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Resident Evil 4

Kann ein Remake tatsächlich besser sein als das Original? Resident Evil 4 tritt diesen Versuch an.

Immer wenn ein Remake erscheint, merke ich, wie alt ich doch geworden bin. Denn beim 2005 erschienenen Resident Evil 4 war ich bereits nicht mehr der Jüngste – und das ist jetzt 18 Jahre (!) her. Nun also lässt euch Capcom erneut den Horror von damals spüren. In einer Remake-Version lehren euch die Horror-Expert:innen das Fürchten. Und das wird spannend: Denn Resident Evil 4 war und bleibt bis heute einer der beliebtesten Serienvertreter für viele Fans. Das Remake muss also haushohe Erwartungen erfüllen.

Mehr als nur hübscher

Eins zuerst vorweg: Resident Evil 4 ist nicht nur eine rein grafisch aufgemotzte Version des Originals. Vielmehr ist es eine moderne Neuinterpretation des Horrors von damals in zeitgemäßer Optik. Und das fällt direkt zu Beginn ins Auge. Wüsste ich nicht vom Original, käme mir nie die Idee, dass es sich hier um ein älteres Spiel handelt. Denn sowohl grafisch als auch spielerisch ist das hier ganz nah am Puls der Zeit. Mehr dazu dann gleich im weiteren Test. Blicken wir aber kurz auf die Geschichte.

Inzwischen sind seit Teil 3 und den schrecklichen Vorfällen in Racoon City sechs Jahre vergangen. Leon S. Kennedy arbeitet nun als Agent für den Präsident der Vereinigten Staaten höchstpersönlich. Als dessen Tochter Ashley entführt wird, ist es an Leon sie zu retten. Die Spur führt in irgendein europäisches Hinterland zu einem kleinen Dorf. Und dort nimmt der Wahnsinn wortwörtlich seinen Lauf.

Bereits in den ersten Minuten pulsiert hier das düstere Herz der Resident Evil Reihe. Die bedrohliche Atmosphäre, die dreckigen Details und der gelungene Sound jagen einem Gänsehaut über den Rücken. Genau das macht die Franchise aus – und Resident Evil 4 fängt das perfekt ein.

Explosive Spaß-Mischung

Teil 4 verbindet aber drei Elemente hervorragend: Survival-Horror, Action und Rätsel. Diese Mischung verdankt Resident Evil 4 auch, dass es nie langweilig oder -atmig wird. Ständig herrscht ein herrlicher Flow, der einen bereits nach den ersten Spielminuten packt und erst am Ende wieder loslässt. Hinzu kommen die ständig neuen Herausforderungen und teils kryptischen Anforde-rungen an eine neue Spielszene. Beispiel gefällig? Was mache ich denn jetzt, wenn dieser Ketten-sägen tragende Irre hinter mir her ist und ich nur eine Handvoll Munition bei mir habe? Manchmal hilft nur Trial and Error, um das herauszufinden.

Aber gerade solche Szenen lassen Resident Evil 4 aus dem Einheitsbrei an Horror-Spielen her-vorstechen. Hinzu kommt ein Feature, das ich persönlich sehr zu schätzen weiß: Ihr habt hier keine offene Welt vor euch, sondern teils sehr schlauchige Levels. Ja, das ist recht Old School, aber auch so befriedigend. Denn dadurch schaffen es die geskripteten Sequenzen immer wieder mich zu packen. Inzwischen weiß ich bei offenen Welten meist nie, wohin ich als nächstes soll. Daher liebe ich das Level-Konzept von Resident Evil.

Das soll allerdings nicht heißen, dass eure Vorgehensart ebenso beschränkt ist – ganz im Gegenteil. Ihr solltet kreativ werden, um das Böse zu bekämpfen. Denn Munition ist rar gesät und sogar euer Nahkampf ist nicht immer vorhanden. Denn Leons Messer bricht in regelmäßigen Abständen auseinander. Dann heißt es warten, bis ihr wieder auf den mysteriösen Händler trefft, der euch das Teil repariert. Aber er kann noch mehr: Der Händler hat auch hier und da neue Waffen im Angebot oder verbessert eure vorhandenen Wummen. Davon solltet ihr auch tunlichst Gebrauch machen.

Lukrative Nebenjobs

Für die besonders starken Upgrades braucht ihr dann auch eine besondere Währung. Die erhaltet ihr, wenn ihr Aufträge für den Händler erfüllt, die ihr immer mal wieder in Form von angepinnten Zetteln in der Gegend findet. Diese beschränken sich meist auf einen bestimmten Bereich und lockern das Spielgeschehen auf. So müsst ihr mal nach fünf Medaillons Ausschau halten oder Ratten vernichten. Eine motivierende Abwechslung.

Auch spielerisch schmeißt euch Resident Evil 4 immer wieder in unterschiedliche Situationen. Manchmal sollt ihr vorsichtig schleichend eure Feinde überwältigen. Mal kommen Horden davon auf euch zu. Ein anderes Mal seid ihr mit einem Jetski auf dem See unterwegs oder bereist ein Höhlensystem mit einer Lore. Was ich Resident Evil 4 hier sehr zugute halten muss: Die lästigen Quick-Time-Events aus dem Original gehören der Vergangenheit an. Und genau deswegen über-trifft dieses Remake auch das Original in allen Belangen – was ich bisher selten erlebt habe.

Fazit

Ich muss es sagen, wie es ist: Resident Evil 4 ist der neue Benchmark in Sachen Survival-Horror. Der viel gelobte vierte Teil der Reihe bekommt hier ein starkes Remake, das die Messlatte nochmal höher setzt als das Original. Das Konzept geht auch noch fast 20 Jahre später immer noch bestens auf. Ein Dank gilt natürlich der starken Grafikengine und der modernen Steuerung, die sich frisch anfühlt. Rund 15 bis 20 Stunden werdet ihr hier euren düsteren Spaß haben. Ich schlage mich gerne mit Leon durch diesen kultigen Serienteil und kann es jedem empfehlen, der das Genre auch nur entfernt mag.

Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: residentevil.com/re4/de