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Rennsport

Neue Sim-Hoffnung auf Konsole?

Rennsport von Nacon (entwickelt von Competition Company und Teyon) will nichts weniger, als eine neue Größe im Simracing zu werden – und das gleich plattformübergreifend auf PC, PS5 und Xbox Series.

Auf dem Papier klingt das klasse: Unreal Engine 5, Crossplay, fokussierte GT3- und Prototypen-Action, solide Esport-Ausrichtung. In der Praxis zeigt sich ein Spiel, das fahrerisch begeistert, aber beim Content und Drumherum noch nicht auf Pole-Position steht. Aber das kann ja noch werden.

Fahrgefühl: Starke Basis auf Reifen

Wie gesagt: Auf der Strecke ist Rennsport klar in seinem Element. Das Handling wirkt glaubwürdig und angenehm lesbar, egal ob man mit Lenkrad oder Controller unterwegs ist – ein Punkt, in dem sich der Titel positiv von manch härterem Konkurrenten absetzt.

Gewichtstransfer, Gripaufbau und das Spiel mit den Kerbs vermitteln ein stimmiges Gefühl dafür, wo das Auto steht; leichtes Überfahren der Curbs fühlt sich gefährlich an, Offtrack im Kies wird akustisch und haptisch eindrucksvoll quittiert.

Ein Fest für Profis und Neulinge

Force Feedback auf High-End-Bases wie einem Fanatec DD2 wird als detailliert, kommunikativ und relativ unkompliziert zu konfigurieren beschrieben. Der Sweet Spot liegt eher auf „gut fahrbar“ als auf brutaler, fehlerverzeihungsloser Hardcore-Sim – man kann GT3 und Hypercars sehr aggressiv in Kurven werfen, ohne ständig am Limit zu taumeln, was Einsteiger:innen entgegenkommt, Puristen aber leicht zu „grippy“ finden.

Grafisch ist das Bild gemischt. Fahrzeuge und Strecken sind ordentlich modelliert, die Bildstabilität ist auf PC, Xbox und PS5 hoch, und Effekte wie Schmutz, Reifenabrieb und deformierbare Schäden setzen Akzente. Gleichzeitig trüben Kantenflimmern, schwache Spiegelungen und teils unruhige Details den Next-Gen-Eindruck, sodass die Präsentation eher funktional als spektakulär wirkt. Aber das lässt sich meiner Meinung nach gut verschmerzen.

Umfang: Noch zu wenig für einen Vollpreis-Start

Beim Content zeigt sich deutlich, dass Rennsport noch am Anfang seines Lebenszyklus steht. Der aktuelle Fuhrpark umfasst rund 18 Fahrzeuge, vor allem GT3-Boliden plus einige Prototypen, dazu etwa 12 Strecken, mit zwei zusätzlichen Nordschleifen-Varianten für die teurere Edition. Für eine Simulation, die sich mit Assetto Corsa, iRacing oder Gran Turismo messen will, wirkt das schlicht noch zu dünn.

Auch auf der Modus-Seite gibt es Licht und Schatten.

Positiv: 
- Solide Einzelevents und Meisterschaften mit KI, deren Niveau sich flexibel einstellen lässt. 
- Eine funktionierende Online-Struktur mit Crossplay und flotten Rennbeitritten – Sessions starten stabil, Netcode-Probleme oder Lag sind laut Tests selten.

Weniger überzeugend: 
- Die Karriere wirkt laut mehreren Reviews „unaufregend“ und generisch, ohne echte Dramaturgie oder das Gefühl, sich durch Serien und Klassen hochzuarbeiten. 
- Komfortfunktionen wie bessere Rücksetzlogik bei verpassten Checkpoints oder umfangreichere Wiederholungswerkzeuge sind nur rudimentär vorhanden oder unausgereift.

Kurz gesagt: Das Grundgerüst steht, aber im Vergleich zu den etablierten Platzhirschen fehlen noch Modi, Autos, Strecken und Feinschliff, um als komplettes Paket durchzugehen.

UI, Features & Monetarisierung

Die Benutzeroberfläche ist hingegen gut geworden: Menüs sind klar strukturiert, die HUD-Anzeige ist selbst auf Konsole frei konfigurierbar, und beim ersten Start hilft ein Assistent bei der Lenkrad-Einrichtung – ein sehr willkommenes Detail. Animierte Boxenstopps mit Checkliste, ein internes Achievements-System à la Forza Horizon und viele kleine Komfortkniffe deuten an, dass hier durchaus mitgedacht wurde.

Kopfschütteln löst hingegen das aktuelle Preis- und Monetarisierungsmodell aus: Für einen Vollpreistitel ist der vorhandene Umfang knapp, gleichzeitig kursieren Berichte über teure, rein kosmetische Assets und einen verwirrenden DLC-/Shop-Ansatz. All das führt dazu, dass Rennsport sich eher wie ein solides Early-Access-Grundmodul anfühlt, das schrittweise wachsen soll – preislich aber schon als fertiges Premiumprodukt auftritt.

Fazit: Fahrspaß mit langer Ausbaustrecke

Rennsport liefert auf der Strecke genau das, was Simracing-Fans sich wünschen: ein glaubwürdiges, spaßiges Fahrgefühl, das sowohl mit Controller als auch mit Lenkrad überzeugt, dazu stabile Technik und eine ernstzunehmende Online-Basis mit Crossplay. In diesen Kernbereichen steht das Spiel bereits heute gut da und bietet gerade Konsolenspielern, die sich vor Über-harten Sims scheuen, einen willkommenen, zugänglichen Einstieg in ernsthafte Rennsimulationen.

Als Gesamtpaket bleibt aber ein deutliches „Noch nicht“: Zu wenig Autos und Strecken, eine blasse Karriere, fehlende oder unausgereifte Komfortfunktionen und eine fragwürdige Monetarisierung verhindern, dass Rennsport sich schon jetzt als Must-have der Szene empfehlen kann. Wer primär Wert auf Fahrphysik legt, gern online gegen andere antritt und bereit ist, auf künftige Content-Updates zu setzen, kann schon jetzt Spaß haben. Wer dagegen ein vollgepacktes Sim-Brett im Stil der etablierten Giganten erwartet, sollte Rennsport im Auge behalten – aber dem Titel noch ein paar Boxenstopps Zeit geben, bevor er um den Titel „neuer Sim-König“ mitfährt.

Erhältlich für: Xbox, PS 
Webseite: nacongaming.com/de-DE/rennsport