Ubisoft, Ubisoft! Was machst du da? Bei diesem Prinzen bin ich ja völlig von der Rolle! Und das ist nicht selbstverständlich. Nach ein paar Hochs und Tiefs in den vergangenen Monaten scheint sich der französische Konzern endlich wieder gefangen zu haben. Denn mit Prince of Persia: The Lost Crown wirft der Software-Gigant eine Spieleperle auf den Markt, die mich auf das Jahr 2024 richtig gespannt macht. Schauen wir mal genauer hin.
Wie die Zeit sich ändert
Prince of Persia hat eine lange Tradition: Seit 1989 hüpft und kämpft sich der persische Adelige durch gefährliche Verliese, um seine holde Maid zu retten. Nach dem Lizenzerwerb durch Ubisoft gab es dann 2003 mit Prince of Persia: The Sands of Time eine mystische Komponente in der Spielreihe, die mit der Krümmung der Raum-Zeit etwas zu tun hatte. Dieses Thema der Zeit-Manipulation zieht sich seit jeher durch die Spiele und war sogar in der Verfilmung von 2010 ein Thema. Aber um den Prinzen wurde es lange Zeit still. Anfang 2023 sollte zwar ein Remake von The Sands of Time erscheinen, wurde aber kurzfristig wieder verschoben und ist seitdem in der Versenkung verschwunden. Mit Prince of Persia: The Lost Crown tauchte plötzlich ein brandneues Abenteuer auf, mit dem ich zumindest nicht gerechnet hatte.
Anstatt olle Kamellen wieder aufleben zu lassen, konzentriert sich Ubisoft bei Prince of Persia: The Lost Crown auf alte Stärken. Die seit 1999 eingeführte dreidimensionale Welt weicht der ursprünglichen Seitenansicht in schickem 2,5-D – ganz wie früher. Und das ist für die Reihe ein Geschenk. Denn ich muss sagen, dass dem Spiel ein Sidescroller in Form eines Metroidvanias prima zu Gesicht steht. Und dass Prince of Persia: The Lost Crown auch noch eine spannende Geschichte zu bieten hat, ist das Sahnestück auf dem unterhaltsamen Gameplay-Gerüst. Außerdem haben sich auch andere Dinge geändert …
Kein Prinz am Start?
In Prince of Persia: The Lost Crown schlüpft ihr in die Rolle von Sargon, der allerdings kein Prinz ist. Ja, das hat mich auch verwundert, passt aber sehr gut. Vielmehr ist Sargon einer von sieben Elite-Kämpfern, die sich selbst die Unsterblichen nennen. Sie sind für den Schutz des persischen Reiches bzw. des Throns zuständig. Allein das Intro mit den ersten Spielszenen wird euch packen, wenn ihr auf das Genre steht. Es ist ein Fest, wie die sieben Unsterblichen mit den Angreifern auf den persischen Thron aufräumen. Am Ende des Tutorials steht Sargon schon dem ersten Endboss entgegen, um sein Können unter Beweis zu stellen. Grandios!
Ohne viel zu verraten, wird plötzlich der persische Prinz Ghassan entführt. Sargon und seine Kamerad:innen verfolgen die Kidnapper bis auf den Berg Qaf. Doch hier scheint die Zeit anders zu ticken als im restlichen Reich – das Abenteuer kann beginnen. Mehr erzähle ich euch nicht über die Story. Es wird spannend. Schon im Tutorial könnt ihr merken, in welche Richtung Prince of Persia: The Lost Crown geht.
Es ist nicht bloß ein einfaches Jump&Run, sondern will euer Geschick am Controller unter Beweis stellen. Feinde können schnell zur Bedrohung werden, wenn ihr nicht aufpasst und Fallen lauern überall. Ich würde jetzt nicht von einem Souls-Like sprechen, aber es gibt da gewisse Parallelen. Jedenfalls ist Prince of Persia: The Lost Crown oft einen kleinen Tick verzeihlicher als typische Souls-Like-Titel.
Erweitere deinen Horizont
Spielerisch habt ihr es mit einem äußerst hübsch designten Metroidvania zu tun. Soll heißen: Ihr betretet die Welt des Berges Qaf und seid anfangs aufgrund eurer Fähigkeiten an natürliche Grenzen gebunden. Je mehr Fähigkeiten ihr jedoch dazubekommt, desto größer werden die Möglichkeiten, sich in dieser Welt fortzubewegen und entlegene Winkel zu erforschen. Genau das motiviert mich auch immer wieder bei diesem Genre: Alte Gebiete besuchen, um sie mit neuen Fähigkeiten in komplett anderem Licht zu sehen. Und das schafft Ubisoft bei Prince of Persia: The Lost Crown mit Bravour.
Wenn Sargon mit seinen beiden Schwertern und dem Bogen tänzerisch die Feinde beharkt, kommt man schnell in einen Flow. Auch seine Bewegungsmöglichkeiten erweitern sich mit der Zeit, so dass ich flink wie ein persisches Wiesel durch die Level-Abschnitte huscht. Prince of Persia: The Lost Crown schafft es dabei, euch Stück für Stück immer weitere Mittel zur Hand zu geben und euch fast unbemerkt immer besser zu machen. Anfängliche Areale, bei denen ihr vielleicht Probleme hattet, werden später zum Kinderspiel, ohne dass ihr es bewusst mitbekommen habt.
