Rayman: 30th Anniversary Edition ist wie eine Zeitkapsel, die euch mit einem verschmitzten Grinsen entgegenkommt: Erinnert ihr euch noch? Seit 1995 schlängelt sich Rayman durch die Gaming-Geschichte – erschaffen von Michel Ancel und Ubisoft Montpellier als bunter 2D-Plattformer, der ohne Gliedmaßen, aber mit enormem Charme ausgestattet war.
Der Original-Rayman setzte damals neue Maßstäbe für handgezeichnete Animationen und Musik von Michel Streicher, während Rayman 2 (1999) mit 3D und der Teensies-Welt die PlayStation dominierte. Später brachten Rayman Origins (2011) und Legends (2013) dann die Ubi-Art-Engine ins Spiel – flüssige Handzeichnung, präzise Physik und Humor ohne Ende. Doch die Sammlung widmet sich den Ursprüngen. Also schauen wir mal rein.
Die Sammlung: Zurück zu den Wurzeln
Rayman: 30th Anniversary Edition ist keine „Best of Rayman“-Sammlung, sondern eine aufwendig kuratierte Liebeserklärung an genau ein Spiel: den allerersten Rayman von 1995 – nur eben in fast allen wichtigen Fassungen, mit massig Bonusleveln, Doku-Material und modernen Komfortfunktionen.
Wenn ihr mit Nostalgiebrille drauf schaut, ist das hier im Grunde das Definitiv-Paket, um den Ursprung des einprägsamen Maskottchens noch einmal richtig zu feiern – mit einer großen, aber nicht unproblematischen Änderung beim Soundtrack.
Fünf Versionen, 120+ Extra-Level und ein SNES-Geheimnis
Das Herzstück der Edition sind fünf komplette Versionen des ursprünglichen Rayman, die ihr alle in einem Menü auswählen könnt:
- MS DOS - PlayStation
- Atari Jaguar
- Game Boy Color
- Game Boy Advance
Jede Fassung läuft emuliert mit Bildfiltern und optionalen Verbesserungen, sodass ihr wirklich sehen könnt, wie sich derselbe Titel auf verschiedenen Systemen angefühlt hat – inklusive leicht unterschiedlicher Leveldesigns und technischer Limits.
Die Version für den Game Boy Color sticht in mehreren Reviews als „Überraschungshighlight“ hervor, weil es komplett eigene, deutlich fairere Level bietet, die Raymans Bewegungsgefühl trotzdem sauber einfangen. Das nur nebenher.
Ganz schön viele und teils interessante Extras
Hinzu kommen mehr als 120 zusätzliche Level, zusammengesammelt aus obskuren Bonuspaketen und Fan-Inhalten:
- Rayman’s New Levels
- Rayman 60 Levels
- Rayman By His Fans
Gerade Letzteres ist spannend, weil hier ehemals inoffizielle Fan-Stages offiziell kuratiert und in ein Ubisoft-Paket gepackt wurden. Für Veteranen, die das Original in- und auswendig kennen, steckt hier genug neues Futter drin, um wirklich wieder gefordert zu werden.
Ein besonderes Schmankerl ist der SNES-Prototyp, der „zum allerersten Mal spielbar“ ist. Ihr bekommt also nicht nur fertige Versionen, sondern einen Blick darauf, wie Rayman ursprünglich für Nintendo-Hardware geplant war, bevor das Projekt umschwenkte – ein echtes Stück Spielegeschichte, das eine der coolsten Dreingaben dieser Sammlung ist.
Interaktives Museum statt bloßer Port
Statt einfach ROMs zusammenzuwerfen, geht die Anniversary Edition den „Digital-Eclipse-Weg“: Sie ist ein interaktives Museum. Im Doku-Modus blättert ihr durch:
- eine interaktive Zeitleiste zum ersten Rayman,
- seltene Konzeptgrafiken und frühe Zeichnungen,
- Design-Dokumente und Auszüge aus einer „Game Design Bible“,
- und über 50 Minuten neue Entwickler-Interviews, die die bislang weitgehend unerzählte Entstehungsgeschichte beleuchten.
