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Ravensword: Shadowlands

Kurios: Nicht wirklich gut, aber dennoch unterhaltsam – ein Rollenspiel der anderen Art.

Eins kann ich euch gleich zu Beginn sagen: Ravensword: Shadowlands ist kein sonderlich gutes Spiel. Und dennoch hat mich das Werk von Crescent Moon für ein paar Stunden bei Laune gehalten. Warum? Das erzähle ich euch im Test.

Wo sind die versteckten Kameras?

Als ich die ersten Schritte in Ravensword wagte, dachte ich zunächst an einen Scherz. Meine Güte sieht das hier altbacken aus. Die Texturen, die Animationen, die Dialoge – alles könnte direkt aus den späten 90er-Jahren stammen, als die ersten Games ihre Gehversuche in dreidimensionalen Welten wagten. Hätte mir jemand gesagt, dass dies eine Alpha-Version von Morrowind, dem Vor-Vor-Gänger von Skyrim sei, hätte ich es direkt geglaubt. Technisch steht Ravensword auf äußerst wackeligen Beinen. Aber dazu später mehr.

Nachdem ich das kurze Tutorial abgeschlossen hatte, wusste ich nicht so recht, ob ich nun weiterspielen soll oder nicht. Aber ich wagte mich ans Abenteuer, nachdem ich in einer mittelalterlichen Stadt erwacht war. Wahlweise aus der Ego- oder Third-Person-Ansicht steuert ihr euren Recken durch die Gegend. Jede Aktion beschert euch in irgendeiner Art Erfahrung: Schlagen mit dem Schwert, blocken von Angriffen oder sogar das Herumschleichen. Ja, das alles erinnerte mich stark in den Grundzügen an The Elder Scrolls – nur eben viel unausgereifter. Als ich außerhalb der Stadt dann aber meine ersten Wildschweine erlegt hatte und gegen kleine Orcs kämpfen musste, wurde ich neugierig, was sonst noch hier drin steckt. Als ich dann in eine Höhle spazierte und mich ein paar Höhlentrolle so richtig rund machten, packte mich der Ehrgeiz.

Technik aus einer anderen Zeit

Ich wollte wissen, wie ich das Spiel austricksen konnte, um hier siegreich ans Ende zu gelangen. Denn aufgrund der katastrophalen Technik wird das sicher niemand spielen. Wenn ihr euch fragt, was ich mit „katastrophal“ meine, dann gebe ich euch ein paar Beispiele: In einer Tür kam mir ein Orc-Krieger entgegen. Als ich auf ihn einschlug, folgten ihm weitere fünf Krieger, die versuchten mich zu erreichen. Wie die Lemminge strömten sie auf die Tür zu und stapelten sich bis unter die Decke des Raums. Selbst von ganz oben trafen mich ihre Schläge, obwohl ich gute fünf Meter entfernt war. Einmal ging ich auf eine Bergwand zu und fiel kurz davor durch den Boden. Ich landete dann „hinter“ der Grafik und sah den kompletten Level von außen. Ohne Mühe konnte ich das Gebiet umkreisen, bis mir eine unsichtbare Schlucht ein jähes Ende bescherte. Und das ist nur der grafische Aspekt. Der Sound bei den Angriffen ist teil so unausgegoren, dass auf einen Schwertstreich plötzlich ein Geräusch folgt, als würde jemand laut in ein billiges Mirko grölen – wovon ich stark ausgehe, dass das auch tatsächlich jemand gemacht hat.

Meine Motivation: Wie konnte ich die technischen Ungereimtheiten dazu nutzen, um das Spiel mit den eigenen Waffen zu schlagen. Eine Armbrust brachte die Erlösung. Anstatt mich auf den Nahkampf einzulassen, besorgte ich mir beim Händler in der Stadt eine Armbrust. Auf diese Art hatte kaum ein Gegner eine Chance, wenn ich mich hinter einer Felswand verstecken konnte und ihn mit Pfeilen durch die Felswand hindurch beharkte. Ja, ich hatte meinen Spaß gefunden und sammelte zudem ordentlich Gamerscore-Punkte. Vielleicht motiviert euch das ja ebenso. Mir hat es jedenfalls gefallen und versetzte mich in starke nostalgische Glücksgefühle, wie ich sie damals bei solchen Rollenspielen hatte.

Fazit

Ravensword: Shadowlands ist gewiss nicht für jeden Spieler. Das Rollenspiel ist mehr der Prototyp eines Rollenspiels, der aber durchaus seinen eigenen Charme hat – was größtenteils an den teils unglaublichen technischen Ungereimtheiten liegt. Wer auf Punktejagd ist und Spaß mit Glitches haben will, der kann hier zugreifen. Wer es aber auf ein tiefgründiges, ernstes Rollenspiel abgesehen hat, sollte sich vielleicht woanders umschauen.

 

Erhältlich für: Xbox, Playstation, Switch

Website: https://www.ratalaikagames.com/games/ravensword.php