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RoboCop: Unfinished Business

Metall trifft Nostalgie.

Im November 2023 überraschte Teyon mit RoboCop: Rogue City Fans und Kritiker gleichermaßen: Der düstere Sci-Fi-Shooter stellte nicht nur genrekonform Geballer in den Mittelpunkt, sondern schlug eine gekonnte Brücke zwischen gehaltvoller 80er-Jahre-Atmosphäre, moderner Action und den thematischen Wurzeln der Filmsaga.

Das Spiel überzeugte vor allem durch das gelungene RoboCop-Feeling: träge, aber mächtige Bewegungen, Peter Weller als Originalsprecher und eine Prise sozialkritischer Satire. Die Mischung aus Nebenquests, Entscheidungsfreiheit, Skill-Trees und starker Präsentation kam so gut an, dass Rogue City als Referenz für gelungene Lizenzspiele in Erinnerung blieb.

Unfinished Business – Eigenständiges Sequel oder Erweiterung?

RoboCop: Unfinished Business setzt etwa zwei Jahre später als sogenannte „Stand Alone-Erweiterung“ an und versteht sich als eine Art Kompaktfortsetzung. Für den Einstieg braucht man keine Kenntnisse aus Rogue City – die Story steht für sich. Also keine Angst.

Erneut schlüpft man in die stählerne Haut von RoboCop, diesmal mit Fokus auf das mysteriöse OCP OmniTower-Gebäude, das in bester Dystopie-Tradition von marodierenden Elite-Söldnern übernommen wurde. Die Mission: eine handfeste Rachestory samt Neuinterpretation der klassischen „Ein Mann gegen den Turm“-Struktur.

Revenge statt Cyber-Dilemma

Die Geschichte ist diesmal krasser auf Rache getrimmt und weniger tiefgründig als noch beim Vorgänger. Während Rogue City mit Sozialkritik und Identität spielte, setzt Unfinished Business fast ausschließlich auf Tempo: Nach einem Angriff auf das eigene Precinct muss RoboCop sich durch die Söldnerhorden im Tower ballern.

Abwechslung gibt es in Form einiger Flashbacks, in denen man als Alex Murphy (noch ohne Robo-Suit) unterwegs ist. So lernen auch jüngere Spieler mehr über dessen Vergangenheit. Das erhöht die Retro- und Atmosphärewerte, bleibt aber erzählerisch klarer, geradliniger und manchmal voraussehbar.

Ballern, Aufrüsten, Power-Fantasie

Der größte Unterschied zum Vorgänger: Nebenaufgaben, Detektivspielereien und City-Hub fallen weg – Unfinished Business ist ein reiner Action-Trip. Hier zählt, was der Name verspricht: In linearen Levels kämpft man sich nach oben, erledigt Söldner und räumt das Gebäude Stockwerk für Stockwerk frei. Die KI-Gegner sind härter als zuvor, ab und an mischen Bosskämpfe den Ablauf auf. Die starke, wuchtige RoboCop-Steuerung bleibt typisch und reagiert weiterhin angenehm „tankig“, wenn man das so nennen darf.

Neu ist das gelegentliche Spielen anderer Charaktere: Als Murphy erlebt man pure Cop-Action mit beschränktem Waffenarsenal, als ED-209 wird aus dem Powertrip beinahe ein humoriges Mini-Gauntlet. Das fächert das Gameplay angenehm auf und setzt kleine Highlights.

Das Waffenarsenal überzeugt ebenfalls: Der ikonische Auto-9 bleibt das Maß der Dinge, aber auch das neue Cryo-Cannon bietet spaßige, taktische Möglichkeiten – Gegner einfrieren und zerbröseln ist eine zeitlose Freude, die der Reihe überraschend gut steht. Ressourcenmanagement und Upgrades fühlen sich gestrafft, aber sinnvoll integriert an.

Starker Look, stabile Performance

Optisch und technisch bleibt Unfinished Business seinem Vorgänger treu. Die Tower-Kulisse ist abwechslungsreich gestaltet, Licht und Partikeleffekte wirken kraftvoll, die PC- und Next-Gen-Performance ist solide. Größere Bugs oder Framerate-Einbrüche konnte ich im aktuellen Tests nicht feststellen. Peter Weller liefert erneut eine authentische RoboCop-Darbietung, und das Sounddesign punktet mit knalligen Effekten und druckvoller Musikuntermalung.

Fazit: RoboCop satt – aber kein zweiter Quantensprung

RoboCop: Unfinished Business ist ein echtes Fest für Fans von linearer, packender Shooter-Action mit hoher RoboCop-Fanservice-Dichte. Es verbeugt sich vor dem Vorgänger und dessen Fans, schaltet aber einen Gang hoch in Sachen Tempo und Power-Fantasy. Wer tiefsinnige Sci-Fi, moralische Dilemmata und eine offenere Welt wie im Rogue City sucht, wird die ungewöhnlichen Versuche des Vorgängers vermissen. Wer einfach Lust auf ein paar Stunden wuchtiges 80er-Jahre-Actionkino zum Selberspielen hat – mit dem vermutlich befriedigendsten „Auto-9“-Gefühl der Spielegeschichte –, wird hier bestens bedient.

Am Ende bleibt Unfinished Business zwar keine Revolution, aber ein gelungenes Spin-Off, das RoboCop als kompromisslose Action-Ikone gebührend feiert. Für eine kurze, knackige Metalldosis Detroit gibt’s kaum was Besseres.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC 
Webseite: teyon.com/games/robocop-unfinishedbusiness