Schon beim ersten Aufsetzen der Meta Quest 3 und dem Start von „Reach“ wird klar: Hier wartet ein VR-Abenteuer, das klassische Plattform-Action mit cineastischem Flair und mutigen Ideen verbindet. Ob das alles so gelingt, wie es soll?
Zwischen Story und Bewegung
Entwickler nDreams möchte mit Reach das Gefühl echter, körperlicher Bewegung und das vibrierende Mittendrin-Gefühl liefern, von dem die Branche schon seit Jahren träumt. Die Erwartungen waren hoch – und die Umsetzung sorgte für einige echte Überraschungen.
Die Geschichte führt uns mit Protagonistin Rosa und ihrem Roboterbegleiter Atlas in eine verlorene, postapokalyptische Zivilisation. Nach einem dramatischen Start, bei dem Explosionen und Action pur geboten werden, verschlägt es Rosa tief unter die Erde. Dort entspinnt sich eine Reise zwischen antiken Maschinen, mysteriösen Relikten und überraschend emotionalen Momenten.
Das vorgetragene Storytelling hat durchaus Charme, bleibt aber teils im Hintergrund – vieles erschließt sich durch Dialogfetzen und Umgebungsdetails. Die Hauptfiguren sind glaubhaft, der Plot gut inszeniert, aber nicht für alle unvergesslich; es fehlt hier und da der große erzählerische Reiz, dennoch wirkt das Abenteuer erstaunlich stimmig.
Virtuelles Turnen mit Suchtpotential
Reach ist vor allem eins: ein wilder Mix aus Parkour, Kletterpartien und cleveren Rätseln, die den Fokus konsequent auf Bewegung setzen. Ihr rennt, springt, hangelt euch an Mauern entlang und schwingt per Sprungmechanik fast wie in Traumsequenzen von Plattform zu Plattform. Nichts für schwache Nerven, kann ich sagen.
Denn eins vorweg: Ihr solltet ein keine Höhenangst haben, wenn ihr euch in Reach durch die Gegend bewegt. Oftmals blickt ihr in finstere Tiefen, bei denen mir etwas mulmig wurde. Apropos: Die schnellen Bewegungen fordern euch ebenfalls einiges ab – insbesondere zu Beginn des Abenteuers.
Mittendrin im Untergang
Die Entwickler haben maximale Immersion realisiert – jede Armbewegung fühlt sich direkt an, das gesamte Interface sitzt „an“ euch: Kartendarstellungen, Waffenstatistiken und Gesundheitsanzeigen wandern auf Handschuhen und Bracern, alles ist auf natürliche Weise gelöst und blendet sich nicht störend ins Sichtfeld ein.
Die Steuerung ist dabei erfreulich präzise, auch wenn der Bewegungsdrang und das viele Geflitze zu Beginn durchaus auf den Magen schlagen können. Glücklicherweise bietet Reach komfortable, individuell einstellbare Optionen zur Bewegungsdämpfung und für Einsteiger:innen VR-typische Hilfen – nach kurzer Eingewöhnung will man die Dynamik gar nicht mehr missen.
Parkour-Passagen und kleine Sprungrätsel gehen wunderbar ins Blut über, sogar Stealth-Takedowns funktionieren mit griffiger Mechanik. Beim Kämpfen dagegen bleibt Reach etwas blass: Waffen und Nahkampf-Einlagen sind solide, aber keineswegs das Highlight – echte Adrenalinschübe gibt es vor allem beim Fliehen, Klettern oder Lösen komplexer Rätsel.
Hochwertig und fast wie Kino
Das große Plus der Meta Quest 3-Version ist die gelungene technische Umsetzung. Die Umgebungen sehen für Standalone-VR beeindruckend aus, auch wenn die Texturen nicht an PC oder PS VR2 herankommen. Die Optik bleibt klar, die Lichtstimmung atmosphärisch und die Framerate – abgesehen von seltenen Einbrüchen – stabil. Besonders toll: Die haptische Rückmeldung und die minimalistisch gehaltene, „eingebaute“ Benutzeroberfläche lassen einen die VR-Realität fast vergessen.
Aber: Nicht jeder Raum ist interaktiv, einiges wirkt wie reine Kulisse. Die Welt lebt dennoch von ihren Highlights: actionreiche Momente, Upgradestationen für neue Tools, versteckte Plattformen und einige spektakuläre Fluchtsequenzen. Die Soundkulisse sorgt für cineastische Tiefe, die Musik und Effekte bleiben lange im Ohr, und der Wechsel aus ruhigen Erkundungsphasen und dramatischen Verfolgungsszenen zieht gekonnt in den Bann.
Fazit: Reach – Mehr als nur VR-Turnen
Reach ist ein modernes Aushängeschild für rasantes VR-Gameplay mit Adventure-Charme und immersivem Plattformer-Flair. Die Steuerung und Bewegung sind unglaublich direkt, das „Mittendrin“-Gefühl macht süchtig und motiviert auch in längeren Sessions. Die Story kann nicht mit den ganz großen Vorbildern mithalten, bleibt aber solide. Kleinere Schwächen bei Combat und Weltinteraktion verzeiht man spätestens nach dem nächsten Sprung quer durch die Level. Wer Lust auf einen cineastischen Parcours in VR hat, findet hier mit der Meta Quest 3 ein echtes Highlight – und ein Stück Arcade-Sport, das Spaß macht und neue Maßstäbe im Genre setzt.
Erhältlich für: Meta Quest, PSVR 2, Steam VR
Webseite: ndreams.com/games/reach