Persische Suchtspirale
Dabei steckt Ubisoft einige motivierende Elemente aus dem Genre ins Spiel. So findet Sargon überall in der Welt neue Gegenstände und geheime Räume. An Leuchtfeuern, pardon, an Waq-Waq-Bäumen kann er seine Energie auffrischen, Fähigkeiten anpassen und Amulette anlegen. Die Amulette sind in Prince of Persia: The Lost Crown so etwas wie individuelle Perks, die euren Spielstil unterstreichen. Ihr habt nur eine begrenzte Anzahl an freien Feldern für Amulette zur Verfügung. Jedes Amulett spendiert euch eine besondere Fähigkeit: Erhaltet mehr Lebenspunkte, friert die Zeit bei einer Parade kurz ein, schießt drei Pfeile auf einmal ab oder werdet nach einem tödlichen Schlag einmal wiederbelebt. Ihr habt die Wahl. Es gibt einige davon zu finden und damit etliche Kombinationen.
Nebenher sammelt Sargon auch noch Kristallstücke, Metallplatten oder Münzen namens Xerxes. Für jeden dieser Gegenstände gibt es Abnehmer in der Welt von Prince of Persia: The Lost Crown. Verbessert eure Ausrüstung samt Amuletten oder tauscht sie gegen mehr Heiltränke ein. Ihr werdet schon einen Weg finden, wie ihr die Gegenstände zu eurem Vorteil eintauschen könnt. Was ich persönlich auch immer wieder spannend fand, war ein Besuch bei meinem Team-Mitglied Menlaos. Dieser alte Haudegen zeigt euch neue Kampftechniken – also eine Art Trainingsraum. Doch hier habe ich wirklich viel über die Möglichkeiten von Sargon gelernt, ohne dass ich es vorher gedacht hätte. Zudem beschert euch jede abgeschlossene Trainingseinheit Kristalle oder sogar neue Fähigkeiten. Ein Besuch lohnt sich.
Gelungenes Spieledesign
Anfangs habt ihr mit Sargon noch längere Laufwege vor euch. Erst nach ein paar Stunden findet ihr den ersten Teleporter und könnt damit etwas Zeit sparen. Doch die Fußmärsche, die ich absolviert habe, führten mich nicht selten zu neuen Orten, die ich beim ersten Durchschreiten übersehen hatte – oder noch nicht erreichen konnte. Wie gesagt: Prince of Persia: The Lost Crown ist wirklich fein designt. Das gilt auch für die Gegner und Fallen. Im Grunde könnt ihr jeder Falle und jedem Angriff geschickt ausweichen, wenn ihr die Zeichen richtig lest. Greift ein Gegner mit einem roten Signal an, heißt es ausweichen, während ein gelbes Signal auf eine mächtige Konter-Möglichkeit hinweist. Timt ihr den Gegenangriff perfekt, wird Sargon den Schurken dann in einer schicken Animation zur Strecke bringen.
Übrigens sind die Kämpfe gegen End-Bosse immer etwas Besonderes. Lernt die Bewegungsmuster, bevor ich wild auf den Gegner stürmt. So kann euch manch virtueller Tod erspart bleiben. Aber auch hier zeigt sich Prince of Persia: The Lost Crown gnädig. Sterbt ihr mal bei einem Endgegner, dann fragt euch das Spiel, ob ihr es erneut versuchen wollt – und startet dann direkt mit dem Kampf dort. Feine Sache.
Grafisch bin ich übrigens sehr froh, dass man sich bie Prince of Persia: The Lost Crown für einen bunteren Comic-Look entschieden hat. Sämtliche Charaktere sehen blendend aus und sind toll animiert. Das gilt auch für die unterschiedlichen Umgebungen, in denen ihr unterwegs seid. In den Tiefen des Berges Qaf wird es sogar unheimlich und Vibes von Blasphemous schwingen hier mit. Weiter oben habt ihr es dann in der Sonne eher mit Genre-Königen wie Guacamele zu tun, was die Stimmung angeht. Jedenfalls gefällt mir das komplette Art-Design äußerst gut. Womit wir beim Abschluss wären.
Fazit
Hat mich Prince of Persia: The Lost Crown überrascht? Oh ja! Und das in mehrerer Hinsicht. Es ist eine wahre Freude mit Sargon durch den Berg Qaf zu streifen und dabei auf allerlei Geheimnisse zu stoßen. Dieser frische Ansatz bringt neues Leben in die Prince-of-Persia-Reihe, was mich sehr glücklich macht. Nach über 20 Stunden mit Sargon kann ich es kaum erwarten, in ein neues Abenteuer aus dieser Reihe einzutauchen. Danke Ubisoft, dass ihr diesen Weg gegangen seid. Wer auf Metroidvanias oder Jump&Runs steht, sollte Prince of Persia: The Lost Crown definitiv austesten. Für mich ist der Titel bereits jetzt ein heißer Kandidat um das Rennen der besten zehn Spiele des Jahres!
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: ubisoft.com/de-de/game/prince-of-persia/the-lost-crown