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Return to Monkey Island

Achtung, ein dreiköpfiger Affe! Das wohl berühmtests Piratenabenteuer der Videospielgeschichte kehrt zurück.

Er ist wieder da – endlich. Guybrush Threepwood, der Möchtegern-Pirat, kehrt nach über 30 Jahren wieder an den Ort seiner ersten Abenteuer zurück. Und Entwicklerlegende Ron Gilbert führte diesmal höchst persönlich Regie. Für Fans geht mit Return to Monkey Island ein fast schon vergessener Traum in Erfüllung. Aber kann das klassische Point-and-Click-Adventure von Terrible Toybox den hohen Erwartungen wirklich gerecht werden? Schauen wir es uns mal an.

Diese Momente ...

Einige Szenen sind unvergesslich: Der dreiköpfige Affe, das Fluch-Duell oder der unverkennbare Humor. Monkey Island schrieb Anfang der 1990er-Jahre Geschichte. Teil 1 und 2 waren Meilensteine für Ron Gilbert und Aushängeschilder für das damals äußerst populäre Genre der Adventures. Doch dann kehrte Ruhe ein. Monkey Island bekam zwar die ein oder andere Fortsetzung, aber wirklich happy waren die Fans damit nicht – obwohl Teil 3 sich durchaus sehen lassen konnte. Über die anderen Ableger wollen wir hier gar nicht sprechen.

Das größte Problem war allerdings immer das Ende von Teil 2. Denn das wurde nie wirklich aufgelöst. Und da Ron Gilbert bei Teil 3 nicht mehr zur Verfügung stand, blieb das Geheimnis von Monkey Island lange Zeit verborgen. Nun kommt als Return to Monkey Island und verspricht diese Lücke zu schließen. Ob dem Spiel das gelingt, wollen wir hier natürlich nicht verraten. Sagen wir so: Der Ansatz ist interessant und das Geschehen reiht sich durchaus in Anlehnung an die anderen Teile in die Saga ein.

Schaltet die grauen Zellen ein

Was die Reihe und auch andere Vertreter immer so reizvoll machte, sind die Rätsel und die Story, die ihr erleben werdet. Auch Return to Monkey Island lebt von seinen Rätseln und der Geschichte. Allerdings weiß Ron Gilbert auch, dass einige Spieler:innen wohl zu klein oder noch nicht gelebt hatten, als die Vorgänger auf den Markt kamen. Daher gibt euch Return to Monkey Island einen charmanten Rückblick auf die bisherigen Ereignisse der vergangenen Teile. Was direkt auffällt: Die Synchronstimme ist hervorragend gewählt – allerdings nur auf Englisch. Mit deutschen Untertiteln kommt ihr aber immer gut mit.

Seid ihr dann wieder auf dem neusten Stand der Dinge, geht das Abenteuer auch direkt los. Doch eine Frage müsst ihr noch beantworten: Wollt ihr die einfache oder härtere Variante spielen? Im einfachen Modus werden Teile von Rätseln weggelassen, was oftmals zu einfach ist. Ich empfehle euch wärmstens den härteren Modus. Mit etwas Hirnschmalz und ausprobieren kommt ihr schon auf die richtigen Lösungen. Und falls ihr doch mal hängen solltet, habt ihr eine praktische Ingame-Hilfe, die euch Schritt für Schritt zur Lösung führt.

Bequem ins neue Jahrhundert

Bei den Rätseln merkt man aber schnell, dass sich Terrible Toybox einige Komfortfunktionen überlegt hat. Denn neben der Rätselhilfe bekommt ihr wichtige Hotspots per Knopfdruck angezeigt – und nicht nur das: Ihr seht auch, wie ihr mit diesen interagieren könnt. Zusätzlich lassen sich nur noch Dinge kombinieren, die auch wirklich zusammengehören. Auch das spart euch viel Zeit und Frust. Für meinen Geschmack ist es damit manchmal zu einfach – was mir allerdings zeitlich sehr zugute kommt.

Für Nostalgie sorgen altbekannte Schauplätze wie Melée Island oder die namensgebende Affeninsel. Auch Charaktere aus den alten Teilen werdet ihr wiedertreffen – sofern ihr die Vorgänger noch kennt. Mit dabei ist selbstredend auch der Oberschurke LeChuck, seines Zeichens ein Geisterpirat, der Guybrush das Leben schwer macht. Zwischen all dieser Nostalgie muss ich aber auch einen Schritt zurück gehen und das Gesamtwerk betrachten – und da fallen mir einige Schönheitsfehler auf.

Geschmacksache

Zunächst einmal wäre da die Optik: Mir persönlich gefällt der Stil und ich finde die hitzigen Dis-kussionen im Vorfeld für unberechtigt. Aber ja, es ist Geschmackssache. Hier und da hätte es ein paar mehr Details schon vertragen können. Jedenfalls ist das nicht mein Kritikpunkt. Vielmehr muss ich das verschenkte Potenzial beklagen: Man hätte alte Standorte wieder schick aufleben lassen können und neue Schauplätze hinzufügen dürfen. Das hat Terrible Toybox zwar hier und da gemacht – aber es fehlt an Substanz. Einige der Bildschirme, auf denen ihr zu Gast seid, ist erstaunlich wenig bis gar nichts zu tun.

Hinzu gesellt sich das recht monotone Rätsel-Design. Viel zu oft musste ich an bereits besuchte Schauplätze zurückkehren, an denen dann urplötzlich ein neues Item zu finden war, das es vorher dort nicht gab. Das alles ist zwar gut zu verschmerzen, aber es trübt ein wenig den Spielspaß. Auch über die Länge des Abenteuers haben sich einige Fans bereits beschwert. Aber mit rund zehn Stunden Spielzeit bin ich sehr zufrieden.

Fazit

Guybrush ist endlich wieder zurück – und ich bin froh darüber. Return to Monkey Island kann die haushohen Erwartungen zwar nicht erfüllen, aber das hätte ich auch nie gedacht. Dennoch versprüht es seinen ganz eigenen Charme, der leider nie an die Originale herankommt. Ein bisschen mehr Mut hätte es noch vertragen können – mehr Ecken und Kanten wären hier gut gewesen und nicht das Ziel allen zu gefallen. Aber dieses Problem haben auch andere moderne Spiele heute.

Die Komfortfunktionen und das skalierbare Schwierigkeitssystem macht Return to Monkey Island zu einem Adventure für jede Zielgruppe. Das Spiel wird das Genre wohl nicht wiederbeleben können, zeigt aber, wie schön es sein kann, wenn man sich nur auf Rätsel und eine spannende Story konzentriert. Und wer weiß – vielleicht taucht Guybrush ja bald irgendwann wieder auf. Mich würde es jedenfalls sehr freuen.

Erhältlich für: PC, Switch
Website: returntomonkeyisland.com