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R-Type Delta: HD Boosted

Ein 32-Bit-Klassiker mit scharfen Kanten.

R-Type Delta: HD Boosted holt den 1999er PS1-Kultshmup zurück auf moderne Plattformen – und lässt ziemlich klar spüren, warum der Titel damals als Meisterwerk galt. Die HD-Fassung poliert vor allem Optik und Komfort, lässt das Spielgefühl aber weitgehend unangetastet: brutal fordernd, technisch brillant designt und gnadenlos auf Präzision und Planung ausgelegt.

Schärfere Polygone, dezente Tricks

Die „HD Boosted“-Neuauflage schärft die alten 3D-Modelle und Effekte, ohne den 32 Bit-Charme zu verlieren. Die Auflösung und Texturen wurden hochgezogen, wodurch Schiffe, Gegner und Hintergründe deutlich knackiger wirken. Das ursprüngliche 4:3-Bild wird per „Expanded“-Ansicht clever in die Breite geführt, indem die Ränder weich ausgeblendet und erweitert werden – nach ein paar Minuten vergisst man, dass der Kern noch 4:3 ist.

Die Level sind nach wie vor eindrucksvolle Sci Fi-Höllenszenarien: industrielle Ruinen, organisch-technologische Bydo-Strukturen und spektakuläre Skyboxen, die in der HD-Version noch besser zur Geltung kommen. Dazu kommt der nach wie vor fantastische Soundtrack – von düster-atmosphärischen Tracks bis zu nervenaufreibender Bossmusik – und kernige Effekte, die jeden Treffer spürbar machen.

Flair der alten Zeit

Nicht alles ist perfekt: ein wenig kritisieren könnte man das „matschige“ Low-Poly-Fundament. Die visuelle Überarbeitung reicht nicht ganz an das Niveau mancher M2-Ports. Trotzdem gilt die Umsetzung insgesamt als überraschend hochwertig – vor allem gemessen an früheren City-Connection-Ports.

Drei Schiffe, drei Spielstile

Ein großer Reiz von Delta liegt in den drei wählbaren Schiffen, die sich wirklich drastisch voneinander unterscheiden:

R-9: Der Klassiker, spielt sich am „traditionellsten“ und ist ideal, wenn man von früheren R-Type-Teilen kommt. 
R-X: Setzt auf zielsuchende Force-Schüsse und erlaubt aggressivere Positionierung. 
R-13 Cerberus: Stark auf das „klebrige“ Force-Ball-Design und Laser-Tether fokussiert; defensiver, dafür taktisch extrem interessant – viele empfehlen ihn sogar als Einstiegsschiff.

Jedes Schiff hat drei Power-Up-Farben mit unterschiedlichen Waffenvarianten, wodurch sich insgesamt bis zu neun grundlegend verschiedene Schuss-Setups ergeben. Das verändert nicht nur den Schaden, sondern den kompletten „Plan“ für jeden Level: Wo man mit R 9 vielleicht vorsichtig Fächerfeuer einsetzt, bohrt sich der R 13 frontal mit Force-Barriere durch Gegnerwellen.

Force-Pod & Dose-Mechanik: Herzstück der Taktik

Der Force-Pod ist wie immer der Star: Er lässt sich vorn oder hinten andocken, wo er andere Schussarten und zugleich Schutz vor den meisten gegnerischen Projektilen bietet. Er kann aber auch gelöst und nach vorn geschossen werden, um eigenständig zu feuern oder direkt in Gegner einzudringen.

Neu (bzw. für Delta typisch und hier unverändert erhalten) ist die Dose-Mechanik: Jedes Projektil, das der Force für euch frisst, füllt eine Energieleiste; bei 100% löst ihr eine massive Delta-Superwaffe aus, die den Bildschirm aufräumt. Level sind bewusst so gebaut, dass ihr euch zwischen Risiko und Belohnung entscheiden müsst:

Nah an Feinde und Geschosse heran, Force als Rammbock nutzen, schnell „aufpumpen“. Oder sicher spielen, langsamer dosen, aber weniger oft von der Superbombe profitieren. Gerade Profi-Spieler:innen schwärmen davon, wie viel Tiefe in dieser Mechanik steckt: Routen optimieren, um die Dose möglichst oft im Level ein- und auszusetzen, ist fast ein eigenes Metaspiel.

Fair, aber gnadenlos

Delta gilt seit jeher als einer der besten Teile der Reihe – vor allem wegen seines durchdachten Leveldesigns. Schon Stage 1 inszeniert riesige Mecha-Zentipeden, die sich um Hochhäuser winden, während im Hintergrund alles brennt.

Stage 3 besteht praktisch aus einem einzigen gigantischen Boss, den ihr Stück für Stück zerlegt, während die Kamera skaliert und die Flugachse verschiebt – für ein horizontales Shoot’em Up immer noch beeindruckend inszeniert.

Trotz etwas mehr Zufallselementen als in alten R-Type-Teilen bleibt Delta ein „Hardcore-Memorizer“: Ohne Pattern-Kenntnis und klare Routenplanung läuft man zwangsläufig in Projektilwände oder Umgebungsgefahren.

Einsteigerfreundlicher

Die HD Boosted-Version versucht, den Einstieg ein wenig abzufedern: Drei Schwierigkeitsgrade, inklusive eines „Kid“-Modes, der aber laut vielen Stimmen immer noch brutal ist. Zudem gibt es mehr und leichter zugängliche Power-Ups nach einem Tod, was das „Wieder-Aufrüsten“ weniger schmerzhaft macht. Freischaltbare zusätzliche Continues und ein solider Stage-Practice-Modus gibt es fürs gezielte Üben.

Trotzdem: Der Ruf „hard as nails“ ist weiterhin absolut verdient. Manche Reviews loben genau das, andere kritisieren stellenweise enge Korridore, touchy Steuerung und inkonsequente Hitboxen bei Gegnern.

Fazit: Ein brillanter Klassiker, solide in die Gegenwart geholt

R-Type Delta: HD Boosted ist in erster Linie die Wiedergeburt eines der besten horizontale Shoot’em Ups überhaupt – brillant im Leveldesign, tief in seinen Mechaniken, stilistisch eigenständig und kompromisslos schwer. Die HD-Fassung macht es auf aktuellen Plattformen gut spielbar, ergänzt sinnvolle Komfortoptionen und lässt den Kern weitgehend unberührt – im Positiven wie im Negativen. Wer moderne, „snappig-leichte“ Arcade-Shooter erwartet, könnte an den altmodischen Checkpoints, engen Passagen und der Lernkurve verzweifeln. Wer jedoch Lust auf ein forderndes, taktisches Shmup mit ikonischem Force-Pod, fiesem Bydo-Design und einem befriedigenden „Nur noch ein Run!“-Sog hat, bekommt hier ein hervorragend gealtertes Erlebnis, das sich trotz kleiner Port-Schwächen absolut lohnt.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: clearrivergames.com/games/r-type-delta-hd-boosted.html