Okay, ganz so frisch ist dieses Spiel vielleicht nicht mehr. Denn Quest for Infamy des Studios Infamous Quests erschien eigentlich schon im Jahre 2014. Acht Jahre später hat der charmante Retro-Trip nun auch seinen Auftritt auf den aktuellen Konsolen. Dabei lässt sich nicht verleugnen, dass dieses Spiel hier eindeutig von Klassikern aus den 1980er- und 1990er-Jahren inspiriert wurde.
Aus der goldenen Ära
Zunächst einmal: Quest for Infamy ist ein recht klassisches Point&Click-Adventure, wie man es aus dem letzten Jahrhundert kennt. Angefangen bei der pixeligen Grafik kombiniert mit dem virtuellen Mauszeiger, mit dem ihr Hauptheld Roehm durch die Gegend führt. Auf dem Controller wurde die Steuerung etwas überarbeitet und fühlt sich nach einer kurzen Eingewöhnung recht gut an. Per Knopfdruck wechselt ihr zwischen den hauptsächlichen Funktionen wie Benutzen, Sprechen und Laufen hin und her. Anfangs musste ich mich aber echt daran gewöhnen. Später ging es automatisch von der Hand.
Wer schon einmal die Adventures aus den erwähnten 80er- und 90er-Jahren gespielt hat, sieht hier klar Parallelen. Ich musste unweigerlich an King’s Quest oder Quest for Glory von Sierra denken – allein schon wegen des Namens. Aber auch Elemente von Monkey Island werdet ihr hier finden. Und natürlich jede Menge Anspielungen auf popkulturelle Dinge unserer Zeit. Ein kleines Beispiel? Auf dem Weg durch dieses Abenteuer trefft ihr beispielsweise einen sprechenden Bären, der Ähnlichkeiten mit einem Wesen aus Star Wars aufweist. Der Name des Bären: Chuy. Klingt schon vertraut, oder?
Frech und charmant
Kommen wir kurz zur Geschichte, die ich hier nicht spoilern werde. Aber zumindest erzähle ich schnell den Anfang. Der „Held“ dieser Story heißt Roehm und ist ein ziemlich sarkastischer Draufgänger. So einen Kerl muss man einfach lieben. Die Dialoge glänzen mit ordentlich schwarzem Humor – genau mein Ding. An die Charaktere, die aufploppen, wenn ihr redet, musste ich mich etwas gewöhnen. Teilweise wirken diese sehr realistisch. Insbesondere werdet ihr wohl öfters mal am ein oder andere Dekolleté mit euren Augen kleben bleiben. Aber ich will hier nicht meckern.
Quest for Infamy kommt mit zwei Besonderheiten daher. Zum einen gibt es insgesamt drei verschiedene Wege, die ihr im Laufe der Geschichte einschlagen könnt. Ihr könnt euch als Kämpfer, Schurke oder Zauberer einen Namen machen. Je nachdem, welche Entscheidungen ihr trefft, beschreitet ihr einen dieser Wege. Das wirkt sich dann auch auf das Gameplay aus. Denn als Kämpfer zieht ihr öfters euer Schwert und müsst recht simple, aber erfrischende Duelle bestreiten. Als Zauberer nutzt ihr Magie und als Schurke seid ihr klammheimlich unterwegs. Spannender Ansatz, der wirklich gut funktioniert.
Die zweite Besonderheit ist, dass Quest for Infamy auf solche Elemente setzt, die man sonst nur aus Rollenspielen kennt. Da wären die bereits genannten Kämpfe, aber auch die Erfahrungspunkte, die ihr für bestimmte Aktionen erhaltet. Wer oft kämpft, steigert seinen Schaden. Klettern erhöht eure Ausdauer und so weiter. Auch ein frischer Ansatz, der Abwechslung ins Leben von Roehm bringt.
Das Herz am richtigen Fleck
Der Pixel-Stil passt hervorragend zum Rest des Settings und löste in mir immer wieder wohlig warme Nostalgie-Gefühle aus. Auch die Soundausgabe in Midi-Qualität trägt dazu bei. Ja, Quest for Infamy hat seinen ganz eigenen Charme.
Etwas meckern muss ich dann aber doch. Manchmal sind wichtige Hotspots nicht immer zu erkennen bzw. zu treffen. Das Interagieren von Objekten mit anderen Gegenständen erwies sich hier und da als frickelige Angelegenheit. Dabei verzeiht euch Quest for Infamy nicht, wenn ihr einen Millimeter neben ein Objekt klickt. Ihr müsst es ziemlich genau treffen.
Einmal ging ich davon aus, dass ich mit einem Gegenstand nicht agieren kann. Später klickte ich zufällig erneut darauf und Schwups ging es weiter für mich. Auch wenn ich das System der Tageszeiten eigentlich eine als gute Idee empfand, wurde es bei manchen Quests etwas nervig, weil ich viel ausprobieren musste, um ein Event auszulösen. Aber da drücke ich gerne ein Auge zu.
Fazit
Quest for Infamy ist ein durch und durch charmanter Retro-Adventure-Trip, den ich Freunden des Genres nur empfehlen kann. Es dauert eine Weile, bis ihr hier richtig versunken seid. Aber die interessanten Spielmechaniken, die frechen Dialoge und die absurde Handlung können euch in ihren Bann ziehen. Also macht euch auf den Weg, um fragwürdige Berühmtheit zu erlangen.
Erhältlich für: Xbox, Playstation, Switch, PC
Website: infamous-quests.com/games/quest-for-infamy