Unterhaltung Games

Rustler

Durchgeknallt durchs Mittelalter – auf den Spuren eines GTA 2. Doch auch nervige Elemente wurden dabei übernommen …

Eins muss ich sagen: So ein bescheuertes, aber auch unterhaltsames Intro wie in Rustler habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Entwicklerstudio Jutsu Games hat sich da stark an alten Monty Python Filmen orientiert: Slapstick trifft auf absurde Momente. Was das Intro mit den realen Schauspielern andeutet, ist dann auch für das eigentliche Spiel die Marschroute: Hier wird rein gar nichts ernst genommen – auch nicht Dinge, die es eigentlich verdient hätten.

Verrückt im Mittelalter

Rustler sieht sich selbst als ein Action-Adventure, das von den alten GTA-Spielen inspiriert wurde – und damit meine ich die richtig alten GTA-Spiele. Erinnert ihr euch als ihr aus der Draufsicht Auto stehlen, vor der Polizei flüchten und die Stadt ins Chaos stürzen musstet? Ganz genau so verhält es sich auch in Rustler. Nur, dass wir hier nicht in der Moderne, sondern im Mittelalter für Zerstörung sorgen.

Grafisch präsentiert sich Rustler aus einer leicht isometrischen Perspektive: Ihr steuert euren meist betrunkenen Hauptcharakter aus der Vogelperspektive heraus. Die anfänglichen Tutorials dienen der sanften Einführung in die Steuerung und das Leben als Chaos-Stifter. Dabei ist die Steuerung an sich schnell erlernt. Bei den Nahkämpfen mit Fäusten bedarf es dann noch etwas Timing. Beim Fernkampf mit der Armbrust etwas Geduld beim Nachladen und eine ruhige Hand beim Anvisieren des Ziels.

Ernst? Wer ist das?

Dass sich Rustler keinen Deut ernst nimmt, zeigen bereits die ersten Missionen: Wenn ihr zufällig einen unbescholtenen Bürger umnietet – was echt häufig passieren wird – donnert die Polizei heran. Auf den Rücken von Pferden mit Sirene und Blaulicht, was wirklich absurd aussieht. Auch die Aufträge versprühen immer wieder humorvolle Momente, wenn ihr beispielsweise für einen Geldeintreiber ein paar Leute verprügeln sollt, dann aber merkt, dass ihr zunächst das Pferd eures Auftraggebers von der Abschleppstelle entführen müsst.

Noch schöner wird es, wenn ihr etwas Musik haben wollt, während ihr auf dem Rücken eines Pferdes sitzt. Da es Radios damals noch nicht gab, schnappt ihr euch einfach einen Barden, der für euch Lieder trällert. Um den Sender zu wechseln, verpasst ihr dem Sänger einen Schlag auf den Kopf. Das ist etwas Holzhammer-Humor, aber bei weitem nicht der einzige, den ihr in Rustler finden werden.

Mit dem Humor ist das auch so eine Sache: Manche werden die Anspielungen und die Dialoge sicherlich mögen, mir persönlich waren die Witze und Gags teilweise zu planlos ins Spiel integriert. Erinnert ihr euch ans Intro? Da erwähnte ich, dass sich Jutsu Games oft an Monty Python orientiert hat. Tatsächlich finden sich im Spiel auch immer wieder Anspielungen auf Filme, wie Ritter der Kokosnuss.

Doch leider verstehe ich den Sinn vieler Cameo-Auftritte einfach nicht. Wenn ich dort einen arm- und beinlosen schwarzen Ritter sehe, der mich durch Spucken blenden möchte, mag das kurz lustig sein, aber leider ist der Kerl nicht ansatzweise in die Story oder die jeweilige Mission eingebunden. Daher frage ich mich, was das eigentlich soll.

Tödliche Kombination

Das nehme ich Rustler aber nicht krumm. Denn für ein paar Stunden ist das lineare Abenteuer schon ganz unterhaltsam. Doch eine bzw. zwei Schwachstellen möchte euch aber dennoch nicht vorenthalten: Das Speichersystem hat Rustler direkt aus dem letzten Jahrhundert übernommen. Soll heißen: Ihr könnt nicht frei speichern, wie ihr es sicher gewohnt seid. Hier wird nur bei Missionsbeginn oder an sehr seltenen und zudem noch teuer freizuschaltenden Checkpoints gespeichert. Was daran so schlimm ist. Wartet ab!

In Kombination mit einem anderen Feature wird dies nämlich zur nervenaufreibenden Geduldsprobe. Habt ihr ein schnelles Pferd und seid gerade damit auf einer Mission, so sind dank des engen Bildausschnitts Kollisionen unausweichlich. Dabei passiert zum Glück nicht so viel. Blöd wird es aber, wenn die Polizei hinter euch her ist und ihr dann kollidiert und geschnappt bzw. getötet werdet.

Das ist mir einmal nach einer 20-minütigen Mission passiert: Gefühlte fünf Meter vor meinem Ziel, wurde ich durch diese dumme Situation geschnappt. Die Mission startete komplett von vorne. Da heißt es durchatmen und nicht den Controller in den Monitor feuern. Das mag im letzten Jahrhundert noch okay gewesen sein, doch heutzutage ist das ein völliges No-Go bei dieser Art von Spielen.

Fazit

Kommen wir zum abschließenden Fazit: Rustler kann Spaß machen. Wenn ihr das Gehirn etwas ruhen lasst und einfach auf gemütliche Verwüstung im Mittelalter aus seid, dann habt ihr hier einen prima Kandidaten, der euch ein paar Abende unterhält. Ein Stolperstein wird dabei aber das Speichersystem, das euch immer mehr fordert, je weiter ihr in der Story voranreitet.

Wenn einige Missionen länger werden, steigt damit auch die Anspannung, ob ihr sie in einem Rutsch schaffen könnt. Das trübt den Spielspaß aus meiner Sicht schon stark. Denn anders hätte Rustler viel mehr Potenzial, um einen netten Klamauk nach einem anstrengenden Tag zu bieten. Aber vielleicht schauen sich das die Jutsu Games ja wieder an und reichen einen Patch nach.

Erhältlich für: Xbox, PC, PS, Switch
Website: rustlergame.com