Wer also tiefer eintauchen will, kann das nun: Die Edition dokumentiert Raymans Ursprung mit großem Respekt, Fehlern inklusive, statt ihn zu glätten. Ihr seht, wie der limbolose Held optisch entstanden ist, welche Ideen verworfen wurden, und bekommt das Gefühl, eher in einer kuratierten Retrospektive zu sitzen als nur ein „altes Spiel“ zu starten.
Moderne Features
Zusätzlich kommen moderne Komfortfunktionen hinzu: Zurückspulen (oft in Schritten bis zu 60 Sekunden zurück), mehrere Speicherstände, sowie Zugänglichkeits-Optionen wie unendliche Leben, Unverwundbarkeit und sofortiges Freischalten von Leveln.
Für ein Spiel, das für seinen hohen Schwierigkeitsgrad berüchtigt ist, sind das echte Gamechanger: Das Zurückspulen ermöglicht es euch, Rayman einmal stressfrei bis zum Ende zu sehen. Nutzt ihr allerdings die extremen Hilfen, werden Trophies/Achievements deaktiviert – wer auf 100% aus ist, wird also trotzdem „ehrlich“ spielen müssen.
Der große Streitpunkt: Der ersetzte Soundtrack
So stark das Paket inhaltlich ist, so deutlich sticht ein Kritikpunkt heraus: Die originale Musik von Rémi Gazel fehlt komplett. Stattdessen wurde der Soundtrack „faithfully reimagined“ von Christophe Héral, den ihr vielleicht aus Rayman Origins/Legends kennt. Ubisoft spricht von einem immersiven, neu interpretierten Score, der den Geist des Originals einfangen soll.
Wenn ihr also mit Nostalgiebrille spielt, ist das vermutlich der Punkt, der am meisten wehtut: Ihr bekommt Level, Grafik und Gameplay sehr originalgetreu, aber die Ohrwürmer aus dem Wald der Träume oder Band Land klingen anders. Kein Totalausfall, aber eben eine bewusste Veränderung eines zentralen Bestandteils der Erinnerung.
Wie spielt sich Rayman 2026?
Abseits aller Museumsmagie ist die wichtigste Frage: Lohnt es sich, das Spiel wirklich zu spielen? Ich persönlich sage: Ja – mit den neuen Hilfen sogar mehr denn je. Das Leveldesign ist nach wie vor kreativ, die Grafik trotz ihres Alters erstaunlich hübsch, und die Grundmechanik – Helikopter-Frisur, aufladbare Faust, präzise Sprünge – trägt auch heute noch.
Der Schwierigkeitsgrad bleibt hoch, wenn ihr ohne Hilfen spielt; die Edition versteckt das nicht, sondern präsentiert Rayman eher stolz als eines der härteren 90er-Jump’n’Runs. Mit Zurückspulen und anderen QoL-Featuren könnt ihr den Biss aber dosieren: von „fast originalhart“ bis „ich will nur die Level sehen“ ist alles drin.
Fazit: Tolle Retrospektive mit kleiner Schramme
Rayman: 30th Anniversary Edition ist im Kern eine sehr liebevoll gemachte Dokumentation und Definitiv-Fassung des ersten Rayman, die fünf Plattformversionen, über 120 Zusatzlevel, einen SNES-Prototypen, eine umfangreiche interaktive Doku und starke Komfortfunktionen bündelt. Für mich mit Nostalgiebrille ist es die perfekte Gelegenheit, den Ursprung der Reihe gründlicher zu erleben, als das je zuvor möglich war – inklusive all der obskuren Bonusinhalte, von denen man damals höchstens in Zeitschriften gelesen hat.
Der Wermutstropfen ist der fehlende Original-Soundtrack von Rémi Gazel, der trotz eines guten neuen Scores von Christophe Héral wie ein Loch im Herzstück des Spiels wirkt – vor allem für Fans, die die Musik als integralen Teil ihrer Erinnerung sehen. Wenn ihr damit leben könnt, erhaltet ihr hier die bislang beste Möglichkeit, den ersten Rayman zu spielen und seine Entstehung zu verstehen. Wenn für euch aber genau dieser Sound unantastbar ist, wird die Edition sich eher wie eine fast perfekte, aber leicht bittersüße Geburtstagsparty anfühlen.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: ubisoft.com/de-de/games/rayman/editions/30th-anniversary