Unterhaltung Games

Pragmata

Der Beginn etwas ganz Großen?

Pragmata ist für mich genau die Art mutiger neuer IP, die man in dieser Größenordnung viel zu selten bekommt: ein Sci-Fi-Actionspiel mit eigenem Gesicht, starkem Stil und einem Kampfsystem, das wirklich etwas Neues probiert.

Nicht alles daran punktet mit der Präzision einer Herzoperation, aber gerade weil Capcom hier Risiko statt Routine wählt, bleibt Pragmata viel stärker im Kopf als manch sauberer, aber braver Blockbuster. Kommt mit mir auf den Mond!

Zwei Helden, ein System

Im Zentrum stehen anfangs Hugh und sein Team. Die Crew soll auf den Mond fliegen und dort in der Station nach dem Rechten sehen. Nur scheint dort etwas Merkwürdiges vor sich zu gehen. Schon kurz nach der Landung trennen sich die Wege der Crew und Hugh steht allein da. Schon bald findet er eine Begleitung in Form der Androidin Diana. Gemeinsam kämpfen sie sich durch die verlassene Mondforschungsstation.

Das Duo funktioniert nicht nur erzählerisch, sondern auch spielerisch ganz hervorragend. Genau daraus entsteht die große Besonderheit des Spiels: Ihr schießt mit Hugh nicht einfach auf Roboter, sondern müsst ihre Verteidigung erst mit Dianas Hack-Fähigkeit aufbrechen. Denn nur dann können Hughs Waffen überhaupt richtig Wirkung entfalten.

Eine Kombi, die fasziniert

Das klingt auf dem Papier fast wie eine Design-Idee, die in einem Konzeptdokument grandios und im Spiel furchtbar sein könnte. Erstaunlicherweise funktioniert sie aber wirklich. Weil das Hacking als kleines Grid- oder Maze-Minispiel parallel zum Zielen läuft, wirken die Kämpfe dadurch eher wie multitaskinglastige Gefechtsrätsel als wie gewöhnliche Third-Person-Shooter. Und ja, das macht wirklich Spaß.

Zudem ist es auch nicht so stressig, wie es jetzt klingt. Man hat recht schnell den Dreh raus und dann funktioniert das System echt gut. Später bekommt ihr mit neuen Waffen und Fähigkeiten immer mehr Möglichkeiten, wie ihr Gegner am besten ausschalten bzw. hackt. Ein angenehmer Flow entsteht dabei.

Gerade dieses Ballern-mit-Minispiel ist Pragmatas größter Trumpf. Die besten Kämpfe entstehen dann, wenn ihr unter Druck auf dem Grid schnell die richtigen Knoten erwischt, Bonusfelder mitnehmt, einen Gegner entblößt und im gleichen Atemzug auf Schwachstellen feuert, während ihr springt, ausweicht und die Arena lest. Weil später zusätzliche Effekte, stärkere Hacks, Sonderknoten und weitere Kampfschichten dazukommen, nutzt sich die Grundidee deutlich weniger schnell ab, als man anfangs befürchten könnte.

Wucht, Stil und Grenzen

Audiovisuell macht Capcom hier ebenfalls ernst: Die RE-Engine stemmt ein sehr starkes Sci-Fi-Setting mit aufwendigem Rendering, auffälliger Bildsprache und einer bewusst leicht „falschen“ KI-Ästhetik in einzelnen Umgebungen. Dazu kommt ein oldschooliger Zuschnitt mit eher linearer Struktur und konzentrierter Spielzeit von ungefähr acht bis zehn Stunden. Das gibt dem Spiel ein schönes Tempo und lässt viele Ideen nicht unnötig zerfasern.

Weniger überzeugend ist am Ende dagegen die Geschichte. Ich muss zwar die Chemie zwischen Hugh und Diana loben und den emotionalen Kern ihrer Beziehung. Aber die Story ist doch sehr vorhersehbar, stellenweise dünn oder eher funktional als wirklich brillant. Das trifft Pragmata nicht ins Herz, weil sein Herz ohnehin stärker im Kampfsystem schlägt, verhindert aber, dass aus einem sehr guten Experiment direkt ein ausgereiftes Meisterwerk wird.

Ein mutiger Erstaufschlag

Gerade deshalb finde ich den Blick auf Pragmata so spannend: Es ist kein Spiel, das durch Perfektion glänzt, sondern durch Wagnis. Genau das habe ich in letzter Zeit eher selten erlebt. Und allein dafür gebührt Capcom mein Dank. Aus meiner Sicht entsteht hier eine komplett neue Marke, die eine rosige Zukunft haben könnte. Capcom hat ein Fundament erschaffen, das schon jetzt trägt und in einer Fortsetzung sogar noch gefährlich gut werden könnte.

Fazit

Pragmata ist für mich ein packendes, manchmal leicht sperriges, aber ausgesprochen frisches Sci-Fi-Abenteuer, das endlich wieder den Mut hat, was Neues zu wagen. Es zeigt, dass Ballern nicht nur hübscher, sondern tatsächlich anders sein kann. Das Hacking-Minispiel im Zielprozess ist keine bloße Gimmick-Idee, sondern der Kern des gesamten Kampfsystems, und genau deshalb fühlt sich jeder Sieg ein bisschen aktiver, klüger und aufregender an als im Standard-Genrebetrieb.

Ja, nicht alles klappt zu 100 Prozent: Die Story ist eher ordentlich als überragend, und das Kampfsystem verlangt mehr Eingewöhnung und Akzeptanz als viele Spieler gewohnt sind. Aber gerade diese kleinen Stolperer ändern nichts daran, dass Pragmata wie ein seltenes AAA-Spiel wirkt, das lieber etwas Eigenes riskiert, als auf Nummer sicher zu gehen. Und genau deshalb hat diese neue Capcom-IP für mich tatsächlich das Zeug zu einer sehr schönen Zukunft.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: capcom-games.com/pragmata/en-us