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Rightfully, Beary Arms

Weltraumbär, Waffenwahn und ein fieser Haken.

Wenn ihr beim Titel erst an ein Kinderbuch und dann an das zweite Verfassungszusatzrecht in den USA denkt, seid ihr genau in der Stimmung, die Rightfully, Beary Arms haben will. Waffen marsch, du niedliches Bärchen!

Ihr steuert einen knuffigen Weltraumbären im Astronautenanzug, rennt durch neonbunte Arenen, sammelt absurd viele Waffen – und steckt mitten in einem Roguelite-Bullet-Hell, das deutlich weniger harmlos ist, als der erste Eindruck vermuten lässt. Auf geht’s!

Ballern, was das Zeug hält

Im Kern ist das Spiel ein Twin-Stick-Shooter aus der Vogelperspektive. Ihr bewegt Beary mit dem linken Stick, zielt unabhängig mit dem rechten Stick und weicht einem Dauerregen aus Projektilen aus, der klar an Enter the Gungeon erinnert.

Räume werden zufällig zusammengestellt, jede Zone gehört zu einer eigenen Feindfraktion mit typischen Angriffsmustern, und ihr kämpft euch Raum für Raum vorwärts, bis ihr entweder den Boss legt oder in einem Meer aus bunten Kugeln untergeht.

Jeder Anlauf einzigartig

Die Besonderheit ist, wie viel Kontrolle ihr über euren Run bekommt. Die Karte verzweigt sich in mehrere Richtungen, statt euch wie in vielen Roguelites nur eine Handvoll linearer Optionen vorzusetzen. Jeder erreichbare Raum zeigt euch schon im Vorfeld, was euch ungefähr erwartet: Symbol für den Terrain-Typ, für die Fraktion, für die wahrscheinlichen Rewards – mehr Geld, mehr Waffen, mehr Skillpunkte, vielleicht ein Shop.

Ihr plant also euren Weg bewusst: „Noch ein Risiko-Raum für die Chance auf eine starke Waffe, dann ein Heal-Raum zum Durchatmen.“ Das fühlt sich eher wie ein taktischer Dungeon-Crawl an als wie das blinde Durchrennen generischer Korridore.

Ein ewiges Hin und Her

Und dann kommt der eigentliche Twist: das Calamity-System. Sterbt ihr, ist der Run nicht einfach vorbei im klassischen „Alles weg, von vorn“-Sinne. Zwischen den Anläufen müsst ihr nämlich nicht nur euch aufwerten, sondern auch die Gegenseite. Für jede Runde, die ihr verliert, wählt ihr Verbesserungen für eure Feinde – mehr HP, neue Angriffsmuster, zusätzliche Elite-Gegner – während ihr parallel mit gesammelter Inspiration permanente Upgrades für Beary kauft, die im Skilltree als „Prooves“ verteilt sind.

Dieser Skilltree ist übrigens pro Spielstart zufällig angeordnet. Welche Boni früh erreichbar sind und welche tief in der Struktur liegen, variiert, sodass sich jeder Durchlauf ein bisschen anders anfühlt.

Das Calamity-Prinzip sorgt dafür, dass ihr nie einfach ins „easy farmen“ rutscht: Je länger ihr spielt, desto gefährlicher werden die Runs automatisch, weil die Feinde mit euch mitskalieren. Das ist clever, verlangt euch aber auch ab, bewusst zu balancieren, welche Art von Power ihr euren Gegnern gebt – ihr seid gewissermaßen euer eigenes New Game Plus.

Runde Sache

Spielerisch fühlt sich Rightfully, Beary Arms in den besten Momenten richtig gut an. Die Waffenpalette ist herrlich bekloppt: Neben klassischen Pistolen, Schrotflinten und Raketenwerfern findet ihr Dinge wie Kleberkanonen, Laser-kotzende Katzen oder Schießeisen mit einem Stat für „Sex Appeal“ – jawohl, das ist eine tatsächliche Zahl im Interface.

Die Arenen reichen von Bowlingbahnen, in denen Tische Kugelhagel auslösen, bis zu Arcadehallen mit leuchtenden Automaten und Sci-Fi-Hangars voller Deckungselemente.

Das Zusammenspiel aus Waffenverhalten, Dashing und Gegnerdesign ist dabei die eigentliche Kunst. Euer Dash gibt euch kurzzeitig Unverwundbarkeit, lässt sich aber nicht völlig spammen und verhält sich je nach Untergrund etwas anders.

Brutal niedlich

Was die Präsentation angeht, macht Rightfully, Beary Arms viel richtig. Das Pixelart ist detailverliebt, die Umgebungen sind visuell klar voneinander zu unterscheiden, und das Bullet-Gewitter ist dank kräftiger Glow-Effekte gut lesbar.

Jeder Raum hat genug Wiedererkennungswert, um nicht wie generischer Pixel-Salat zu wirken, und die verschiedenen Gegnerfraktionen bringen eigene visuelle und mechanische Identitäten mit, ohne das Spiel in Reizüberflutung kippen zu lassen. Die Musik pendelt zwischen treibenden Tracks und spacig-verspielten Melodien, die gut zum Kontrast „süßer Bär, harte Kugeln“ passen.

Fazit

Unterm Strich ist Rightfully, Beary Arms ein eigenwilliger, aber sehr interessanter Vertreter der Roguelite-Bullet-Hell-Schule. Es sieht niedlich aus, klingt verspielt, spielt sich aber wie ein ernstzunehmendes, manchmal gnadenloses Systemspiel, das euch nicht nur mechanisch, sondern auch strategisch fordert.

Wenn ihr euch darauf einlasst, bekommt ihr einen Waffen schwingenden Weltraumbären, der mehr Persönlichkeit, mehr Ideen und mehr Biss mitbringt, als sein flauschiger Anzug vermuten lässt – und Runs, bei denen ihr euch zu Recht fragt, ob ihr eure „Right to Beary Arms“ wirklich so verantwortungsvoll genutzt habt.

Erhältlich für: Xbox, PC 
Webseite: daylightbasementstudio.com/games/rightfullybearyarms