneffekt steigert. Am Ende der Tutorials wisst ihr nicht nur, wie der Hase läuft, sondern bekommt auch gleich noch ein dickes Schiff und eine coole Fähigkeit spendiert – es lohnt sich also.
Zahlenspiele
Ich muss euch aber auch etwas vorwarnen: Wer nie Spaß an Zahlen oder wirtschaftlichen Abläufen hat, wird hier nicht seine Erfüllung finden – auch wenn es spannende Schlachten auf dem Meer gibt. Denn im Zentrum steht der Handel. Das kann an manchen Stellen schon sehr trocken werden, trotz der tosenden Karibik-Wellen um euch herum.
Ständig seid ihr auf der Suche nach der effektivsten Handelsroute, den besten Schnäppchen und den schnellsten Schiffen. Ich kann hier auch gar nicht in alle Details eintauchen, das sollen die Tutorials mal machen. Allerdings will ich ein paar Punkte hervorheben. Mir persönlich hat die Optik ziemlich gut gefallen und auch die Mechanik dahinter: Ihr könnt nämlich stufenlos rein und rauszoomen – vom einzelnen Inselabschnitt bis hin zur gesamten Karibik-Karte.
Der Clou an der Sache: Je weiter ihr rauszoomt, desto schneller vergeht die Zeit in der Simulation. Das ist ziemlich praktisch, besonders am Anfang, wenn noch nicht sonderlich viel passiert. Kann schon ganz entspannend sein, wenn ihr euren Schiffskonvois zuschaut.
Navigationshilfen
Auch das Routen-System fand ich äußerst praktisch und leicht zu bedienen, wenn man mal den Dreh raushat. Ihr sagt euren Konvois dann, wo sie hinsteuern sollen, könnt Preise für den An- und Verkauf festlegen und die Route jederzeit schnell anpassen. So laufen viele Aktionen bei „Port Royale 4“ auch automatisch ab, ohne dass ihr danach viel tun müsst. Und das kann manchmal auch ein Problem sein.
Es gibt immer wieder Phasen, in denen ihr einfach nicht sonderlich viel machen könnt als zu warten. Ich persönlich habe mich dann hin und wieder in die umfassenden Tabellen mit den Handelswaren reingefuchst, um noch bessere Abläufe zu schaffen. Aber das ist sicher nicht jedermanns Sache. Kommen wir aber mal zur Action: Den Seeschlachten.
Runde für Runde
Von einem Freund und Fan der Reihe habe ich erfahren, dass „Kalypso die Kämpfe jetzt verhunzt hat“ – so sein O-Ton. Für mich klang das jetzt sehr grob – zumal ich seine Erfahrung absolut nicht teilen kann. Inzwischen weiß ich aber, woran es bei ihm lag. Lasst mich erklären: Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, wobei ihr auf einer kleinen Seekarte eure Einheiten reihum ziehen dürft – sofern ihr auch Kriegsschiffe mit im Konvoi habt, wozu ich euch absolut rate!
Jedenfalls hat jedes Schiff seine eigenen Attacken und Dank des Kapitän-Systems auch eigene Spezialfähigkeiten. Nach den Tutorials steht euch beispielsweise ein Kraken zur Verfügung, der feindliche Schiffe an Ort und Stelle festhält – ziemlich cool. Insgesamt sind die Seeschlachten taktisch geprägt und machen ordentlich Laune.
Warum also meckert mein Freund dabei so? Ganz einfach: Weil er ein Gewohnheitstier ist! Denn in früheren Teilen verliefen die Kämpfe in Echtzeit ab. Und die Umstellung auf rundenbasierte Kämpfe nervt ihn immens. Kann ich aus meiner Sicht aber nicht bestätigen.
Fazit
Kommen wir zum Abschluss: Insgesamt habt ihr es hier mit einer soliden Wirtschaftssimulation zu tun. Kann ich „Port Royale 4“ also jedem empfehlen? Nein, das nicht. Denn es wird teilweise doch schon arg trocken vom Spielinhalt. Ihr solltet euch für Zahlen und Handelsstrategien interessieren können, ansonsten nimmt das hier keine Fahrt für euch auf.
Außerdem braucht es als Neuling einen langen Atem, um sich in die teils sehr komplexen Abläufe einzuarbeiten. Allerdings nimmt Kalypso diese Hürde mithilfe der umfangreichen Tutorials mit Bravour. Wem das alles bewusst ist und auch mit rundenbasierten anstatt in Echtzeit ablaufenden Kämpfen leben kann, der wird hier unterhaltsame Stunden verbringen.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Website: kalypsomedia.com/de/port-royale-4-standard-edition