Resident Evil Requiem ist nach allem, was ich erlebt und gelesen habe, ein verdammt starkes Resident Evil geworden: ein Spiel, das die klaustrophobische Angst von Resident Evil 7 mit der offensiveren Wucht von Resident Evil 4 erstaunlich elegant zusammenführt. Nicht jede Passage hält dieses Gleichgewicht perfekt, aber unterm Strich wirkt Requiem wie einer der souveränsten Versuche der Reihe, ihre zwei großen Persönlichkeiten in einem einzigen Spiel zu vereinen. Echt stark!
Zwei Helden, zwei Tonlagen
Capcom stellt euch mit FBI-Analystin Grace Ashcroft und Serienveteran Leon S. Kennedy zwei Hauptfiguren an die Seite, deren Wege sich im Verlauf der Geschichte zunehmend miteinander verweben. Gerade dieser Doppelansatz macht den Titel so spannend, weil Grace stärker für bedrückenden Survival-Horror steht, während Leon die actionlastigere, abgebrühtere Seite der Serie verkörpert.
Das klingt erst einmal nach einem riskanten Spagat, funktioniert aber erstaunlich gut, weil sich beide Figuren spielerisch und tonal sinnvoll ergänzen, statt gegenseitig zu sabotieren. Für euch bedeutet das: Ihr bekommt nicht einfach zwei Skins für dasselbe System, sondern tatsächlich zwei verschiedene Arten, Resident Evil zu erleben.
Gameplay zwischen Panik und Powerfantasie
Requiem erlaubt es, jederzeit zwischen First-Person- und Third-Person-Perspektive zu wechseln, wobei Grace standardmäßig stärker mit der engeren, unmittelbaren Horrorwirkung der Ich-Perspektive assoziiert wird.
Leon passt eher zur dynamischeren, actionfreundlichen Kameraführung. Genau daraus zieht das Spiel einen Großteil seiner Spannung, weil es euch mal nervös durch enge, grausige Abschnitte schleust und kurz darauf mit härteren Kämpfen und größerer Bewegungsfreiheit belohnt.
Ich fand es erstaunlich, wie sauber Capcom diese beiden Spielarten ineinander verzahnt hat. Besonders am Anfang zeigt das Wirkung, die später abnimmt: Das Spiel verschießt die stärkeren Horrorpassagen gleich in den ersten Stunden und wird im späteren Verlauf spürbar schießwütiger, wodurch die Balance nicht durchgehend gleich fein austariert wirkt. Aber wenn ich an dieses Kinderbuch denke, das ich einem Raum gefunden hatte („Im Dunkeln lauert das Grauen“), bekomme ich jetzt noch eine Gänsehaut.
Atmosphäre, Gore und Monster
Was ich oft gelesen habe: Requiem soll eines der bislang unangenehmsten, blutigsten und atmosphärisch dichtesten Resident-Evil-Spiele überhaupt sein. Ich kann dem Spiel eine dunkle, pessimistische Grundstimmung attestieren. Atmosphärisch ist das ganz großes Kino!
Das ist auch der Punkt, an dem Requiem seine größte Wucht entfaltet. Es will euch nicht nur erschrecken, sondern euch ständig das Gefühl geben, dass ihr durch die Nachwirkungen jahrzehntelanger biowaffengetriebener Katastrophen lauft. Gerade dadurch wirkt der Horror nicht wie reine Geisterbahn, sondern wie ein bewusstes Nachspüren der Serienvergangenheit.
Geschichte mit Serienerbe
Inhaltlich arbeitet Requiem stark mit dem Vermächtnis der Reihe, also nicht bloß einen neuen Ausbruch, sondern mit den Folgen früherer Resident-Evil-Katastrophen für Menschen und Institutionen. Ich persönlich fand die Geschichte um Grace und ihre Mutter sehr emotional und spannend.
Genau hier wirkt Requiem wie mehr als nur „Resident Evil 9“. Vieles deutet darauf hin, dass Capcom die Geschichte als Rückschau und Aufbruch zugleich angelegt hat: als Hommage an 30 Jahre Survival Horror, aber auch als klare Standortbestimmung für die Zukunft der Serie. Das passt auch zum Namen erstaunlich gut, weil „Requiem“ eben nicht nur nach Abschied klingt, sondern auch nach Verarbeitung und Neubeginn.
Was nicht ganz rund läuft
So viel Lob das Spiel gerade einsammelt, ganz ohne Reibung kommt es nicht davon. Etwas zu bemängeln ist, dass die starre Wechselstruktur zwischen Grace und Leon das Pacing stellenweise etwas festnagelt und euch weniger Freiheit lässt, als man sie sich von einzelnen Resident-Evil-Abschnitten vielleicht wünschen würde.
Hinzu kommt, dass sinnvolle Nebeninhalte offenbar eher knapp ausfallen. Requiem scheint also eher als stark inszenierter Hauptlauf zu glänzen als als besonders üppiges Gesamtpaket für Endgame-Fans. Aber das sind Dinge, die man auch leicht verkraften kann.
Fazit
Resident Evil Requiem scheint genau das Spiel geworden zu sein, auf das viele von euch seit Jahren gehofft haben: ein Hauptteil, der das nervöse Zittern früher Horrorpassagen mit der schweißtreibenden Wucht späterer Actionphasen in ein überraschend stimmiges Ganzes gießt.
Die Balance kippt nicht immer perfekt, Zusatzmodi fehlen schmerzlich, und manche Strukturentscheidungen wirken etwas zu strikt, aber wenn ihr Resident Evil für seine Angst, seine Monster und seine wunderbar absurde Eskalation liebt, dann sieht es ganz danach aus, als hätte Capcom hier einen echten Volltreffer gelandet.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Webseite: residentevil.com/requiem/en-us