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REANIMAL

Little Nightmares trifft Insel-Albtraum.

REANIMAL ist der neue Horrortrip von Tarsier Studios (Little Nightmares 1 & 2) – diesmal als eigene Marke und unter THQ Nordic. Und ja: Es fühlt sich über weite Strecken genau so an, wie man sich ein „Little Nightmares 3 von Tarsier“ vorgestellt hätte – nur erwachsener, brutaler und deutlich weniger märchenhaft. Technisch setzt das Studio auf Unreal Engine 5. Bereit für einen besonderen Horror-Trip?

Tarsier-DNA, aber ohne Schonung

Wer Tarsier kennt, weiß: Horror entsteht hier nicht aus billigen Jump-Scares, sondern aus Perspektive und Ohnmacht. Genau daran hält REANIMAL fest – nur wirkt es weniger wie ein düsteres Bilderbuch und mehr wie ein Albtraum mit Kriegsnarben. Die Welt ist grotesk, schmutzig, manchmal fast schon „zu real“ in ihren Anspielungen und Bildern. Dieses „Du bist klein, alles um dich herum ist falsch“ funktioniert sofort.

Insel der Schrecken: Zwei Kinder, ein Ziel

Ihr spielt (bzw. steuert) ein Geschwisterpaar, oft schlicht „Boy“ und „Girl“ genannt – beide mit Masken, beide verletzlich, beide in einer albtraumhaften Version ihrer Heimat gefangen. Der Einstieg setzt direkt den Ton: Wasser, Nebel, Flucht, Orientierungslosigkeit. Schon bald wird klar, dass ihr hier nicht „entkommen“ wollt, sondern etwas suchen müsst: Freunde, die in diesem Horror verschwunden sind. Das Storytelling bleibt dabei typisch Tarsier: fragmentarisch, über Szenen, Umgebungen und Momente erzählt – nicht über lange Dialoge.

Stealth, Flucht, leichte Rätsel – und ein bisschen „wehr dich“

Spielerisch ist REANIMAL ein survival-horroriges Adventure mit starkem Fokus auf Schleichen, Timing, Verstecken, Fliehen und Umgebungsrätsel. Ihr bewegt euch durch industrielle Gebäude, Küstenabschnitte, Innenräume, die zu eng wirken, und Orte, die wie aus einem Fiebertraum zusammenmontiert sind. Rätsel bleiben meist bewusst leicht, damit das Tempo nicht kippt – Schalter, Wege öffnen, kurz koordinieren, weiter.

Neu (und damit anders als in Little Nightmares): REANIMAL erlaubt gelegentlich auch Gegenwehr – etwa mit simplen Waffen wie einem Hebelwerkzeug – aber das fühlt sich eher wie „Notwehr im Panikmodus“ an, nicht wie ein Kampfsystem, auf das man bauen möchte.

Koop als Kernpunkt

REANIMAL ist voll spielbar allein oder im Koop (online & lokal). Und Tarsier baut das nicht als Anhängsel ein, sondern als Design-Leitplanke: gemeinsame, „dirigierte“ Kamera, die beide Figuren im Bild hält und dadurch die Klaustrophobie sogar verstärkt. Im Singleplayer läuft das zweite Kind als KI-Begleiter mit – und das funktioniert in der Praxis erstaunlich gut.

Dazu kommt ein echter Pluspunkt fürs Community-Spiel: REANIMAL bietet eine „Friend’s Pass“-Lösung, damit Online-Koop auch klappt, wenn nur eine Person das Spiel besitzt. Fand ich schon bei anderen Spielen eine coole Lösung. Und ganz ehrlich: Gemeinsam ist der Horror doch viel amüsanter.

Boot, Kamera, Setting: Wenn Tarsier loslegt, ist es meisterhaft

Was mich am meisten gepackt hat, ist dieses Tarsier-Talent fürs Setting, die man nicht vergisst: Sequenzen, in denen die Kamera genau den richtigen Winkel findet, Geräusche plötzlich „zu nah“ sind und man reflexartig langsamer läuft, obwohl das Spiel dazu gar nicht zwingt. Ein Highlight ist dabei das Reisen über Wasser/Boot-Passagen – atmosphärisch stark, aber nicht immer butterweich in der Steuerung.

Sounddesign: Angst aus dem Off

Sound ist bei Tarsier nie Tapete. Schritte, entfernte Metallgeräusche, Wind, das Echo in leeren Räumen – das ist der eigentliche Erzähler. Musik bleibt sparsam, und genau dadurch wirken Spitzen (Verfolgungen, Boss-Momente, plötzliche Stille) umso härter. Ja, das trägt den Horror mindestens so sehr wie die Monsterdesigns.

Schwächen: Ungelenke Momente und eine Story, die nicht immer zusammenhält

So stark die Stimmung ist: REANIMAL wirkt stellenweise wie eine Reihe extrem guter Horror-Vignetten, die nicht immer zu einem völlig runden Ganzen verschraubt sind. Dazu kommen kleinere technische/leserliche Stolperer (Kamera/Übersicht, einzelne Glitches je nach Plattform) und Momente, in denen Mechanik und Inszenierung kurz gegeneinander arbeiten.

Und dann ist da noch die Länge: Je nach Spielstil ist man eher im Bereich „kurz, aber intensiv“ (um die 4–5 Stunden) – was okay ist, wenn man genau diese konzentrierte Wucht sucht, aber für manche zu schnell vorbei sein dürfte.

Fazit: Tarsiers Albtraum sitzt – und Koop macht ihn noch fieser

REANIMAL ist nicht einfach „mehr Little Nightmares“, sondern eine dunklere, erwachsenere Ausprägung davon: weniger Märchen, mehr Abgrund. Spielerisch bleibt es bewusst reduziert (Stealth, Flucht, leichte Rätsel), aber die Audiovision, das Monsterdesign, das Setting und die ständige Anspannung sind Tarsier in Hochform. Besonders stark: Der Koop, der durch die gemeinsame Kamera sogar noch beklemmender wirkt – und dank Friend’s Pass angenehm zugänglich ist.

Wenn ihr Little Nightmares liebt und mit einem härteren Ton leben könnt, ist REANIMAL ein Pflichttrip. Und wenn ihr jemanden habt, der mutig genug ist, mit euch auf diese Insel zu fahren: Zu zweit wird’s nicht leichter – nur unvergesslicher.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: reanimal.thqnordic.com