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Reveil

Psychologischer Horror mal ganz anders.

Was genau will das deutsche Studio Pixelsplit und Publisher Daedalic hier “aufdecken”? In Reveil nehmen sie euch mit auf eine psychedelische Reise durch Träume, Erinnerungen und Einbildung. Hier ist meistens nichts so, wie es scheint.

Erwachen des Grauens

Der ehemalige Bühnenbild-Bauer Walter Thompson hat ein Problem: Seine Tochter und seine Frau sind nicht mehr da. Aber warum? Was ist passiert? Das will ich in Reveil herausfinden. Dazu mache ich mich auf eine visuell beeindruckende Reise durch surreale Welten.

Weil ich es schon angeschnitten habe: Reveil bezaubert durch detailverliebte und sehr anschauliche Optik. Einen großen Teil machen die Farben und noch mehr die Licht-Effekte aus. Die Macher:innen von Pixelsplit zeigen, dass auch kleine Studios zu viel fähig sind. Während der gesamten Spielzeit (mehr dazu gleich) stand ich öfters staunend da und war verzaubert.

I'm walking …

Spielerisch ist Reveil eher mau. Es erinnert mich an Titel wie What Remains of Edith Finch oder andere Walking Simulatoren. Hier steht eindeutig die Story im Mittelpunkt und die Faszination am Ungewöhnlichen. Ihr habt es zwar hin und wieder mit ein paar Rätseln zu tun, aber diese sind eher Beschäftigungstherapie als wahre Rätsel. Man weiß bei Reveil aber nie, ob es ernst gemeint ist oder nicht. Das gilt auch für eine Schleich-Passage, die insgesamt sehr aufgesetzt wirkt.

Und genau dieser Spagat macht Reveil zu großen Teilen so besonders: Ihr könnt euch nie sicher sein, was hier gerade passiert. Walter taumelt durch ein Wirrwarr an Alptraum, Erinnerungen und trügerischer Vorstellung. Seine Reise führt durch einen Zirkus, einen Zug oder einen dunklen Wald. Die Orte sind faszinierend dargestellt und wecken das Interesse an der Auflösung dieses Spielchens.

Perplex

Diese Auflösung werde ich euch natürlich nicht verraten. Nur so viel: Sie ist schon sehr ungewöhnlich. Ja, man könnte schon frech dazu sagen. Und irgendwie habe ich mich am Ende veräppelt gefühlt. War das vielleicht der Sinn von Reveil? Wollte das Spiel genau das aufdecken? Auch wenn es verschiedene Auflösungen gibt, stand ich am Ende immer wieder wie der Ochs vorm Berg oder ein Schüler mit heruntergelassener Hose vor der Klasse.

Jedenfalls hat Reveil es geschafft, dass ich mich an das Ende erinnere – fragt sich, ob es den Preis wert war. Ihr könnt euch gerne selbst ein Bild davon machen. Nach rund fünf Stunden solltet ihr ebenso perplex wie ich dastehen. Allerdings kann ich nicht wirklich sagen, ob das gut ist oder nicht. Und mit diesem Mischmasch an Gefühlen geht es zum Abschluss.

Fazit

Reveil wandelt abseits der eingetretenen Pfade von seinen Genre-Kollegen. Das ist zum größten Teil auch wirklich erfrischend. Ebenso erfrischend, wenn man das bei einem Horror-Spiel sagen kann, ist das Setting, in dem sich Protagonist Walter Thompson aufhält. Das Zirkus-Milieu hat seinen Reiz. Besonders beeindruckt war ich von der grafischen Präsentation, die Pixelsplit hier aufs Parkett legt. Weniger angetan war ich im Nachhinein vom spielerischen Korsett, das nie mehr ist als seichte Beschäftigung. Am Ende wirft die Auflösung aber alles über den Haufen – in einer merkwürdigen, fast enttäuschenden Weise. Fans von klassischem Horror werden vielleicht die Nase rümpfen. Daher kann ich Reveil auch nur bedingt empfehlen.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: pixelsplit.games/portfolio/reveil