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Sacred 2 Remaster

Wenn Nostalgie unter die Räder kommt.

Sacred 2 war für viele von euch so ein „Ich installier’s nur kurz… und plötzlich sind 200 Stunden weg“-ARPG. Entsprechend hoch war die Hoffnung, dass ein Remaster diese alte Liebe sauber in die Gegenwart holt.

Nach ein paar Abenden mit der Neuauflage bleibt bei mir aber vor allem ein Gefühl hängen: Die Basis ist immer noch charmant, aber was als Remaster verkauft wird, wirkt eher wie ein halbherziger Port mit kosmetischer Politur – und einer Menge neuer Probleme. Bereit für einen Trip in die Vergangenheit?

Etwas schärfer, aber kaum moderner

Auf dem Papier verspricht Sacred 2 Remaster modernisierte Grafik, höhere Auflösungen und flüssigere Animationen. In der Praxis bekommt ihr vor allem saubereres 1080p/1440p/4K, etwas schärfere Charaktertexturen und verbesserte Sichtweite; viele Assets stammen aber sichtbar eins zu eins aus 2008. Die stilisierte Fantasy-Optik des Originals trägt das erstaunlich weit – Ancaria hat immer noch seinen Charme –, aber ein echter „Wow, das sieht wie ein aktuelles ARPG aus“-Moment bleibt aus.

Dazu kommt ein überarbeitetes Interface, das in vielen anderen Tests vernichtend wegkommt: größer, unruhiger, teilweise unlogisch angeordnet und optisch altbackener als vorher. Mein persönlicher Eindruck: Gerade Inventar und Skill-Menüs sind unübersichtlich, was bei einem Spiel, das von Item-Optimierung und Build-Bastelei lebt, doppelt schmerzt.

Positive Aspekte

Charakterbewegung und Kamera sind spürbar modernisiert. Ihr könnt eure Figur nun deutlich direkter drehen, abrupt die Richtung wechseln und habt weniger „Panzersteuerung“ als damals.

Außerdem wurde das berüchtigte „Body Blocking“ stark reduziert: NPCs und Gegner blockieren euch nicht mehr permanent den Weg, ihr lauft deutlich leichter durch Gruppen hindurch. Das macht Kämpfe merklich angenehmer und ist eine der wenigen Stellen, an denen sich das Remaster wirklich wie eine sinnvolle Verbesserung anfühlt.

Bugs, Glitches und Abstürze

Das große Problem sitzt aber unter der Haube: häufige Crashes-to-desktop, Audio-/Animations-Desyncs in Cutscenes, Pop-ins von Wänden und Objekten, ragdollende NPCs und „Geisterpferde“, die quer durch Städte schlittern. Das sind nur einige der technischen Baustellen, die hier schlummern. Selbst kleine Dinge wie das Kaufen eines zweiten Heiltranks beim Händler können Bugs auslösen.

Sacred 2 bleibt Sacred 2 – im Guten wie im Schlechten

Mechanisch ist das Remaster sehr nah am Original. Ihr habt immer noch eine große offene Welt, sechs eigenständige Klassen mit stark unterschiedlichen Kampfstilen, tonnenweise Skills, Combos und Runenmodifikationen. Die ausufernden Charakter-Verbesserungen, mit denen die Reihe immer geworben hat, sind nach wie vor intakt. Wenn ihr also Sacred 2 damals geliebt habt, weil ihr stundenlang am Inquisitor- oder Seraphim-Build geschraubt habt, ist diese Faszination grundsätzlich noch da.

Das Problem: Viele der Schwächen von 2008 bleiben ebenso unangetastet – und fallen heute stärker ins Gewicht. Hitboxen wirken unsauber, Trefferfeedback ist merkwürdig, und Animationen haben diesen leicht „marionettenhaften“ Look, der damals okay war, heute aber gegen moderne ARPGs abstinkt.

Aggro-Zonen der Gegner sind ebenfalls inkonsistent: Manche Mobs ignorieren euch, bis ihr ihnen auf die Füße tretet, andere sehen euch „aus einem Kilometer Entfernung“ und sprinten los. In Summe fühlt sich das Kampfsystem ungefiltert alt an – und das Remaster macht hier kaum mehr, als ein bisschen Framerate und Steuerung zu glätten.

Fazit: Für Hardcore-Fans vielleicht, für alle anderen kaum

Ehrlich betrachtet ist das Sacred 2 Remaster eine verpasste Chance. Die sinnvollen Verbesserungen – bessere Steuerung, weniger Body Blocking, etwas höhere Sichtweite, Full-Controller-Support – sind da und machen das Grundspiel durchaus angenehmer. Gleichzeitig ist der technische Zustand schwach, die grafischen Upgrades sind minimal, die UI-Überarbeitung eher Rück- als Fortschritt, und die alten Designschwächen wurden weitgehend unangetastet gelassen.

Wenn ihr Sacred 2 damals geliebt habt, genau mit diesem Kampfsystem und dieser Welt glücklich wart und vor allem einen etwas bequemeren, hochauflösenden Weg sucht, diese Erinnerung noch einmal zu durchleben, kann sich ein Blick lohnen – idealerweise mit der Erwartungshaltung, dass ihr hier eher eine leicht aufgehübschte Vintage-Flasche als einen echten Jahrgangswein bekommt.

Für alle anderen, die auf ein technisch sauberes, modernisiertes ARPG gehofft haben, gilt leider: In seinem aktuellen Zustand wirkt Sacred 2 Remaster eher wie ein hastig hochskalierter Klassiker mit neuen Macken als wie die liebevolle Rückkehr einer Reihe, die für viele früher einmal „heilig“ war. Vielleicht wäre es ja an der Zeit für ein ganz neues Sacred.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: sacred2.thqnordic.com